Steffen Justus ist erst der zweite Deutsche, der seit Einführung der WM-Serie vor drei Jahren ein Rennen gewinnen konnte. Vor ihm hatte nur Olympiasieger Jan Frodeno im August 2009 in Yokohama und im Mai 2010 in Seoul gesiegt. Justus sagt über seinen Erfolg in Australien: "Der gibt mir zusätzliche Motivation und Selbstvertrauen für das Wettkampfjahr 2012." Der in Saarbrücken lebende 30-Jährige konnte sich in Sydney wieder einmal auf seine läuferischen Qualitäten verlassen. Nach 1:51,04 Stunden für die 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen hatte er im Ziel neun Sekunden Vorsprung auf den Südafrikaner Richard Murray und das Ticket zu den Olympischen Spielen in London in der Tasche.
Nun kamen sie nach Neuenmarkt, um ihre Rennräder optimal auf den Körper einstellen zu lassen. Jürgen Schulz geht dabei sehr akribisch vor und nimmt auch einen Computer zu Hilfe. Steffen Justus sagt: "Ich bekomme das Rad in Neuenmarkt zu 99 Prozent wieder so eingestellt, dass es passt. Wir machen unter anderem auch eine Druckmessung von meinen Füßen. Dabei wird für die Schuhplatte noch eine spezielle Sohle angefertigt."
Der normale Radfahrer würde wohl mit dem Kopf schütteln, wenn er sieht, mit welchen technischen und elektronischen Hilfsmitteln Jürgen Schulz ein Rennrad einstellt - vergleichbar etwa mit der elektronischen Spurvermessung bei einem Pkw.

Kleinigkeiten entscheiden


Wie wichtig das Material ist, erklärt Steffen Justus: "Man muss sich wohlfühen, ob in einem einfachen Neoprenanzug oder auf dem Fahrrad." Jürgen Schulz nennt das "Erbsenzählen": "Die weltbesten Triathleten sind alle auf einem ähnlich hohen Level, dass man Kleinigkeiten nicht einfach vergessen kann. So kann ich im Pedal nicht einfach fünf bis sechs Prozent herschenken, denn die könnten ja am Schluss zum Sieg fehlen."
Ziel von Steffen Justus ist natürlich, bis zu den Olympischen Spielen im August gesund zu bleiben. Was seine Erfolgsaussichten anbetrifft, gibt sich der gebürtige Jenaer durchaus optimistisch: "Ich habe ja erst vor kurzem in Australien gesehen, dass ich alle schlagen kann."
Seine Stärken liegen ganz klar beim Laufen, schließlich war Steffen Justus Deutscher Vizemeister im Crosslauf. Das Talent hat er von seinem Vater Klaus Peter Justus geerbt, dem Europameister von 1974 im 1500-Meter-Lauf. "Wichtig ist aber, dass man in allen drei Disziplinen keine Schwächen hat", sagt Steffen Justus.
Sein Trainingstag beginnt mit einer Stunde Laufen, danach wird gefrühstückt. Anschließend sind eineinhalb bis zwei Stunden Schwimmen angesagt, am Nachmittag sitzt Steffen zwei bis drei Stunden auf dem Rad. Den Abschluss bilden Tempoläufe.
Die Ernährung spielt natürlich eine große Rolle, doch Steffen Justus schränkt ein: "Ich bin nicht die Ikone bei der Ernährung. Wichtig ist, dass man genügend zuführt, um das Training rumzukriegen und sich wohlfühlt. Es bringt nichts, wenn mir ein Ernährungswissenschaftler einen super Ernährungsplan macht, ich aber nach einer Woche keinen Bock mehr drauf habe." Rebecca Robisch hat ihren Lebenspartner - wie kann es anders sein - beim Sport, in einem Trainingslager, kennen gelernt. Seit über drei Jahren sind sie zusammen, und der Triathlonsport bestimmt ihr Leben: "Wir machen alle Trainingsabläufe zusammen", sagt Rebecca. Im Winter trainierten beide mit der Deutschen Nationalmannschaft vorwiegend im südafrikanischen Sommer.
Die 24-Jährige kommt aus dem mittelfränkischen Roth, der Triathlon-Hochburg in Deutschland. Rebecca hat mit dem Fußball begonnen und 1998 ihren ersten Triathlon absolviert. "Ich habe gleich gewonnen, und das hat mir natürlich gefallen. Ich habe danach mit dem Vereinstraining begonnen und mich Stück für Stück hochgearbeitet." Im vergangenen Jahr war sie Dritte bei der U-23-WM in Peking. Allerdings hat sie die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London verpasst. Nun würde Rebecca Robisch gerne Medizin studieren, wofür sie aber den Sport aufgeben müsste.
Um mit der Weltspitze mithalten zu können, sind nach den Worten von Rebecca Robisch zwei Sachen wichtig: "Man muss sehr diszipliniert sein und sein ganzes Leben nach Training und Wettkämpfen ausrichten." Rei.