Bereits vor einigen Jahren hatten Mitarbeiter des Urwelt-Museums Bayreuth in der Grube den Schädel eines zehn Meter langen Fischsauriers ausgegraben. Seither gab es immer wieder Knochenfunde von weiteren Riesenfischsauriern.

Im vergangenen Sommer entdeckte der Präparator des Museums, Stefan Eggmaier, wieder einen riesigen Schädel. Die Fundumstände waren diesmal sehr kurios. "Eigentlich wollten wir nur den Verlauf einer bestimmten Fundschicht in der Grube verfolgen. Das so genannte Belemnitenschlachtfeld taucht im hinteren Bereich der Tongrube in die Tiefe ab, und wir wollten herausfinden, ob es möglich ist, auch in diesen tieferen Schichten zu graben", so Museumsleiter Joachim Rabold.

Aus unerfindlichen Gründen habe der Baggerfahrer sein Gefährt um 180 Grad gedreht und zwei Schaufeln Ton an einer Stelle aus der Tiefe geholt, an der gar keine Grabung vorgesehen war. Als Eggmaier sich den ausgegrabenen Ton genauer anschaute, fand er mehrere große Knochenstücke im Sediment.

Der Präparator stoppte sofort die weiteren Arbeiten, um das Baggergut und das entstandene Loch im Boden genauer untersuchen zu können. In mühsamer mehrtägiger Handarbeit legte nun Stück für Stück die Überreste eines riesigen Fischsauriers frei. Die Arbeiten wurden zusätzlich erschwert, als nach einem heftigen Regenguss die Grabungsstelle überflutet wurde. Nach der Trockenlegung konnten ein fast zwei Meter langer Schädel sowie Teile des Schultergürtels und Rippen geborgen werden.


"Zwei Tage Knochenarbeit"

Zusammen mit dem Grabungshelfer Johannes Rabold mussten nun noch zwei große Baggerschaufeln Ton Zentimeter für Zentimeter nach Knochen durchsucht werden. "Dies waren zwei Tage Knochenarbeit, im wahrsten Sinn des Wortes", so Johannes Rabold.

Die Mühe lohnte sich: Über hundert kleine runde Knochenplättchen wurden im schlammigen Sediment gefunden. Im Labor setzte Eggmaier diese zu zwei fast vollständigen und jeweils etwa einen Meter langen Fischsaurierpaddeln zusammen.

Warum der Baggerführer damals an einer Stelle grub, die überhaupt nicht vorgesehen war, kann sich heute niemand mehr erklären. War es vielleicht Intuition oder "Jagdinstinkt", oder einfach nur Zufall? Auf jeden Fall bescherte diese Aktion dem Museum ein fantastisches neues Fundstück mit Schädel, Schulter- und Brustpartie sowie zwei große Schwimmpaddel.

Museumsleiter Joachim Rabold: "Wir haben nun schon wieder viele Teile eines über acht Meter langen Fischsauriers aus der Grube Mistelgau in unserem Fundus. Weitere Wirbel und andere Knochenstücke deuten auf eine auffallende Häufung dieser Riesentiere hin. Warum das ausgerechnet in unserer Region so ist, können wir noch nicht erklären. Hier hat die Wissenschaft künftig einige spannende Fragen zu beantworten."

Ein gutes Dutzend weiterer Fischsaurier, zwei Krokodile und Überreste von Plesiosauriern sowie unzählige Fische, Ammoniten, Muscheln und Schnecken sind die Ausbeute der mehrjährigen Grabungsaktivitäten des Museums in Mistelgau. "Da ist ein trächtiges Muttertier mit Embryo im Bauch, bei einem anderen Tier sieht man, wie Zähne wieder nachwachsen, nachdem das Gebiss beschädigt wurde. Wir haben vermutlich unterschiedliche Arten von Fischsauriern, die vielleicht erst noch neu beschrieben werden müssen", so Rabold.

Die Skelette werden im Museum präsentiert. Mit dem erneuten Fund eines Fischsaurierriesen offenbart sich aber ein Problem: "Wir haben immense Platzprobleme, weil wir längst nicht alle Funde der großen Wirbeltiere zeigen können. Dies ist schade, weil jedes Skelett einzigartig ist und eine spannende Geschichte zu erzählen hat." red