Es ist mehr dem kriminalistischen Spürsinn einer Streife der Polizei Stadtsteinach als "Kommissar Zufall" zu verdanken, dass ein schwerer Bandendiebstahl aufgeklärt wurde. Täter sind sechs Polen, die sich derzeit vor der Ersten Jugendkammer des Landgerichts Bayreuth verantworten müssen. Die Bande hatte sich hauptsächlich auf Photovoltaikanlagen spezialisiert und "arbeitete" in ganz Deutschland.

Ausgangspunkt ihres Beutezugs war eine private Photovoltaikanlage am Rand der Dorfstraße in Neuenmarkt. Gestern fand unter Vorsitz von Richter Michael Eckstein der zweite Verhandlungstag statt, an dem mehrere Beamte der Polizeiinspektion Stadtsteinach und der Kripo Bayreuth als Zeugen gehört wurden.

Eine 28-jährige Polizeihauptmeisterin trat als erste in den Zeugenstand. Sie war mit ihrem Kollegen in der Nacht zum 6.
November 2013 gegen Mitternacht auf Streife unterwegs: "Kurz vor der Kreuzung bei Wirsberg sahen wir zwei Lichter auf dem parallel zur Bundesstraße verlaufenden Feld- und Waldweg. Wir beschlossen, uns das Auto näher anzuschauen", schilderte sie ihren Einsatz. In der Einfahrt zum Sportplatz des TSV Wirsberg wendete das Polizeiauto. In diesem Moment fuhr auch einer der Angeklagten mit einem gemieteten Kastenwagen vorbei. Die Polizeibeamtin: "Wir haben gesehen, dass nur eine Person im Fahrzeug war, und fuhren dann hinter diesem in Richtung Himmelkron her."

Am Parkplatz der Frankenfarm habe sie sich mit ihrem Kollegen entschlossen, eine Kontrolle durchzuführen. Zunächst seien die Fahrzeugpapiere überprüft worden. Als man den Fahrer aufgefordert habe, die Hecktür des Kastenwagens zu öffnen, sei der Pole mit der Ausrede gekommen, das Schloss sei kaputt. Erst nach nochmaliger Aufforderung habe er die Tür geöffnet.


Wagen voll mit Wechselrichtern

Die beiden Beamten staunten dann nicht schlecht, denn der Wagen war voller Wechselrichter. Der Polizeibeamte: "Ich bin gelernter Elektriker und wusste natürlich, dass die Gegenstände von einer Photovoltaikanlage stammten. Seltsam war, dass der Kastenraum trocken war, die Wechselrichter aber nass. Zum Teil war auch noch Gras dran."

Kurze Zeit später klickten auch schon die Handschellen. Der Pole wurde gegen 0.30 Uhr festgenommen. Die 22 Wechselrichter konnten dem Geschädigten inzwischen wieder übergeben werden.

In der Nacht vom 6. auf 7. März 2014 fiel die gesamte Diebesbande in die Hände der Polizei. Diesmal war der Tatort in Edemissen in Niedersachsen, wo auf dem Gelände eines Kieswerks 69 Kabelstränge im Wert von 16 796 Euro und ein Außenbordmotor der Marke Yamaha (10.000 Euro) gestohlen. Die sechs Angeklagten wurden zwischen 2.22 und 2.43 Uhr festgenommen. Noch am gleichen Tag erließ das Amtsgericht Bayreuth Haftbefehl.

Fast zwei Stunden verbrachte ein Ermittlungsbeamter der Kripo Bayreuth im Zeugenstand. Dabei musste er sich einige Vorhaltungen der Verteidiger anhören. So wurde die Notwendigkeit der Observation der Diebesbande in Frage gestellt und Kritik an einer "gewaltsamen und emotionalen" Öffnung des VW-Transporters geäußert. Rechtsanwalt Cornelius Sturm sah sogar einen Verstoß des Beamten gegen die Belehrungspflicht. Die Vorwürfe gingen soweit, dass auf Kommando die Scheiben am Bus eingeschlagen und Personen aus den Fenstern gezogen worden seien, nachdem sie die Türen nicht geöffnet hätten. Einer der Angeklagten gab vor, dass er seitdem unter Hüftschmerzen leide.

Der Ermittlungsbeamte verteidigte das Vorgehen seiner Kollegen in Edemissen, zumal die Scheiben verdunkelt gewesen seien und man nicht gewusst habe, ob die Bandenmitglieder bewaffnet waren.

Ein weiterer Kripobeamter bezifferte den Gesamtschaden mit 122.321 Euro, der Sachschaden liege dagegen nur bei knapp 1000 Euro. Rechtsanwalt Sturm sah es als erwiesen an, dass die Schadenshöhe von den Ermittlungsbeamten nicht ausreichend geklärt ist. Er hielt die Tabelle für nicht tragfähig und vermisste detaillierte Feststellungen.

Bereits am Mittwoch sollen Staatsanwalt Ludwig Peer und die sechs Pflichtverteidiger ihre Plädoyers halten.