Sie sind unmittelbare Nachbarn, der TSV Harsdorf und der TSV Trebgast. Trotzdem trafen sie auf dem Rasen bisher eher selten aufeinander. Am vergangenen Spieltag war es soweit, wobei die Gäste aus Trebgast ebenso wie die Gastgeber zwei komplett unterschiedliche Gesichter zeigten. Denn in der ersten Halbzeit ließ Harsdorf nichts anbrennen, führte verdient - um am Schluss mit leeren Händen dazustehen.
Wie vorab bekannt gegeben, musste Harsdorfs Spielertrainer Ingo Scharnagel auf den im Urlaub weilenden Araf Muhamed Fardas verzichten. Der angeschlagene Frank Becke konnte hingegen entgegen aller Befürchtungen doch auflaufen. Allerdings hat Harsdorf mit Rocco Franke (Kreuzbandriss) und Julian Gutzeit auch zwei Langzeitverletzte.
Wohingegen Gästecoach Michael Stöcker zwar auf Selcuk Terkes und Heiko Lindner verzichten musste, dies aber schon vorab wusste und sich darauf einstellen konnte.


In der erste Hälfte souverän

Die aufgrund der letzten Ergebnisse selbstbewussten Gäste versuchten von Anfang an dagegenzuhalten. In den ersten Minuten hatten die Trebgaster höhere Spielanteile. Die erste Chance hatte dennoch der TSV Harsdorf: Eine scharfe Hereingabe konnte Torwart Michel zu Martin Dörfler abwehren, der die große Chance aber vergab. Michel stand in der ersten Halbzeit öfter im Zentrum des Geschehens, als ihm lieb war. Wenig später war er auf der Hut und klärte gegen den nachsetzenden Mario Bilogrevic. Dann jedoch bewies Ingo Scharnagl ein glückliches Händchen, indem er den reaktivierten Emre Simsek brachte, der die Trebgaster mit energischen Antritten vor Probleme stellte.


Torreigen nach 20 Minuten

Und es dauerte in der Folge auch nur bis zur 18. Minute, als Simsek als Vorbereiter zum 1:0 glänzen durfte. Martin Dörfler netzte ein. Simsek machte auch weiter Wind und die Platzherren offenbarten in der Defensive einige Schwächen. Scharnagel setzte einen Ball über das Gehäuse und schon in der 21. Minute zappelte das Leder das zweite Mal im Netz der Gäste. Bei einem Gestochere im Strafraum schaltete Mario Bilogrevic am schnellsten. Glück hatte Trebgast dann zudem, als Simsek im Strafraum zu Fall gebracht wurde, die Pfeife des nicht immer sicheren Schiedsrichters Christian Deuber jedoch stumm blieb. Trebgast hatte bei schnellen Angriffen immer wieder seine Probleme. Andererseits rückte aber auch Harsdorf in der Defensive mitunter zu sehr auf, was den Gästen Raum für Anspiele in die Spitze bot. Wenn sie das zunächst auch nicht ausnutzten. Die Gastgeber hingegen konnten kurz vor der Pause ihren Vorsprung weiter auf 3:0 erhöhen. Nach einer Simsek-Ecke war Bilogrevic mit dem Kopf zur Stelle.
Der Vorsprung indes schien die Platzherren wohl zu sehr in Sicherheit gewogen zu haben. Anders lässt sich nicht erklären, was in den zweiten 45 Minuten passierte. Wobei den Gästen allerdings auch ein optimaler Start in den zweiten Durchgang gelang. Es dauerte gerade einmal zwei Minuten, bis Sören Kerner seine Farben das erste Mal jubeln ließ. Die Trebgaster witterten nun Morgenluft. Kai Uwe Pöhlmann verwandelte von rechts einen Freistoß direkt und Trebgast war wieder im Spiel. Das schien die Gastgeber nun ihrerseits zwar wachzurütteln, doch so richtig in die Spur fanden sie nicht mehr. Schon in der 64. Minute bejubelten die Gäste den 3:3-Ausgleich. Sören Kerner legt quer und Dominik Weichart vollendete. Trebgast glaubte wieder an sich und in der 76. Minute brachte Weichart mit seinem zweiten Treffer die Gäste sogar in Führung. Nun zeigten die Gäste, dass sie über gewisse Routine verfügen. Sie spielten die letzten Minuten runter, wechselten noch einmal und gestatteten auch keine großen Chancen mehr.
Von einem richtungweisenden Derby sprach vor dem Spiel Trainer Ingo Scharnagel. Wenn er Recht behält, heißt das also erst einmal Abstiegskampf für den TSV Harsdorf. "Jetzt sind wir unten drin", sieht er den Tatsachen ins Auge. Die Gäste hingegen scheinen bestens in der Kreisklasse angekommen. Nächste Woche empfangen die Trebgaster am Samstag um 15 Uhr den an der Spitze liegenden Absteiger SC Altenplos. Dann zeigt sich endgültig, wie sehr mit der Stöcker-Truppe zu rechnen ist. Dazu verdammt etwas Zählbares mitzunehmen sind die Harsdorfer, wenn sie am Sonntag um 14 Uhr bei der sieglosen SG Rugendorf/Losau antreten.