Früher hätte es sich Landrat Klaus Peter Söllner sicherlich nicht nehmen lassen, bei der Tour der Hoffnung bis nach Bamberg mitzuradeln, aber während seiner Landratszeit habe er jedes Jahr ein Kilo zulegt - im Durchschnitt - , gab er am Samstag offen zu. Sein Etappenziel laute deshalb Mainleus oder Burgkunstadt. Angesichts der heißen Temperaturen geriet der Landrat eigentlich schon vor dem Start ins Schwitzen. Wie all die anderen auch. 185 Sportstars und andere Promis radelten mit und versuchten, so viele Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln wie möglich.

Doch am Ende verriet der Tour-Pressesprecher Jürgen Grünwald: "Ja, er hat durchgehalten. Wir hatten einen unglaublich schönen Tag mit tollen Stopps in Michelau, Lichtenfels, Staffelstein. Es sind viele Leute gekommen, und wir können uns über ein gutes Spendenergebnis freuen." In Bamberg wurden die Hoffnungsradler von den jungen Patienten der Kinderklinik empfangen. "Das war unglaublich emotional. Aber das ist der Sinn der Tour", so Grünwald.

Auf dem Mönchshofgelände wurden all die Stars aus dem Spitzensport, die man schon immer einmal live erleben wollte, herzlich empfangen.

Extra aus New York angereist


Eiskunstläufer Norbert Schramm erzählte, dass er extra aus New York angereist sei. "Ich lebe in New York und arbeite dort als Fotograf", so Schramm. Und seit fast einem Jahr ist er jetzt auch schon mit der deutsch-amerikanischen Filmemacherin Marianne Hettinger verheiratet. "Für mich sind die Tour-Tage immer die schönsten Tage im Jahr. Man ist unter Freunden, trifft unheimlich viele Leute, und ich freue mich auch, dass mich noch so viele erkennen", sagt Norbert Schramm. Schon zum siebten Mal ist er mit von der Partie und in den vergangenen zwei Jahren absolvierte er sogar die Vortouren mit.

"Ich bin zum fünften Mal dabei. Ich finde, man kann seinen Promistatus ruhig einsetzen, um etwas Gutes zu tun", sieht die mehrfache Biathlon-Olmypiasiegerin und -Weltmeisterin Katrin Apel die Sache pragmatisch. Sie verrät, dass sie ausgebildete Sozialarbeiterin ist und schon deshalb einen Faible für die Tour hat. "Aber die Tour kommt mir gerade recht, denn ich muss noch ein bisschen was abtrainieren", sagt sie und schwingt sich auf ihr orange-farbenes Thunderbird-Rennrad.

Im vergangenen Jahr kamen mehr als 1,5 Millionen Euro bei dem Benefiz-Event zusammen. Insgesamt hat die "Tour der Hoffnung", seitdem sie 1983 ins Leben gerufen wurde, 26 Millionen eingespielt. Es ist Hilfe, die hundertprozentig ankommt.

Spenden an Elternvereine


In diesem Jahr gehen die Spenden an die Elternvereine und Förderkreise der Universitätskliniken in Würzburg und Erlangen, an die Kinderklinik Bamberg, an die Forschungsförderung der Justus-Liebig-Universität Gießen und an die Hilfe bei Leukämie und Krebs Marburg sowie an die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Koblenz. "Gesundheit ist wichtig", sagte Oberbürgermeister Henry Schramm und steuerte ebenfalls einen Scheck bei.
Die Reck-Legende Eberhard Gienger und Fallschirm-Weltmeister Klaus Renz radelten nicht nur mit, sondern sie hatten eine Showeinlage in Kulmbach geplant. Nachdem Schlagersängerin Geraldine Olivier im Mönchshof mit "Champagner fürs ganze Lokal" für Stimmung gesorgt hatte, teilte Moderatorin und Biathlon-Olympiasiegerin Petra Behle sachlich mit: "Sie sind jetzt ausgestiegen".

Schon stürmten die Radlermeute und die Schaulustigen in den Innenhof und entdeckten zwei winzige Punkte am tiefblauen Himmel: Reck-Legende Eberhard Gienger und Fallschirm-Weltmeister Klaus Renz schwebten mit Fallschirmen um den Schornstein der Mönchshof und landeten exakt. "Das ist jetzt mein 6500. Sprung. Ich weiß, wie man landet", lachte Klaus Renz und verriet, dass die Showeinlage für ihn eigentlich eine willkommene Abwechslung sei. Denn so spart er sich den ein oder anderen Radlerkilometer. "Man merkt jetzt zum Ende der Tour schon, dass man in den Beinen schwach wird", so Renz.

Kopf im Flugzeug angeschlagen


Eberhard Gienger, der in den siebziger und achtziger Jahren einen Titel an Reck, Barren, Seitpferd nach dem anderen holte, mehrfacher Europa- und Weltmeister und 1976 sogar Olympia-Dritter war, ist seit 1985 bei der "Tour der Hoffnung" mit von der Partie. Für ihn eine Ehrensache. "Ich bin schon 4620 Mal gesprungen", erklärt er, wenn er auf seine Fallschirmleidenschaft angesprochen wird. In Kulmbach hatte er am Kopf ein großes Pflaster. "Da habe ich heute früh ein Scharnier am Flugzeug übersehen", gesteht er. Doch dramatisch sei die Lage nicht. "Das ist nur ein Kratzer", sagt er. Keine Sekunde lang habe er überlegt, ob er trotzdem abspringen soll.
Einige Kulmbacher nutzten die Gelegenheit, um T-Shirts, Mützen oder sonstige Accessoires signieren zu lassen. Denn so nah wie bei der Tour der Hoffnung kommt man den großen Sportstars, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, so schnell nicht mehr.

Immer dicht umringt war Stabhochspringerin Carolin Hingst, die - weil sie sich kurzfristig entschlossen hatte - ein Schild mit ihrem Namen auf dem Rücken trug. "Ich erinnere mich an eine Schulklasse, die hat bei der Vortour einen Charity-Lauf gemacht und uns 6000 Euro übergeben, das hat mich echt beeindruckt", sagte Hingst . "Jeder Tag ist immer wieder einzigartig", schwärmte sie.