In seiner Heimat ist Florim Gashi schon so etwas wie ein Nationalheld. Fotos von ihm, wie der Kosovare in den großen Fußballstadien Europas steht und für seine Sache wirbt, gingen durch die heimische Presse. Die "Sache" ist eine Herzensangelegenheit von Gashi. Der 38-Jährige will, dass der noch junge kosovarische Fußballverband (FFK) vom Fußball-Weltverband (Fifa) und dem europäischen Fußballverband (Uefa) anerkannt wird und somit an Qualifikationen zur EM und WM teilnehmen darf.

Den ersten Erfolg erzielten Gashi und seine Mitstreiter Anfang dieser Woche. Die Fifa erlaubt ihren Mitgliedsverbänden künftig Freundschaftsspiele gegen Vereine und Vereinsmannschaften des Kosovo. Ein wichtiger Schritt zur fußballerischen Anerkennung der südosteuropäischen Republik.
"Der Beschluss verleiht der Entwicklung des Fußballs im Kosovo enormen Schub und belegt einmal mehr die völkerverbindende Kraft unseres Sports", sagte Fifa-Präsident Joseph Blatter zur Entscheidung.

Ein Satz, der nicht nur die Fußballer in der jungen Republik jubeln lässt, sondern auch Gashi, einen der rund 700 Albaner in Bamberg. Früher kickte er selbst für den ASV Gaustadt, den SC 08 Bamberg und die SpVgg Trunstadt. "Mittlerweile aber nur noch freizeitmäßig mit Kumpels", so Gashi, der beim jährlichen internationalen Turnier des Bamberger Migranten- und Integrationsbeirats das Team des FC Kosova coacht, das bereits mehrfach gewann.

"Uns geht es nicht um Politik"

"Die Entscheidung der Fifa vom Montag ist ein Schritt in die richtige Richtung", so der 38-Jährige, der zuletzt mit ein paar Mitstreitern den Weg in die Schweiz antrat, um vor der Fifa-Zentrale in Zürich mit einem Plakat für "Accept Kosovo in Fifa and Uefa", wie die Aktion der europaweit gut vernetzten Kosovaren sich nennt, zu werben. "Uns geht es nicht um Politik, uns geht es nur um Fußball", nennt er seine Motivation.

Die etwa 1,8 Millionen Einwohner zählende Republik Kosovo, auf dem westlichen Teil der Balkan-Halbinsel gelegen, wird politisch derzeit von knapp über hundert Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen anerkannt. Am 17. Februar 2008, neun Jahre nach Ende des Kosovo-Krieges, wurde die Unabhängigkeit proklamiert. Der völkerrechtliche Status ist umstritten. Der Status des FFK ist klar: Noch ist man kein Mitglied im Europa- und Weltverband.

Beckenbauer als Fürsprecher

Franz Beckenbauer übrigens soll mithelfen, den Fußballverband Kosovos zu einer Anerkennung zu führen, weshalb er 2011 zum "Ehrenbotschafter Kosovos" ernannt wurde. "So einen berühmten ehemaligen Fußballer als Fürsprecher zu haben, ist schon gut", freut sich Gashi, der selbst nicht nur in Zürich, sondern auch schon bei Champions-League-Spielen von Bayern München oder Galatasaray Istanbul war und dort sein Plakat ausrollte. Bilder davon gingen durch viele albanische Zeitungen, was Gashi sehr stolz macht.

Natürlich ist dieser Einsatz nicht nur mit zeitlichem, sondern auch mit finanziellem Aufwand verbunden, "aber wir haben Unterstützer, die das mit ermöglichen". So wird Gashi weiterhin das tun, was er von Bamberg aus tun kann: Flagge zeigen, auf sein Anliegen aufmerksam machen, Unterschriften sammeln - und hoffen. Darauf, dass er bei der nächsten WM-Qualifikation einer kosovarischen Nationalmannschaft die Daumen drücken kann.

Namhafte Nationalspieler

Da könnten Spieler wie Xherdan Shaqiri (Bayern), Mergim Mavraj (Fürth), Granit Xhaka (Mönchengladbach), Albert Bunjaku (Kaiserslautern) oder der Senkrechtstarter von Manchester United, Adnan Januzaj, auflaufen. Gashi ist optimistisch: "Bei der nächsten WM sind wir dabei." Dabei sein wird er in jedem Fall beim ersten offiziellen Freundschaftsspiel im März gegen die Türkei.

Kulmbacher Gashi steht "voll dahinter"

Mit dem Bamberger Florim Gashi ("Gashi ist im Kosovo ein Name wie in Deutschland Müller oder Schmidt") nicht verwandt, aber gut bekannt, ist Enis Gashi. Der Torjäger des ATS Kulmbach findet Florims Engagement "gut". "Da stehe ich voll dahinter. Es würde mich freuen, wenn ich einmal die Fußball-Nationalmannschaft meines Herkunftslands bei einer WM oder EM sehen könnte", sagt der Bayreuther, der früher für Saas und FSV Bayreuth gespielt hat, seit eineinhalb Jahren aber das ATS-Trikot ("In Kulmbach fühle ich mich sportlich und fußballerisch wohler") trägt.

Wenn auch die volle internationale Anerkennung des kosovarischen Fußballverbands von Fifa und Uefa wohl noch etwas dauern wird, so peilen Enis und sein Bruder Perparim Gashi heuer große sportliche Erfolge an. Während der 31-jährige Perparim (früher TSV Neudrossenfeld und Bayern Hof) mit Bayern liga-Tabellenführer SpVgg Bayreuth den Aufstieg in die Regionalliga Bayern vor Augen hat, steht der jüngere Enis (25) mit dem ATS auf dem Sprung in die Bezirks liga. Mit seinen Toren (bisher 19) ist er für die Kulmbacher besonders wertvoll. tir