Im Kinderhort der Arbeiterwohlfahrt in Kulmbach ist am Freitag immer "Medientag": Das Handyverbot ist aufgehoben, die Kinder müssen keine Hausaufgaben machen und aus den Räumen ertönt laute Musik. Am 25. März wird es hier ähnlich turbulent zugehen: An diesem Tag feiert der Kinderhort sein 30-jähriges Bestehen und öffnet seine Pforten mit dem "Tag der offenen Tür" .


Gründung aus der Not heraus

Der Hort wurde 1987 gegründet und war der erste in Kulmbach. Die Gründung folgte gewissermaßen "aus einer Not heraus", erklärt Erzieherin Manuela Maisel. Viele der damaligen Eltern waren entweder alleinerziehend oder berufstätig. Sie konnten ihre Kinder nachmittags nicht beaufsichtigen und suchten nach einer Einrichtung, die genau dies bot.
Bei der Awo waren die Kinder gut aufgehoben. In der Öffentlichkeit setzte sich diese Erkenntnis freilich nur langsam durch: Seinerzeit hielt sich noch hartnäckig die Überzeugung, dass Kinder nirgends so gut betreut werden könnten wie zuhause von der Mutter. Es brauchte seine Zeit - und erschwerte zeitweise auch die Standortsuche - bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass in Horten hochwertige pädagogische Arbeit geleistet wird.
Der damalige Awo-Kreisgeschäftsführer Oskar Schmidt und seine Mannschaft aber küämpften für den Hort - und starteten seinerzeit die Betreuung mit 17 Kindern. Mittlerweile ist die Zahl der Hortkinder auf 23 angewachsen. Sie besuchen die Carl-von-Linde-Realschule, die Max-Hundt-Schule und die Werner-Grampp-Schule.
Im Förderzentrum in der Hannes-Strehly-Straße, in dem der Hort mittlerweile sein Zuhause gefunden hat, gibt es noch drei andere Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt: Die Heilpädagogische Tagesstätte für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung umfasst derzeit vier Gruppen mit jeweils acht bis elf Kindern.
Die Heilpädagogische Tagesstätte für Kinder- und Jugendliche mit Lernbehinderung besteht aus zwei Gruppen mit jeweils acht Kindern. Seit September 2016 gibt es zudem einen Kindergarten mit 20 Plätzen.


"Keine Aufbewahrungsanstalt"

Alle vier Einrichtungen werden bei der Jubiläumsveranstaltungen vertreten sein. Der "Tag der offenen Tür" ist nicht nur an die Eltern gerichtet, die dadurch Einblick in die pädagogische Arbeit bekommen. Im Gegenteil: "Man hat den Eindruck, dass Kulmbach ein völlig falsches Bild von unserem Förderzentrum hat", stellt Manuela Maisel fest. Viele gehen davon aus, dass alle Kinder der Einrichtung automatisch die Förderschule besuchen müssen - was keineswegs der Fall ist.
Durch den "Tag der offenen Tür" erhoffen sich die Verantwortlichen ein größeres Verständnis der Kulmbacher. "Wir sind schließlich keine Aufbewahrungsanstalt, sondern eine tolle Einrichtung, in der Integration und Inklusion in vollem Maße ausgelebt werden."