Am Weinberg in Neudrossenfeld werden derzeit nicht etwa die ersten Rebstöcke gepflanzt. Der neue Kunstrasenplatz des TSV Neudrossenfeld ist ein ehrgeiziges Projekt, das rund 700 000 Euro kosten wird. Das Neudrossenfelder Baunternehmen Christian Bär ist gegenwärtig dabei, die Vorarbeiten zu leisten. Im Oktober soll der Platz fertig sein.

"Die ersten Gedanken zu diesem Thema gehen schon zwölf Jahre zurück. Als wir 2003 den Dreierplatz gebaut haben, dachten wir schon darüber nach, ob wir nicht gleich einen Kunstrasenplatz bauen. Es war aber letztlich eine Kostenfrage, denn wir haben finanziell ein viel kleineres Rad gedreht", sagt TSV-Vorsitzender Gerald Weinrich.


Training beginnt immer früher

Das Thema hat den Verein nicht losgelassen, zumal die Mannschaft immer weiter aufstieg. "In den höheren Klassen war auch der Saisonbeginn immer früher.
Wir müssen regelmäßig ab dem 15. Januar beginnen und weit bis in den Dezember trainieren und spielen. Wir haben hochwertige Plätze, die durch viel Aufwand der professionellen Platzwarte auf hohem Niveau gehalten werden. Doch wenn wir Mitte Januar bis Ende März darauf trainieren und spielen, dann kann man die ganze Arbeit vergessen." Die Folge: Die Mannschaft musste auf andere Kunstrasenplätze in Bamberg, Hof oder Bayreuth ausweichen. Schließlich reifte der Entschluss, das Thema Kunstrasen noch einmal aufzugreifen. Die Finanzen waren solider, auch weil durch das Jahr in der Bayernliga einige Sponsoren an Land gezogen wurden.


Fördermittel lassen warten

Weinrich: "Wir arbeiten jetzt seit zwei Jahren intensiv daran, und ich hatte zwischenzeitlich schon ein wenig Bedenken, ob wir es überhaupt noch schaffen." Der Grund war die Verzögerung bei der Genehmigung der Fördermittel vom Bayerischen Landessportverband über einen Zeitraum von fast eineinhalb Jahren. Mit Kosten von rund 700 000 Euro hat der TSV einiges zu stemmen: "Es geht aber nicht günstiger. Man kann es drehen und wenden, wie man will - überall, wo gebaut wird, ist es die gleiche Zahl." Der TSV schaffte es dennoch, neben dem BLSV auch die Gemeinde Neudrossenfeld, den Landkreis Kulmbach und auch viele Sponsoren mit ins Boot zu holen."Wir haben lange daran gearbeitet. Es waren viele Gespräche notwendig", sagt Weinrich. Parallel zum Kunstrasenplatz wird ein voll umrandetes Kleinfeld für Kinder geschaffen, das zusätzlich rund 40 000 Euro kostet.

Der Verein wird etwa ein Drittel der Baukosten selbst tragen müssen. Den größten Brocken steuert der BLSV mit einem Zuschuss von 20 Prozent und einem zinsgünstigen Darlehen von zehn Prozent bei. Danach kommen die Gemeinde mit 75 000 Euro und der Landkreis mit 18 000 Euro. "Für die Gemeinde ist es nicht nur ein Zuschuss, sondern die Gemeinde sichert sich damit auch das Mitbenutzungsrecht an dem Kunstrasenplatz einschließlich auch der Benutzung der Duschen und der Sanitäranlagen, weil wir ja keine eigenen Schulsportanlagen unterhalten", sagt Bürgermeister Harald Hübner (CSU).


Eine Premiere für den Landkreis

"Der Bau ist für uns im Landkreis eine Premiere und von den Wetterbegebenheiten her dringend notwendig, wenn unsere Vereine wettbewerbsfähig sein wollen. Da müssen auch wir die Möglichkeit haben, Kunstrasen zu nutzen. Dass Neudrossenfeld der erste Verein ist, das ist aus meiner Sicht kein Zufall, da hier, was die Strukturen angeht, überragende Investitionen getätigt wurden", sagt Landrat Klaus Peter Söllner.
Alfred Wirth, Zweiter Vorsitzender des TSV, ist Projektleiter und fast täglich auf der Baustelle: "In den nächsten Wochen findet der Massenausgleich für das Spielfeld statt und wird nach der DIN-Vorschrift aufgebaut, mit Frostschutz und Feinschicht. Darauf kommt eine drei Zentimeter starke Elastikschicht. Anschließend wird der Kunstrasen verlegt und auf der Tragschicht verklebt. Der Kunstrasen hat vier Zentimeter lange Grashalme, die mit einem Zentimeter Quarzsand und eineinhalb Zentimeter Granulat befüllt werden."
Als langjähriger aktiver Fußballer hat der frühere Bürgermeister Dieter Schaar die Diskussionen um den Bau des Kunstrasenplatzes verfolgt: "Es gab auch kritische Stimmen, ob man den Einserplatz zum Kunstrasenplatz macht. Aber die Argumente, die dafür gesprochen haben, waren stichhaltig. Das Konzept, das der TSV vorgelegt hat, hat dann auch die Gemeinde überzeugt. Wir hatten ja die Förderung noch im alten Gemeinderat besprochen." Der TSV wird den Kunstrasenplatz auch an andere Vereine in der Region vermieten - das ist Teil der Finanzierung.