Strikte Einreisebestimmungen, Stacheldraht, der das Land in zwei Hälften teilte und Familien, die getrennt waren - viele junge Leute kennen all das nur noch aus dem Geschichtsunterricht. Einer, der es hautnah miterlebt hat, der von der Teilung Deutschlands unmittelbar betroffen war, ist Hans Klose. Der 73-jährige war einer von rund 100 Bürgern, die sich am Tag der Deutschen Einheit am Denkmal bei der Beliner Brücke getroffen hatte, um der Wiedervereinigung vor 22 Jahren in würdigem Rahmen zu gedenken.

"Sie war für mich wie ein Geschenk Gottes: Jetzt konnte ich meinen Bruder, der in Dresden lebte, regelmäßig und ohne Probleme treffen", erzählte der Kulmbacher. Ihn freut es, dass sich die sächsische Landeshauptstadt in den vergangen zwei Jahrzehnten zu einem Schmuckstück verwandelt hat.


Wirtschaft profitierte von Wiedervereinigung


Zur jüngeren Generation zählt Michael Barnickel. Der 30-jährige aus Oberzettlitz hat noch als Kind miterlebt, wie sich ostdeutsche Autoschlangen durch die Bierstadt wälzten. Die deutsche Einheit habe nicht nur Frieden und Freiheit gebracht, sondern sich auch in wirtschaftlicher Hinsicht gelohnt: "Der Aufbau Ost bescherte einerseits westdeutschen Firmen Aufträge, führte andererseits aber auch zu einer gewissen Verbesserung der Lebensbedingungen in den ostdeutschen Bundesländern."

Ausgerichtet wurde die Gedenkfeier wie alle Jahre wieder vom Kreiskuratorium "Tag der Deutschen Einheit". Vorsitzender Dr. Wolfgang Protzner drehte in seiner Rede das Rad der Geschichte gedanklich zurück. Vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit mit seiner "Fress-, Reise- und Häuslebauerwelle" verdeutlichte der Historiker, wie es mit dem nötigen Quäntchen Glück zur Wiedervereinigung gekommen war.

Der Redner, der 22 Jahre nach der Vereinigung den Begriff der neuen Bundesländer als überholt brandmarkte, kam zu dem Schluss, dass der Prozess der Einheit vollzogen sei. "Dass was die Grundväter des Grundgesetzes als erstes Ziel formuliert hatten, ist eingelöst." Zugleich räumt der Experte ein, dass es nicht überall in Ostdeutschland blühende Landschaften gebe. Dies sei aber auch in Westdeutschland der Fall.

Es geht nicht mehr um Ost und West


Sein Fazit: "Der nächste Solidarpakt wird anders geschnürt: Dann geht es nicht mehr um Ost und West, sondern um privilegierte und unterprivilegierte Gebiete." Abschließend richtete er den Blick auf Europa. Man werde nicht darum herumkommen, eine neue Ordnung in Europa zu schaffen. "Wir sollten neu definieren, was Solidarität ist. Solidarität heißt nicht, Banken zu unterstützen, sondern Staaten zu helfen, den Standard in der Administration, in der Steuerpolitik und im Wohlstand zu erreichen, den wir haben."

Für das Kuratorium sprachen auch noch der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kulmbacher Stadtrat Ingo Lehmann sowie Stadt- und Kreisrat Thomas Nagel. Beide betonten die hohe Bedeutung des Feiertages. "Mit Stolz müssen wir immer wieder an dieses unglaubliche Geschenk Deutscher Geschichte erinnern", sagte Nagel, während Lehmann unterstrich: "Wir können stolz sein auf das Geschaffene."

Mit einem wohlbekannten Ritual endete die Feier: Das Bläserensemble der Stadtkapelle unter der Leitung von Heinz Geiger, intonierte die Nationalhymne und alle stimmten freudig mit ein.