Gemütlich sitzen Heidi Holhut (66) aus Wirsberg und Ingrid Will (67) aus Neuenmarkt auf der Holzbank im Esszimmer der Familie Holhut. Vor sich haben die beiden, die sich schon fast 60 Jahre kennen, eine Tasse Kaffee stehen. "Die Lebkuchen habe ich gebacken", fordert Heidi Holhut ihre Freundin auf, zuzugreifen. Doch eigentlich müsste sie nichts sagen. Denn sie sind beste Freundinnen. Jede ist bei der anderen ein bisschen zuhause. Da sind Höflichkeitsfloskeln fehl am Platz.

"Damals war alles anders"

Treffen sind bis heute eine Selbstverständlichkeit. Sie verlaufen zwanglos. Man plaudert, es wird viel gelacht. Alles fing an, als Heidi Holhut und Ingrid Will in die zweite Klasse kamen. "Wir waren die zwei neuen Mädchen in der Klasse von Frau Kuhr", erzählt Ingrid. Sofort waren sich die beiden sympathisch. "Das war ja damals alles anders: Man hat sich in der Schule verabredet, hat sich nachmittags getroffen", erinnert sich Heidi Holhut. Jeden Tag verbrachten sie zusammen. Sie schafften am Ende der neunten Klasse gemeinsam den Quali. Dann absolvierten beide bei der Firma Baumüller Motoren eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Nach der Ausbildung trennten sich die Wege. Eine blieb, die andere wechselte die Firma.

Hand in Hand

Das war aber nicht das Ende des gemeinsamen Lebensweges. Denn vier Jahre später trafen sich die beiden bei der Firma Metzeler in Neuenmarkt wieder. Jahrzehntelang arbeiteten sie Hand in Hand. "Dann hat der Betrieb leider geschlossen. Ich war 19 Jahre bei der Firma, Ingrid sogar 25", berichtet Heidi Holhut. Was dann folgte, kann fast schon kein Zufall mehr sein: Beide orientierten sich berufliche neu - beide gingen in die Pflege. Ingrid Will war bis März 2021 bei der Awo. "Ich suche auch jetzt noch einen kleinen Job. Ich bin niemand, der abends vor dem Fernseher sitzt", sagt Ingrid Will. Heidi Holhut arbeitet als Pflegehelferin am Bindlacher Berg. Auch sie hat viel Freude an ihrem Job und am Helfen.

Sie machten die Nacht zum Tag

Wenn beide über ihre Freundschaft nachdenken, dann gibt es viele Dinge, die sie an der Freundin mögen: die Offenheit, die Ehrlichkeit, die Aufmerksamkeit, die gemeinsamen Interessen. Keiner ist abgedreht, beide sind bodenständig. "Wir hatten zusammen Konfirmation und waren zusammen in der Berufsschule", sagt Heidi Holhut und zeigt alte Fotos. In der Freizeit vergnügten sie sich beim Kupferberger Fasching und machten die Nacht zum Tag. Beim Tanz in Ramsenthal lernten sie ebenfalls "beste Kumpels" kennen: ihre Männer Hans und Helmuth. "Auch als wir geheiratet haben, hielt die Freundschaft. Wir waren zusammen im Urlaub, die Kinder waren dabei", erinnern sich Heidi und Ingrid.

Vertrauen ist wichtig

Der wichtigste Punkt ist das Vertrauen, das sich beide schenken. "Wenn man sich mal was erzählt, dann bleibt das beim anderen", sagt Heidi Holhut. "Geheimnisse werden nicht ausgeplaudert", konstatiert Ingrid Will. Auch Sendepausen wie während des Corona-Lockdowns können der Freundschaft nichts anhaben. "Wenn wir uns nicht treffen können, dann telefonieren wir eben. Das geht auch mal", sind sich beide einig und sicher, dass die Freundschaft noch lange hält.