Es war ein Mammutprozess: das Verfahren gegen einen 72-jährigen Unternehmer, gegen den wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs vor dem Landgericht Bayreuth verhandelt wurde. Im Mai 2016 fiel das Urteil: Das Gericht sprach den Angeklagten von den schweren Vorwürfen frei. Ein Schuldspruch erfolgte aber wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen, wegen versuchten Missbrauchs in einem Fall, wegen Nötigung und unerlaubten Waffenbesitzes. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem wurde ihm die Zahlung von 360 000 Euro auferlegt.


BGH prüft Urteil

Die Bayreuther Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Denn sowohl die Verteidigung wie auch die Nebenklage haben Revision eingelegt. Gestern hat sich der Bundesgerichtshof in einer mündlichen Verhandlung mit dem Urteil befasst. Der BGH prüft, ob es Verfahrensfehler gegeben hat. Eine Entscheidung wurde aber noch nicht verkündet, wie der Vertreter der Hauptbelastungszeugin, Rechtsanwalt Frank K. Peter aus Worms, am Nachmittag mitteilte. Er rechnet damit, dass den Parteien in den nächsten Tagen ein Verkündungstermin mitgeteilt wird.


Mehrere Optionen

Der 1. Strafsenat hat mehrere Möglichkeiten: Er bestätigt den Bayreuther Richterspruch oder er hebt das Urteil ganz oder teilweise auf. In letzteren beiden Fällen müsste das Verfahren dann ganz oder teilweise neu aufgerollt werden.