Es ist eigentlich ein schöner Zufall, dass die Harsdorfer St.-Martins-Kirche an der Kirchweih am kommenden Sonntag nach einer längeren Renovierungs- und Sanierungsphase um 9.30 Uhr wieder eingeweiht wird. Im Juli vergangenen Jahres erfolgten die ersten Bauarbeiten an dem Gotteshaus, die mit dem Einrüsten des Glockenturmes begannen. Erklärtes Ziel war es zunächst, den Kirchturm bis Dezember 2012 komplett fertigzustellen.

"Es traten aber mehr Schäden auf, als ursprünglich angenommen wurde, und das machte auch Mehrleistungen erforderlich", resümiert Pfarrerin Marie-Luise Matt-Fröhlich. "Wir mussten erst einmal 14 Tage warten, bis die Mauersegler ihr Quartier verlassen hatten.
Wir hatten eigentlich einen wunderschönen Herbst und konnten auch lange am Turm arbeiten, aber am dritten Advent war dann doch der Winter da."

Der Kirchturm wurde mit neuem Schiefer eingedeckt, und im Februar dieses Jahres konnte die ausführende Firma ihre Arbeiten abschließen, so dass noch im März 2013 das Gerüst am Kirchturm entfernt und das Kirchenschiff für die Malerarbeiten an den Außenwänden eingerüstet wurde. Die Innenrenovierung begann bereits nach dem Erntedankgottesdienst im vergangenen Jahr. Pfarrerin Matt-Fröhlich: "Das war unser letzter Gottesdienst in der Kirche. Von da an waren wir im Saal zur Tanne."

Quark an der Stuckdecke

Als Erstes wurde die Sanierung der Stuckdecke in Angriff genommen, die aufwendig mit Quark unterspritzt wurde, um Stabilität zu erreichen. Komplett erneuert wurde die Elektrik im Gotteshaus, wobei auch ein neues Leuchtkonzept realisiert wurde. Saniert wurden auch die beiden Emporen, in den vergangenen Tagen wurden noch die Böden eingelassen.

Sehr umfangreich waren die Malerarbeiten an den Wänden, den Decken und den Holzverkleidungen an den Emporen sowie an den Kirchenbänke.

Kosten bleiben im Rahmen

Der Kostenvoranschlag mit 960.000 Euro wird aller Voraussicht eingehalten, wie Pfarrerin Marie-Luise Matt-Fröhlich feststellte. Ein böses Erwachen wie etwa beim Bischofssitz in Limburg werde es in der Harsdorfer Martinskirche nicht geben. Architekt Karl-Heinz Greim aus Bayreuth habe die umfangreiche Sanierungsmaßnahme gut im Griff.

Was noch dringend ansteht, ist die Sanierung der Friedhofsmauer. Dazu stellt die Seelsorgerin ernüchternd fest: "Ich muss ehrlich sagen, dass wir die Kosten von damals, als die Mauer über die Dorferneuerung saniert wurde, noch nicht einmal abbezahlt haben." Bis jetzt hätten die Fachleute noch keine Antwort auf die Frage gefunden, welches Sanierungskonzept wirksam greift. Das Problem liege auch darin, dass die Kirchenmauer mit unterschiedlichen Materialien errichtet wurde. Vielleicht wählt man eine Lösung, dass man den Sandstein sichtbar macht und nur die einfachen Bruchsteine aller Art verputzt.

In absehbarer Zeit steht außerdem die Sanierung des Pfarrhauses an, aber für derlei Vorhaben muss die Kirchengemeinde inzwischen Rücklagen bilden, um vorwärts zu kommen.
Von den Gesamtkosten in Höhe von 960.000 Euro muss die Evangelische Kirchengemeinde rund 140.000 bis maximal 150 000 Euro aus Eigenmitteln stemmen. Kein leichtes, aber ein überschaubares Unterfangen, wie die Pfarrerin einräumt.

Eine gute Förderung bekam die Kirchengemeinde von der Landeskirche und der Oberfrankenstiftung. Obwohl die Martinskirche unter Denkmalschutz steht, wurden keine Mittel aus dem Denkmalschutzfonds gewährt. Die Gemeinde Harsdorf hat die Kosten für die Erneuerung der Turmuhr übernommen. Dankbar ist Pfarrerin Matt-Fröhlich, dass die Kirchengemeinde einen Sponsor für die Lautsprecheranlage gefunden hat. Aber auch die Haussammlung in der Gemeinde habe einen beträchtlichen Batzen in die Kirchenkasse gebracht.

Gemeindemitglieder waren fleißig

Am kommenden Kirchweihsonntag werden die Gottesdienstbesucher eine erleichterte Pfarrerin sehen: "Ich bin natürlich froh, dass die Anstrengung, die in einer solchen Baumaßnahme steckt, vorbei ist." Froh ist die Pfarrerin auch, dass die Harsdorfer Gemeindeglieder bei den Arbeitseinsätzen kräftig mit angepackt haben. So waren einmal gut 20 Männer im Einsatz, um den Kirchhof wieder auf Vordermann zu bringen. In mehreren Putzeinsätzen waren vor allem Frauen damit beschäftigt, den Baustaub aus dem Gotteshaus zu entfernen. "Unsere Kirchengemeinde ist in dieser Hinsicht vorbildlich. Wenn man jemanden braucht, dann ist der Zusammenhalt groß", freute sich die Geistliche.

Am Kirchweihsonntag wird man vom Gemeindehaus mit den sakralen Gegenständen zur Kirche ziehen. Die Festpredigt hält dann Dekan Jürgen Zinck.