Ein Oberfranke schickt sich an, die deutsche Hammerwurf-Szene aufzumischen. Bislang setzte Merlin Hummel aus dem Kulmbacher Stadtteil Burghaig im Nachwuchsbereich immer wieder starke Akzente, doch nun meldete er auch bei den Männern seine Ansprüche an.

Hummel hatte eigentlich für diese Saison die U20-Weltmeisterschaft in Nairobi (Kenia) als Höhepunkt ausgemacht, doch diese wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Ein neues Ziel musste her. Die Wahl fiel auf die deutschen Männer-Meisterschaften Anfang August in Braunschweig. Doch dafür musste sich der 18-Jährige, der in der Trainingsgruppe des UAC Kulmbach und TSV Stadtsteinach aktiv ist, erst noch qualifizieren - und das mit einem schwereren Hammer. Im U20-Bereich wiegt das Sportgerät sechs Kilogramm, bei den Männern 7,26 Kilogramm.

Doch davon ließ sich Hummel beim ersten Wettkampf nach der coronabedingten Sportpause nicht beeinträchtigen. Der VfL Fortuna Marzahn - Heimatverein der früheren Hammerwurf-Weltmeisterin und -Weltrekordlerin Betty Heidler - hatte sein traditionelles Meeting mit hohen Hygieneauflagen und eingeschränkter Teilnehmerzahl genehmigt bekommen.

Nummer 1 in Deutschland

Da es in Bayern aktuell kaum Wettkampfangebote gibt, nahm Hummel die Einladung nach Berlin gerne an und zeigte, dass er nach langem improvisierten "Feld- und Wiesentraining" heiß auf die Standortbestimmung war. Die DM-Qualifikationsweite von 62, 5 Metern war für den Kulmbacher überhaupt kein Problem. Über 68,26 steigerte er sich auf 70,45 Meter - eine Weite, die in Deutschland noch kein Nachwuchswerfer erzielte. Der Burghaiger führt damit auch die aktuelle deutsche Rangliste in der Männerklasse an.

Von einer Favoritenposition bei den deutschen Titelkämpfen in Braunschweig will aber weder der junge Athlet noch sein Trainer Martin Ständner etwas wissen. "Merlin soll sich bei der DM gut verkaufen und vor allem Spaß daran haben, seine älteren Kollegen zu ärgern", sagte Ständner.

In Berlin ging Hummel dann nach drei Stunden Wartezeit bei 37 Grad nochmals in seiner eigetnlichen Altersklasse, der U20, an den Start. Verständlicherweise war schon etwas die Luft raus. Dennoch schleuderte Hummel den Sechs-Kilogramm-Hammer auf die Siegweite von 75,88 Metern und wies Sören Hilbig (VfR Evesen, 69,00 m) klar in die Schranken.

Zudem zeigten sich ein weiteres Talent aus Hummels Trainingsgruppe in Berlin in toller Form. Der 16-jährige Linus Liebenwald hatte im Training schon mehrfach an der 60-Meter-Marke gekratzt und hatte diese in Berlin fest im Visier. Gleich im ersten Versuch schleuderte er sein fünf Kilogramm schweres Sportgerät auf 60,42 Meter und verbesserte seine persönliche Bestmarke um fast fünf Meter. Insgesamt viermal knackte Liebenwald die 60-Metermarke, der beste Versuch landete bei 60,75 Meter. Damit hatte er die Konkurrenz in der U18-Klasse, darunter der Zwei-Meter-Mann Dawid Morgalla aus Leverkusen, im Griff.

Leonie Liebenwald mit Problemen

Nicht ganz so gut lief es bei Linus' Zwillingsschwester Leonie, die im Training den Drei-Kilogramm-Hammer schon Richtung 60-Meter-Marke geworfen hatte. Sie hatte technische Probleme, so dass es mit 50,16 Metern nur zu Rang 4 im Feld der U18-Mädchen reichte. mst