Wegen einer umfangreichen Serie von Tankbetrügereien muss ein 33-jähriger Mann aus Bayreuth ins Gefängnis. Das Amtsgericht in Kulmbach verurteilte den gelernten Betonbauer zu zehn Monaten ohne Bewährung. Der Mann hatte seinen Wagen in 13 Einzelfällen an Zapfsäulen im Raum Bayreuth/Kulmbach immer wieder betankt und war dann einfach weggefahren oder hatte sich unter den verschiedensten Ausreden aus dem Staub gemacht. Insgesamt kam es zwischen Januar und August 2020 zu einem Gesamtschaden von über 500 Euro. Von dem Geld ist bis heute nichts zurückbezahlt.

"Ich gestehe alles", sagte der Mann, der aus der Justizvollzugsanstalt Hof vorgeführt wurde, zu Beginn der Hauptverhandlung. Ihm blieb aber auch kaum etwas anderes übrig. In sämtlichen Fällen muss ihm klar gewesen sein, dass die Tankstellen per Video überwacht werden und er somit beobachtet wird. Doch damit nicht genug. Meist machte er sich erst dann aus dem Staub, als er dem Kassenpersonal eine abenteuerliche Ausrede aufgetischt hatte. Einmal funktionierte angeblich seine EC-Karte nicht mehr, dann wollte er schnell zur nächsten Bank, um Geld zu holen, ein anderes Mal war der Geldbeutel plötzlich weg, dann ging plötzlich die Bezahl-App auf seinem Handy nicht mehr, und so weiter. Einmal war er so dreist, dass er sogar noch eine Schachtel Zigaretten verlangte und auch bekam.

"Kaufsucht und Kleptomanie": Tankbetrüger muss ins Gefängnis

Am Ende waren alle Prozessbeteiligten davon überzeugt, dass mit dem Angeklagten etwas nicht stimmt. Er selbst sprach von "Kaufsucht und Kleptomanie", so habe das auch ein Gefängnispsychologe bereits festgestellt. Sein Verteidiger Andreas Schwarz sprach von einer Wahrnehmungsstörung und einem psychologischen Problem seitens seines Mandanten. "Kein normal überlegender Mensch begeht Tankbetrug in vielfacher Anzahl und hinterlegt dann auch noch seine Daten", sagte der Rechtsanwalt. Tatsächlich hatte der Angeklagte in einem Fall seinen Fahrzeugschein, in einem anderen Fall die Karte seiner Krankenkasse hinterlegt. In einigen Fällen musste er auch ein Formular mit seiner Adresse ausfüllen. Auch hier machte er zutreffende Angaben. "Das war doch ganz klar, dass da irgendwann eine dicke Rechnung präsentiert wird", wunderte sich Richterin Sieglinde Tettmann.

In den zurückliegenden fünf Jahren hatte es der Angeklagte auf elf Eintragungen in seinem Vorstrafenregister gebracht, die meisten davon wegen verschiedener Betrügereien. Zwei Mal wurde er schon zu Bewährungsstrafen verurteilt. In beiden Fällen war er den Auflagen nicht nachgekommen, so dass er die Strafen teilweise absitzen musste. So auch jetzt wieder in der JVA Hof.

Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung hatte bereits die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragt. 13 Fälle über einen längeren Zeitraum, das spreche für eine hohe kriminelle Energie, sagte die Anklagevertreterin, die den 33-Jährigen als beharrlichen Wiederholungstäter bezeichnete. Verteidiger Andreas Schwarz plädierte dagegen auf eine Bewährungsstrafe. Sein Mandant lebe in einer Beziehung, habe einen festen Wohnsitz und sei von 2004 bis 2017 durchgehend einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. "Mein Mandant braucht keine Haft, sondern Hilfe, um wieder auf den rechten Weg zu kommen", so der Anwalt.

Richterin Tettmann sah dies anders. Trotz Kenntnis laufender Verfahren habe der Angeklagte eine ganze Serie neuer Straftaten begangen und damit immer weitergemacht. Da gebe es noch viel aufzuarbeiten, sagte die Richterin. Eine positive Sozialprognose könne sie dem Angeklagten nicht geben, zumal er bisherige Bewährungen auch nicht durchgehalten habe.