Ist es von Kulmbach nach Bamberg genauso weit wie von Bamberg nach Kulmbach, wenn ich die gleiche Straße nehme? Mit dieser Frage löst man fragende Blicke bei umstehenden Personen aus.
Für die Auflösung müssen wir uns erst mal in der Kulmbacher Geschichte umschauen. Es wird heute bei uns in Deutschland als selbstverständlich betrachtet, vieles mit einem Maßstab zu messen.


Zahlreiche Herrschaftsgebiete

Was für uns selbstverständlich ist, war aber vor 1872 eine recht unübersichtliche Angelegenheit. Denn es gab noch zahlreiche kleine Grafschaften, Bistümer, Freie Reichstädte und Fürstentümer.
Und es gab keine einheitlichen Maße. Jeder hatte seine eigene Maßeinheit und von Stadt zu Stadt gab es verschiedene Längenangaben für Elle und Fuß. Wie konnten aber die reisenden Händler erkennen, welches Normalmaß gerade gültig war? Neben den Eingangssäulen des Kulmbacher Rathauses ist noch heute des Rätsels Lösung erkennbar. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Kunden und Kaufleuten ging man zum Rathaus und maß nach. Links vom Eingang befindet sich der Kulmbacher Fuß, 29 Zentimeter, und rechts die Kulmbacher Elle, 83 Zentimeter, als Eisenstäbe in der Wand.


Meterkonvention

Die zwei Eisenstäbe zeigen noch heute, dass in früheren Zeiten im Geschäftsleben "strenge Maßstäbe" angelegt wurden. Der Norddeutsche Bund beschloss am 17. August 1868 die Einführung des französischen Metersystems zum 1. Januar 1872. Deutschland gehörte seit 1875 zu den zwölf Gründungsmitgliedern der Meterkonvention.
Um die Frage zu beantworten: Im Metern ausgedrückt, war vor 1872 die Entfernung nicht die gleiche. In Metern aber waren die Angaben identisch.