Als Fußballer war Sebastian Haas ein ausgesprochener Teamplayer, aber bei seinem jüngsten Abenteuer war der Ludwigschorgaster über weiter Strecken Einzelkämpfer und auf sich allein gestellt. Im April brach er mit dem Fahrrad zu einem außergewöhnlichen Trip nach China und Vietnam auf. Als er nach 14.500 Kilometern in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi eintraf, war der 24-Jährige erschöpft, aber glücklich - und zurecht stolz.


Nächstes Ziel heißt Doktorarbeit


Sebastian Haas hat im Frühjahr sein Studium der Biologie und Meeres-Mikro-Biologie mit dem Bachelor und Master abgeschlossen. Nach seiner kräfteraubenden, über sieben Monate dauernden Radreise quer durch Europa und Asien strebt der junge Ludwigschorgaster schon wieder ein neues Ziel an: Er will seine Doktorarbeit schreiben und in die Forschung gehen.

Was bewegt einen jungen Menschen, so eine Herausforderung zu suchen und zu meistern? "Ich wollte schon immer mal nach China radeln. Diese Reise hat sich bei mir über längere Zeit entwickelt. Ich hatte auch schon den einen oder anderen Trip mit dem Rad durch Finnland und Norwegen oder Marokko hinter mir." Nach dem Abschluss seines Studiums in Bayreuth und Bremen wollte er etwas Außergewöhnliches unternehmen.

Tagespensum lag bei 100 Kilometern


Die erste Etappe führte ihn von Ludwigschorgast nach Istanbul, Anfang Mai erreichte er die Grenze zur Türkei: "Es war Frühjahr und ich erwischte relativ viel Regen und Kälte. Mein Tagespensum lag im Schnitt bei 100 Kilometern. Es kam aber immer auf die Bedingungen an. Wo die Berge höher wurden, waren es nur 70 bis 80 Kilometer."

Sein Mountain-Bike hatte Sebastian Haas mit mehreren Gepäckträgern und mit normalen Straßenreifen ausgestattet. Die ersten Wochen waren am schwierigsten. "Ich musste mich erst an den täglichen Ablauf gewöhnen, und auch das Zelten bedurfte einer gewissen Gewöhnungsphase." In der Regel war der 24-Jährige allein auf sich gestellt, erst in Zentralasien waren mehrere Radfahrer unterwegs. "Das lag auch daran, dass es nur einen Weg gab, den jeder nehmen musste."


"Hier wird gehandelt, was das Zeug hält"


Oft hatte er tagelang keine Ansprache, und so war er froh, zumindest ab und zu eine Internet-Verbindung zur Familie in Ludwigschorgast oder zur Freundin in Bamberg zu bekommen.
In der Türkei durfte ein Besuch des großen Bazaars in der Hauptstadt Istanbul nicht fehlen: "Hier wird gehandelt, was das Zeug hält."

Auf der zweiten Etappe durch die Türkei und Anatolien musste Haas rund 1500 Kilometer bewältigen. Es folgte die islamische Republik Iran. In der Hauptstadt Teheran war ein längerer Aufenthalt notwendig, weil der Ludwigschorgaster sehr viel Papierkram erledigen musste, unter anderem brauchte er ein Visum für China. Die Verständigung in den Botschaften erfolgte in englischer Sprache.


Visum nur für fünf Tage


Die dritte Etappe mit rund 2000 km endete in Maschhad, der Hauptstadt des iranischen Bundesstaates Razavi-Chorasan. Von dort aus erfolgte die Einreise nach Turkmenistan: "Hier war das Problem, dass man nur ein Visum für fünf Tage bekommt. Die Regierung lehnt dort die Touristen allgemein ab, sie will keine demokratischen Einflüsse." Dennoch kam Sebastian Haas mit einigen Turkmenen ins Gespräch: "Ich musste nach dem Weg fragen. Sie waren ganz nett, haben mir geholfen und wollten auch ein Foto mit mir machen. Das ist mir sehr oft passiert, dass mich die Leute fotografieren wollten." In nur fünf Tagen musste er der junge Oberfranke durch das Land kommen. "Bei nur 500 Kilometern ist das eigentlich kein Problem, aber die Straßen waren hier richtig rumpelig."

Altes Brot mit Joghurt

Weiter ging es nach Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan. In Usbekistan erlitt Sebastian Haas den Tiefpunkt seines nicht alltäglichen Reiseunternehmens: "Da kam auch die Hitze dazu, ich hatte ich Magen-Darm-Probleme." Die Radtour ging jetzt durch die ärmsten Länder der Welt, darunter das dünn besiedelte Pamir-Gebirge. "Die Leute, die da wohnen, haben nicht viel zum Leben. Da oben wächst fast nichts. Es gibt auch keine Supermärkte gibt. Da muss man nehmen, was man bekommt, zum Beispiel altes Brot mit Joghurt."

Sein kleines Ein-Mann-Zelt stellte Sebastian Haas mitten in der Pampa auf. Angst hatte er nur am Anfang: "Da war ich schon etwas unruhig, wenn weit und breit nichts zu sehen war, aber man gewöhnt sich dran. "


Große Gastfreundschaft


Zu den Highlights der Tour zählte die kulturelle Vielfalt in China und Tibet. Was ihn ebenfalls überraschte, war die Gastfreundschaft in den moslemischen Ländern. Allein durch die Volksrepublik China galt es, 5600 Kilometer zu bewältigen, ehe Sebastian Haas Vietnam mit der Hauptstadt Hanoi erreichte.

Die gleiche Reise würde er nicht noch einmal machen: "Aber vielleicht woanders hin , denn so etwas reizt mich immer wieder. Das Beste am Rad ist ja auch, dass man wohin kommt, wo andere Leute nicht hinkommen und wo die Leute vom Tourismus noch völlig unbeeindruckt sind."