Seit sechs Jahren werden an der Awo-Förderschule Streitschlichter ausgebildet. Im Zwei-Jahres-Turnus wachsen immer neue Schüler heran. "Wir sind die einzige Förderschule in Oberfranken, die in diesem Bereich so konstant arbeitet. Unsere Lehrer haben soeben eine Fortbildung zum Thema Mobbing hinter sich", erklärt Lehrerin Christine Schödel.

In diesem Jahr findet das Streitschlichter-Seminar in der Karl-Herold-Wohnanlage in der Brenkstraße statt. Ein Privileg für die Schüler - denn die anderen sind ganz normal im Unterricht. "Inzwischen hat sich bei uns ein richtig großer Pool an Streitschlichtern gebildet. Das merken wir im Schulalltag. Viele Dinge regeln die Kinder selbst unter sich", zieht auch Christiane Thurn eine positive Bilanz.

In diesem Jahr sind nicht nur zehn Förderschüler dabei, sondern auch Grundschullehrerin Katja Heckel. Sie hat noch keine feste Anstellung, war letztes Jahr als mobile Reserve tätig und ist jetzt für ein Jahr an die Förderschule abgeordnet. "Ich wollte die Streitschlichter-Ausbildung gerne selbst miterleben, und vielleicht lässt sie sich auch an den Grundschulen fortführen", sagt Heckel und ist begeistert von der Struktur der Streitschlichterregeln.

Wenn es zu Zwistigkeiten kommt, werden zuerst Regeln für die Streithähne aufgestellt. Dann darf jeder der Kontrahenten seine Sichtweise schildern. In der dritten Phase wird der Grund für den Streit noch weiter erhellt. Schließlich sollen die Schlichter die Kontrahenten dazu bringen, selbst Lösungen zu erarbeiten. "Wichtig ist, dass die Streitenden am Ende eine Unterschrift leisten", erklärt Tyrone Damm das Gelernte. Nur dann seien sie auch wirklich gewillt, die Lösungen umzusetzen,

Auch Caro Tasca ist mit Eifer beim Seminar dabei. "Ich denke, es macht Spaß, Streit zu schlichten", sagt die Zwölfjährige. Einfach bei Streitereien wegzuschauen, das möchte sie nicht. In Rollenspielen lernen die Schüler, wie man Streithähne beruhigt, wie man sie erzählen lässt, und wie man schließlich eine Lösung herbeiführen kann.

Für die Ausbildung war das Interesse an der Förderschuleheuer so groß, dass es sogar eine Art Vorprüfung gegeben hat, bei der sich die Schüler qualifizieren mussten.