"Wir fürchten das Gewerbegebiet dann nicht mehr vermarktbar ist und dass Marktschorgast negativ beeinträchtigt wird", brachte Marc Benker stellvertretend für die ganze CSU-Gemeinderatsfraktion vor.

Doch damit nicht genug: Denn auch der Ortsteil Rohrersreuth wäre betroffen. Zwar besteht Rohrersreuth nur aus fünf Anwesen, doch mehr als 20 Menschen leben dort. Der alternative Vorzugskorridor würde nur 30 bis 40 Meter an den bestehenden Anwesen vorbei führen. "Wir haben den Eindruck, das alles ist am Reißbrett geplant worden, ohne überhaupt die örtlichen Gegebenheiten zu kennen und zu hinterfragen", so Benker.

Und er betonte: "Wir möchten, dass man noch einmal prüft, ob es die Trasse wirklich braucht, und wir möchten auf die Problematik bei uns vor Ort aufmerksam machen." Denn die Trasse würde auch direkt am Industriedenkmal Schiefe Ebene vorbei führen.


Besonders ärgerlich sei die Tatsache, dass Marktschorgast in Punkto regenerative Energien seine Hausaufgaben gemacht habe. Denn Marktschorgast könnte seinen Strombedarf allein aus den beiden Windrädern auf der eigenen Gemarkung decken. Zudem seien rund um den Ort weitere Windkraftanlagen aufgestellt. "Was uns ärgert ist die Tatsache, dass die Trassen eindeutig an Braunkohlekraftwerken vorbei geführt sind. Das bedeutet, dass auch Braunkohlestrom auf die Leitungen kommt, und das hat nun mit der Energiewende nicht das Geringste zu tun", moniert Benker.

Jetzt hat sich der Markt Marktschorgast mit der Planungsregion Oberfranken-Ost zusammengeschlossen und eine Resolution zur geplanten Gleichstromtrasse verfasst. Es sei kein akzeptables Vorgehen, wenn Bürger, Kommunen und Fachverbände eines solchen Projektes nicht eingeweiht und erst kurz vor Schluss beteiligt werden.
Dies konnte die CSU-Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner auf Anhieb unterschreiben. "Amprion hat es geschafft, den Unmut aller Oberfranken durch die Informationspollitik und durch ihr Vorgehen zu erzeugen. Das muss man auch erst mal schaffen, das ist sehr ungeschickt angefangen worden", so die Bundestagsabgeordnete.

Sie moniert offen, dass die Informationsveranstaltungen ausgerechnet in Sitzungswochen, in denen der Bayerische Landtag und die Bundespolitik in Berlin tagten, stattgefunden haben. "Wir haben ja Präsenzpflicht, wir konnten nicht vor Ort sein", so Zeulner.

"Wir möchten jetzt erst einmal grundsätzlich überprüfen lassen, ob die Trasse wirklich notwendig ist", so Zeulner und verrät, dass es bereits tiefgreifende Gespräche mit Amprion gegeben hat. Emmi Zeulner hat auf ihrer Fahrt von Berlin nach Lichtenfels schon eine ganze Reihe von Resolutionen eingesammelt.

Wichtig ist es jetzt, dass die Planungen erst einmal aktualisiert werden, erklärte Emmi Zeulner und merkte an, dass Gaskraftwerke noch nicht berücksichtigt worden seien. Und solche Gaskraftwerke könnten mit ihrer dezentralen Energieerzeugung die Notwendigkeit solch einer Monster-Trasse abschwächen.

Ob wirklich in den nächsten Wochen eine Einreichung der Pläne erfolgen wird, ist noch unklar. Aus dem Umfeld um Amprion allerdings werden bereits Gerüchte laut, dass sich der ursprüngliche Zeitplan wohl nicht zu halten sein wird.

"Was auch schlimm ist, ist, dass die Menschen gegeneinander ausgespielt werden sollen. Wir alle drängen darauf, dass die Planungen noch einmal überprüft werden und wir müssen jetzt Schritt für Schritt vorgehen", so Zeulner.

Marc Benker merkte an, dass in Marktschorgast der Protest weitergehe. Im Rathaus liegen Unterschriftenlisten aus. Auch Auswärtige können mit ihrer Unterschrift ein Zeichen gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost setzen.