Einige ihrer Pappenheimer kennen sie schon. Die beiden Männer der Sicherheitswacht sind ausgestattet mit Funkgerät und Pfeife sowie einer Tasche mit weiteren nützlichen Utensilien.
Sechs Männer und eine Frau bilden derzeit in Kulmbach die Sicherheitswacht. Sie laufen durch die Innenstadt Patrouille, tagsüber, abends, manchmal auch nachts und konnten schon so manche Straftat verhindern. In diesem Jahr gab es bereits mehrere spektakuläre Einsätze.

Lothar Conrad ist mit achtzig Jahren das älteste Mitglied der Sicherheitswacht. Doch er fühle sich noch immer fit genug, um Einsätze zu leisten, sagt der gelernte Bäckermeister. Schließlich sei die Sicherheitswacht kein Security-Dienst, der sich einmische. Die Helfer seien präventiv tätig und sorgten für Recht und Ordnung, ohne Schlagzeilen zu machen.

"Ich habe mich damals auf eine Anzeige hin beworben. Ich fand, dass das spannend klang", erinnert sich Lothar Conrad an die Anfänge im Jahr 1995.
Meistens laufen die Einsätze friedlich ab. Die meisten Kulmbacher finden die Sicherheitswacht gut. Doch auch Auswärtige kommen immer wieder auf die Männer mit den blauen Jacken zu und wenden sich bei Fragen an sie. "Ich werde sehr oft nach dem Mainzusammenfluss gefragt", sagt Conrad und hilft natürlich auch bei solchen Dingen gerne weiter.

Achim Schneider gehört mit 53 Jahren zu den Jüngeren in der Truppe. Er arbeitet in der Kulmbacher Brauerei, leistet den Sicherheitsdienst nach seiner Schicht. "Das ist ideal, da bin ich dann mittags beim Zob zum Beispiel", erklärt. "Wir dürfen auch Platzverweise aussprechen." Und am Busbahnhof musste er schon so manches mal von dieser Befugnis Gebrauch machen.

Schneider trägt die blaue warme Winterjacke oder die Sicherheits-Poloshirts im Sommer gerne. Der spektakulärste Einsatz, den Schneider wohl nie vergessen wird, war beim Brand in der EKU vor einigen Jahren. Die Sicherheitswacht sei zufällig vor Ort gewesen und habe helfen können, ein drohendes Verkehrschaos zu verhindern.

Einmal hat Achim Schneider einen demenzkranken Mann aufgegriffen, der vermisst wurde. "Ich hab' ihn angesprochen und er ist gerne mitgegangen. Wir haben ihn dann zur Polizei gebracht", erzählt Schneider. Doch es habe auch schon mal unangenehme Begegnungen gegeben. "Wir wurden so übel beschimpft, dass wir sogar eine Anzeige wegen Beleidigung erstatten mussten."

Viel zu erzählen hat auch Werner Agly (62), ebenfalls ein Gründungsmitglied, ebenfalls im echten Leben bei der Kulmbacher Brauerei tätig. Er läuft etwa 15 Stunden pro Monat Streife. Einmal hat er einen Spanner stellen können, der beim Frauenarzt durchs Fenster lugte. Ein anderes Mal ertappte er gemeinsam mit Markus Winkler (40) einen Busengrabscher. "Der war betrunken und hat die jungen Mädchen angegrabscht", erinnert sich Agly noch gut. Natürlich greift die Sicherheitswacht nicht selbst ein, sondern verständigt im Fall des Falles die Polizei.

Die sechs Männer und Elfi Böhnisch haben im vergangen Jahr 950 Stunden Dienst geleistet. Gerhard Renk, Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach, betont, dass die präventive Wirkung von immensem Wert sei. Im vergangenen Jahr habe es einen spektakulären Fall gegeben. "Ein Autofahrer streifte ein Kind und fuhr einfach weiter. An den Bahngleisen wurde er gestoppt, Sicherheitswacht und Polizei konnten den Mann dingfest machen."

"Fünf unserer Sicherheitswachtmitglieder sind von Anfang an dabei. Sie sind sehr erfahren und wissen genau, wie man sich richtig verhält", lobt Gerhard Renk. Einen Wunsch hat er dennoch: weitere Aktive für die Sicherheitswacht. "Wir würden gerne in diesem Jahr wieder eine 40-stündige Ausbildung anbieten." Die Tätigkeit sei ehrenamtlich, gezahlt werde lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung.

"Die Sicherheitswacht zahlt sich aus. Sie gibt den Menschen Sicherheit und verhindert auch manchmal, dass jemand, der zu viel Energie hat, irgend etwas kaputt macht", betonte OB Henry Schramm beim Abschlussabend und lud zum Essen ein.