Richard Burger ist das, was bei Parteien gern "Urgestein" genannt wird. Er ist seit 47 Jahren in der SPD. Der gebürtige Ludwigschorgaster stammt aus einer Arbeiterfamilie und ist schon jung mit sozialdemokratischen Gedankengut aufgewachsen. Für die "kleinen Leute" da zu sein, liegt ihm am Herzen. Dass der Ludwigschorgaster Ortsverein jetzt 65. Geburtstag feiert, macht auch ihn stolz.

1966 war Burger einer von 14 Männern, die dem Ortsverein beitraten. "Es herrschte regelrecht eine Aufbruchstimmung", erinnert sich der 79-Jährige. "Wir waren eine aktive Gruppe, machten Wahlkampfhilfe und plakatierten selbst im Oberland des Landkreises."

Aber auch politisch wollte der frühere Postbeamte in der örtlichen SPD etwas mitgestalten. Daher engagierte er sich vier Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender und übt seit 1978 bis zum heutigen Tag das Amt des Kassiers aus.


Vorbild Helmut Schmidt

"Mit der Aussage ,Mehr Demokratie wagen' hat Willy Brandt in seiner Regierungserklärung 1969 für uns als damals jüngere Generation ein besonderes Zeichen gesetzt", betont Burger.

Wer für den Ludwigschorgaster der bedeutendste Politiker in den vergangenen 50 Jahren war? "Helmut Schmidt ist für mich ein Vorbild, ja ein Idol, noch heute der Inbegriff des Staatsmannes mit Weitblick, dessen Wort unverändert Gewicht hat." Zu unvergesslichen Erlebnissen wurden für ihn die zwei Wahlkampfauftritte von Ex-Kanzler Gerhard Schröder in Kulmbach.

Gerne erzählt Richard Burger aus der Geschichte seines Vaters, der als Weber bei der Firma Türk & Kneitz in Kulmbach beschäftigt und schon in den 1920er Jahren Mitglied in der SPD war. Seine Kulmbacher Genossen hatten ihn immer wieder mit Informationsmaterial versorgt, das er in Ludwigschorgast verteilte. Schluss damit war 1933 mit der Machtübernahme Hitlers. Richard Burger weiß noch genau, was der Ortsvorsteher damals zu seinem Vater gesagt hat: "Konrad lass das sein, sonst muss ich dich melden. Und verhaftet wollte er nicht werden, also ließ er es sein."

Weil das Thema "Kita-Plätze" derzeit eifrig diskutiert wird, bringt Richard Burger eine Initiative der Ludwigschorgaster SPD Anfang der 1970er Jahre in Erinnerung. Ein Kindergarten der Awo sollte mit Unterstützung des ehemaligen Kulmbacher Staatssekretärs Karl Herold im Ort entstehen. Doch wurde das Vorhaben abgelehnt. Heute ist diese Frage in der Gemeinde allerdings geklärt.

Vor dem Hintergrund der Gründung der sozialdemokratischen Partei Deutschlands vor über 150 Jahren mag eine Zeitspanne von 65 Jahren nur relativ kurz erscheinen. Dennoch sind die Mitglieder der Ludwigschorgaster SPD stolz darauf, heuer dieses Jubiläum begehen zu können.


18 Gründungsmitglieder

Die Wiege des SPD-Ortsvereins stand am 21. März 1948 in der ehemaligen Firma Rösch. Neues Vertrauen in die Politik und eine Partei nach der Hinterlassenschaft der Nazi-Diktatur wieder aufzubauen, war die erste Aufgabe der jungen Vereinigung. Zum Vorsitzenden wählten die 18 Männer der ersten Stunde Konrad Burger. Rasch konnte sich der Ortsverein auch in der Kommunalpolitik etablieren und hat in der Folgezeit aktiv an der Aufbauarbeit in der Gemeinde mitgewirkt.

Ein kräftiger Mitgliederzuwachs, die Gründung der Juso-Gruppe und beachtliche Wahlergebnisse ließen den Ortsverein Anfang der 1970er Jahre seine Blütezeit erleben.


Jubel im Jubiläumsjahr

Untrennbar mit dem Aufstieg der örtlichen SPD ist der Name des verstorbenen Johann Friedrich Hohner verbunden. Zu den Glanzpunkten der Ortsvereinsgeschichte zählt die 50-Jahr-Feier. Festredner war kein Geringerer als der damalige Bundestagsabgeordnete und spätere Vizepräsident der Europäischen Kommission, Günter Verheugen.

Das i-Tüfelchen im Jubiläumsjahr 1998: Zum ersten Mal wurde die SPD in Ludwigschorgast bei der Bundestagwahl stärkste Partei.

Anerkennung für jahrzehntelanges engagiertes und ehrenamtliches Wirken erfuhren Sozialdemokraten auch durch die Marktgemeinde. So wurden Alois Weinrich, der von 1972 bis 1978 stellvertretender Bürgermeister war, Karl-Heinz Hohner, Helmut Hohner und Tobias Braunersreuther sowie die bereits verstorbenen Gemeinderäte Fritz Konrad und Wilhelm Stelzig mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.


Den Ehrenvorsitz verliehen

Die besonderen Verdienste von Karl-Heinz Hohner wurden mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden und der Verleihung der Willy-Brandt-Medaille gewürdigt. 32 Jahre stand der 76-Jährige an vorderster Stelle.

Den Vorstand heute bilden Vorsitzender Tobias Braunersreuther, stellvertretender Vorsitzender Wolfgang Felgenhauer, Kassier Richard Burger und Schriftführerin Elli Konrad. Im Gemeinderat sind von der SPD/Offenen Liste Jürgen Beyer, Tobias Braunersreuther, Wolfgang Felgenhauer, Klaus-Peter Kugler und Monika Obermeyer vertreten.