"Krieg und Terrorismus sind eine Verneinung all dessen, was menschlich ist." Dieser Sinnspruch entstammt zwar dem französischen Kulturgut, hat aber weltweit Gültigkeit. In Kriegen geschieht unendliches Leid, werden Frauen zu Witwen und Kinder zu Waisen gemacht. Oftmals nur für wahnwitzige ideologische Ideen, blindes Machtstreben oder Territorialgewinne. Kriege unmöglich zu machen, ist deshalb eine der größten Aufgaben unserer Zeit. Diesem Ziel hat sich die Soldatenkameradschaft Stadtsteinach verschrieben, die am Samstag ihr 140-jähriges Bestehen feiert.

Es waren wohl Patriotismus und nationaler Stolz, die die Gründerväter dazu bewogen haben, im Jahr 1875 den "Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenverein Stadtsteinach" aus der Taufe zu heben. Kurz zuvor war der deutsch-französische Krieg entbrannt, in dem die "Grande Nation" schließlich unterlag. Der norddeutsche Bund unter Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt trugen den Sieg davon. Es sollte der letzte Triumph sein, den Deutschland für sich verbuchen konnte. Danach folgten nur noch Niederlagen: Sowohl im Ersten, als auch im Zweiten Weltkrieg.


Tief im Bewusstsein eingebrannt

Dieses Trauma hat sich tief in das Bewusstsein der Soldatenkameradschaften eingebrannt. Deshalb verstehen sie sich heute als Wahrer des Friedens und treten ein für Völkerverständigung und gewaltfreie Konfliktlösungen. Schließlich sind in der Stadtsteinacher Vereinigung noch Mitglieder am Leben, die selbst den Wahnsinn des letzten Weltkriegs miterleben mussten.

Zum Beispiel Franz Heben tanz, der heute im Altenheim lebt. Oder Joseph "Sepp" Hildner. Gerade Letzterer empfand es als persönliche Verpflichtung, für den Pazifismus einzutreten. Er war es auch, der die Soldatenkameradschaft Stadtsteinach nach einer Flaute wieder aktiviert hat. Von 1982 bis 1991 führte er die Reservisten, bis ihm gesundheitliche Gründe zum Rückzug zwangen. Heute fungiert er als Ehrenvorsitzender und Kreisehrenvorsitzender.

In Hildners Amtszeit fielen viele Höhepunkte, auch die Begründung der Patenschaft mit den so genannten Bayreuther Jägern. Dieses Kapitel ist freilich längst beendet, nachdem das Panzergrenadierbatallion im Zuge der Bundeswehr-Reformen aufgelöst worden ist.


Enger Kontakt zur Bundeswehr

Geblieben ist aber der enge Kontakt zur Bundeswehr allgemein. "Wir halten die Verbindung aufrecht und besuchen die Soldaten, wann immer es geht", sagt Robert Dütsch, der amtierende Vorsitzende. Er führt den Verein weiter im Sinne seines Vorgängers und versucht, das Vereinsleben mit immer neuen Aktivitäten zu erfüllen. Erst unlängst waren die Mitglieder zu Besuch bei der Garnison in Hammelburg - gemeinsam mit den Aktiven der Feuerwehr.

"Die Geselligkeit wird bei uns groß geschrieben", sagt denn auch Edwin Lindner. Der 62-Jährige hat eine besondere Aufgabe. Er ist der Kanonier des Vereins. Das Geschütz kommt bei offiziellen Anlässen zum Einsatz, meist sind es Beisetzungsfeiern für verstorbene Mitglieder. Dann hallt der ohrenbetäubende Geschützknall über den Friedhof.

Dass diese Tradition heute noch gepflegt werden kann, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die Kanone - sie stammt aus dem Ersten Weltkrieg - wäre fast vernichtet worden. Es war in der Zeit der amerikanischen Besatzung, als das Geschütz um ein Haar verschwunden wäre. Denn damals zogen die GIs alle Waffen ein in Deutschland: Gewehre, Pistolen und sonstiges Kriegsgerät mussten abgegeben werden. Wer sich dem widersetzte, wurde hingerichtet. Deshalb gingen einige Stadtsteinacher, die die Kanone versteckten, ein hohes Risiko ein. Sie demontierten das Geschütz und verbargen das Rohr unter einem großen Haufen Sand. So blieb es unentdeckt.

Davon profitierte der Verein im Jahr 1952. Als er wieder gegründet wurde, buddelte man das Geschütz vom Kaliber 50 aus. Freilich fehlte die Lafette, und die Aktiven mussten deshalb ein neues Gestell bauen. So überdauerte die Kanone bis heute.


Schwarzpulver fördert Korrosion

Edwin Lindner hat seine liebe Mühe damit, das Teil buchstäblich "in Schuss" zu halten. Denn das Metall ist rostanfällig. Das verwendete Schwarzpulver ("pro Schuss kommen 90 Gramm hinein") fördert die Korrosion ungemein. Alle fünf Jahre wird das Geschütz von Amts wegen auf seine Sicherheit überprüft, beim Staatlichen Beschussamt in Mellrichstadt. Und Edwin Lindner braucht eine gesonderte Erlaubnis zur Bedienung: Er musste den so genannten Schwarzpulverschein erwerben, damit seine Tätigkeit genehmigt werden konnte vom Landratsamt Kulmbach.

Traditionspflege kann manchmal recht bürokratisch sein. Viel Geld kosten die Genehmigungen obendrein.
Doch die Aktiven scheuen die Mühen nicht. Sie wollen den Verein am Leben erhalten. Mit Erfolg: Die Stadtsteinacher Vereinigung gehört neben der Kronacher zu den größten im Bezirk Frankenwald/Obermain. Insgesamt 96 Mitglieder zählt sie, darunter zwei Frauen: Die ehemalige Stadträtin Grete Zeyher und Monika Will. Letztere fungiert als Vereinswirtin und bewahrt die aktuelle Fahne der Soldatenkameradschaft bei sich in der Gastwirtschaft "Goldener Hirsch" auf. Das reich bestickte Banner der Gründerväter befindet sich allerdings woanders: In einer Vitrine des Heimatmuseums.

Gar nicht museal zugehen wird es am Samstag, wenn die Soldatenkameradschaft ihr 140-jähriges Bestehen feiert. Dann kommen die Aktiven und deren Gäste im Schützenhaus zusammen. Dort gibt es Kaffee und Kuchen, später wird gegrillt.

Denn Traditionspflege ist nicht alles: Die Geselligkeit liegt den Reservisten ebenso am Herzen.