Ein Dachstuhlbrand in Mainleus, ein Wohnhausbrand in Kasendorf, brennende Papiercontainer und ein Streit wegen einer versengten Jacke - in der Silvesternacht 2012 gab es viel zu tun für Polizei und Feuerwehr. Mancher Einsatz wäre sicher vermeidbar gewesen. Gerhard Renk, Leiter der Polizeiinspektion Kulmbach, nennt den Grund: "Es gibt praktisch jedes Jahr Vorfälle mit Feuerwerkskörpern."

"Zum Teil sind es Unfälle, zum Teil vorsätzliche Sachbeschädigungen", weiß der Polizeichef. So komme es immer wieder vor, dass Böller in Briefkästen oder Telefonzellen geworfen werden.


Raketen auf Abwegen

"Oft werden Raketen aus Nachlässigkeit nicht senkrecht nach oben abgeschossen, sondern schräg", erklärt Renk. "Dann kann es sein, dass Leute getroffen werden oder Gebäude.
Wir hatten einmal einen Fall, wo eine Rakete auf einem Balkon gelandet ist, und die Sachen, die dort lagen, Feuer gefangen haben." Wichtig sei auch, genügend Abstand zu umstehenden Personen zu halten. "Wenn ein Böller direkt neben jemandem explodiert, kann der ein Knalltrauma davon tragen."

Lärm und Lichtschein sind vor allem für Tiere eine Belastung. "Und zwar für Wildtiere genauso wie für Haustiere", erklärt Erich Schiffelholz vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). "Nachtvögel etwa werden von den Lichtblitzen aufgescheucht und fliegen möglicherweise panisch herum." Besonders empfindlich sind die Fledermäuse, die in den Kellern der Plassenburg ihr Winterquartier bezogen haben. Zu ihrem Schutz verschließen Schiffelholz und seine Kollegen vom LBV die Kellerfenster mit Platten. "Das verhindert, dass Böller hineingeworfen werden." Damit Wildtiere so wenig wie möglich in Mitleidenschaft gezogen werden, empfiehlt Schiffelholz, Raketen und Kracher nicht in Parks abzufeuern oder an anderen Orten, wo sich Tiere aufhalten könnten. "Jeder sollte seinen gesunden Menschenverstand gebrauchen und Rücksicht auf seine Mitgeschöpfe nehmen."


Augen auf beim Böllerkauf

"Ganz wichtig ist, nur zugelassene Böller zu kaufen, die das BAM- oder CE-Siegel tragen", erklärt Gerhard Renk. Die Sprengkraft von Krachern ohne Siegel sei unberechenbar.

Trotzdem stößt die Polizei immer wieder auf die gefährlichen Kracher, die oft aus Osteuropa eingeführt werden. Seit Anfang August sind in Oberfranken schon über 10 000 Stück sichergestellt worden. Anfang Dezember erwischten Verkehrspolizisten in Hof zwei Männer aus Thüringen, die in Tschechien rund 1300 verbotene Böller eingekauft hatten. "Damit macht man sich strafbar," erklärt Renk.


Und das rät die Polizei:

 So genannte Kleinfeuerwerke (pyrotechnische Gegenstände der Klasse II) wie Raketen, Böller, Luftheuler und Fontänen dürfen ausschließlich im Zeitraum vom 28. bis 31. Dezember und nur an Erwachsene verkauft werden.
 Ein Abbrennen dieser Kleinfeuerwerke ist nur an Silvester und am Neujahrstag erlaubt, nicht aber von Minderjährigen und nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen.
 Wer noch keine 18 Jahre alt ist, muss sich auf Kleinstfeuerwerke wie Wunderkerzen, Knallerbsen und Partyartikel beschränken. Diese Gegenstände dürfen auch an jüngere Personen ausgegeben und ganzjährig gezündet werden.
 Besondere Vorsicht ist geboten, wenn pyrotechnische Artikel aus dem Ausland, insbesondere aus Osteuropa, importiert werden. Art, Menge und Energie des Schwarzpulvers sowie die Tauglichkeit der Zünder entsprechen häufig nicht den deutschen Sicherheitsbestimmungen. Die Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) stellt diesen illegalen Krachern in der Regel keine Zulassung aus, da sie im wahrsten Sinne des Wortes "brandgefährlich" sind und nicht selten zu Unfällen mit schweren Verletzungen führen.
 Wer solche Artikel nach Deutschland einführt oder besitzt, macht sich nach dem Sprengstoffgesetz strafbar. Die oberfränkische Polizei hat bereits jetzt ihre Kontrollen auf derartige Feuerwerkskörper fokussiert.
 Wer unbeschadet ins neue Jahr kommen möchte, sollte also folgendes beachten: Verwenden Sie nur Feuerwerksartikel mit einer BAM- oder CE-Kennzeichnung. Beachten Sie zwingend die Gebrauchsanweisung. Bewahren Sie Feuerwerkskörper sicher vor Kindern auf. Führen Sie keine pyrotechnischen Artikel in den Taschen Ihrer Kleidung mit. Schießen Sie keine Böller oder Raketen in Menschenmengen oder auf Gebäude.Wenn bereits gezündete Silvesterkracher versagen, dann lassen Sie diese liegen und zünden sie die "Blindgänger" keinesfalls erneut an. Basteln Sie sich auf kein Fall Ihr eigenes Feuerwerk.