Beim Handball-Aktionstag in Marktleugast waren die ganz Großen des deutschen Handballsports vertreten - unter anderem die Nationalspieler Michael und Philipp Müller vom MT Melsungen sowie Jan Gorr, Trainer des HSC Coburg. Im Interview sprechen sie über die Nationalmannschaft, den Aktionstag und ein Leben nach dem Handball.

Warum sind die guten Zeiten unserer Handball-Nationalmannschaft vorbei?
Michael Müller: Das ist schwer zu sagen, aber die anderen Nationen entwickeln sich natürlich auch weiter. Aber ich denke, wir sind jetzt auf einem guten Weg. Das hat die Weltmeisterschaft in Katar gezeigt. Wir hatten eine junge Mannschaft und es hat Spaß gemacht. Man sieht, dass wir viel Potenzial haben. Das Ziel ist einfach, wieder oben anzugreifen.


Ein Wort zum neuen Nationaltrainer, dem Isländer Dagur Sigurdsson
Er war zuletzt der Trainer beim Bundesligisten Füchse Berlin, hat dort einen sehr guten Job gemacht und gewann mit der Mannschaft auch 2014 den DHB-Pokal. Er trainierte ab August 2014 zusätzlich unsere Nationalmannschaft, aber nach der Saison 2014/15 beendete er seine Tätigkeit bei den Füchsen in Berlin und betreut seitdem nur noch die deutsche Nationalmannschaft. Dagur Sigurdsson macht seine Arbeit sehr gut und bringt auch neue Impulse. Er ist sehr engagiert dabei, und es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten.

Wie lange wollen Sie auf diesem hohen Niveau noch Handball
spielen?
Wie lange der Körper halt alles mitmacht - aber so vier, fünf Jahre will ich schon noch Handballspielen, wenn möglich natürlich in der Bundesliga. Derzeit spiele ich mit meinem Zwillingsbruder Philipp beim Bundesligisten MT Melsungen. Das war aber nicht immer so, denn wir waren einmal drei Jahre getrennt.

Was muss ein Handballer mitbringen, um erfolgreich in der 1. Liga und der Nationalmannschaft zu spielen?
Er muss einfach Bock haben, wirklich sehr viel zu trainieren und sich da reinzuhängen. Das ist denke ich das A und O und natürlich gehört auch etwas Talent dazu, aber wer faul ist, der wird das nicht schaffen. Er muss wirklich Spaß daran haben, sich stunden- und tagelang zu schinden. Wir trainieren zweimal am Tag, jeweils eineinhalb Stunden, insgesamt also acht Mal die Woche. Das ist so der Trainingsumfang.

Was sagen Sie zum heutigen Aktionstag?
Es war super. Der Handballsport muss wieder mehr Popularität erlangen, obwohl wir ja keine Randsportart sind. Es gibt nicht nur Fußball und von daher ist es schön, dass Handball wieder mehr in die Schulen kommt.

Wie sehen Sie den Handballsport in Deutschland generell?
Philipp Müller: Es ist ein Aufwind da, und es war schade, dass wir in Katar im Viertelfinale am Gastgeber gescheitert sind. Es tut sich Einiges bei dem neuen Bundestrainer und die Mannschaft steht etwas im Umbruch. Unsere Liga ist immer noch die stärkste der Welt. Mittlerweile haben sich sehr, sehr viele deutsche Handballer in der Liga etabliert. Ich habe im Gegensatz zu meinem Bruder nur zwei Länderspiele gemacht. Mein Bruder ist Linkshänder, und diese Spieler sind eher selten. Er hat auch über Jahre schon sehr gute Leistungen gebracht. Ich bin stolz auf ihn, dass er so viele Länderspiele gemacht hat.

Wie geht es nach der Handballkarriere weiter?
Ich habe bei einem Zeitungsverlag gelernt, mache jetzt ein Fernstudium, um danach im Medienmarkt eine Arbeit aufzunehmen. Man muss als Handballer schon schauen, dass man nach der aktiven Zeit einen Beruf hat, weil die großen Millionenverträge unterschreiben die Fußballer und nicht die Handballer.

Herr Gorr, wie lange ist es her, dass Sie als Co-Trainer bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft tätig waren?
Jan Gorr: Das ist ein knappes Jahr her. Es war ja so, dass der Vertrag mit Martin Heuberger nicht verlängert wurde und meine Aufgabe war, ihn zu unterstützen. Dass ein neuer Bundestrainer sich dann auch seinen Co-Trainer holt, das ist, denke ich, eine ganz normale Geschichte. So ist dann auch der Wechsel zustande gekommen.

Ist es unter Heuberger nicht etwas unglücklich gelaufen?
Ich finde schon, dass man unter ihm eine Entwicklung gesehen hat, aber es hat nicht ganz gereicht. Wenn man sich das Spiel gegen Polen anschaut, da haben nach 120 Minuten ein, zwei Tore gereicht, um eine Entscheidung herbeizuführen. Das zeigt, wie knapp das war. Ich hätte es Martin Heuberger sehr gegönnt, weil er mit unfassbar viel Einsatz an die Aufgabe rangegangen ist, von daher war es echt schade, dass er das kleine Quäntchen Glück, das man braucht, zum Schluss nicht hatte.

Wie lautet Ihr Urteil zur gegenwärtigen Handball-Nationalmannschaft?
Das letzte große Turner hat wieder gezeigt, dass der Weg in die richtige Richtung geht. Wir haben junge Spieler - und denen muss man auch Zeit geben. Ich glaube, dass die Weichen so gestellt sind, dass wir in den nächsten Jahren noch Spaß an der Nationalmannschaft haben werden. Von daher glaube ich auch, dass wir durchaus optimistisch in die Zukunft gehen können.

Das Gespräche führte
Werner Reißaus