Das Bild der Schrebergärtner sieht in vielen Köpfen immer noch wie folgt aus: engstirnige Vereinsmeier, die penibel auf ihrer Satzung beharren und niemanden von außen dulden. Dies mag vielleicht im Kaiserreich so gewesen sein, als in Schrebergartenanlagen noch zwischen Bürgerschaft und Proletariat unterschieden wurde und die Gärten dazu dienen sollten, dass die Bevölkerung in der Lage war, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Doch aus dieser Zeit stammt heute bestenfalls noch die Verordnung, dass mindestens 20 Prozent des Gartens Nutzfläche sein soll, also aus Blumen- oder Gemüsebeeten, Obstbäumen oder -sträuchern bestehen soll.

"Die kleingärtnerische Nutzung soll schon gegeben sein. Und der ursprüngliche Sinn des Schrebergartentums, das Rustikale. Deshalb gibt es in den Hütten zum Beispiel auch keinen Strom und kein warmes Wasser", erklärt Robert Strunz, der Vorsitzende des Kleingartenvereins "Zehn Eichen". "Aber heutzutage sollen die Leute hier vor allem Erholung finden und ihre Freizeit genießen", sagt er.

In der Schrebergartenanlage "Zehn Eichen" in Kulmbach gibt es 80 Parzellen, die alle vergeben sind. Sogar eine Warteliste gibt es, denn die Gärten dort sind beliebt: "Momentan stehen acht Anwärter auf der Liste", sagt Robert Strunz. "Der Altersdurchschnitt liegt gegenwärtig bei etwa 50 bis 60 Jahren, doch diejenigen, die jetzt einen Garten wollen, sind vor allem junge Familien." Auch ein paar Leute, die zuhause einen eigenen Garten haben, wollten zusätzlich noch einen Schrebergarten: "Das ist ganz durchmischt", ergänzt Erika Strunz die Ausführungen ihres Mannes. "Aber in der Tat nimmt die Nachfrage nach Schrebergärten seit etwa fünf Jahren wieder zu."

Im Sommer offen für alle

Die "Zehn Eichen" sind aus dem 1948 gegründeten Verein Mittelau entstanden. Als 1977/78 an der Mittelau die Umgehung gebaut wurde, ist der Verein in Richtung Burghaig umgesiedelt. Grundsätzlich können auch Nicht-Gartenbesitzer die Anlage betreten und sich dort umsehen. "Aber nur im Sommer", betont Erika Strunz. "Im Winter sind die Gärten abgeschlossen. Dann haben nur die Mitglieder Zutritt."
Dass dies nicht immer eingehalten wird, mussten die Kleingärtner auch schon erfahren. "Hier gab es schon ein paar Einbrüche", erwähnt Erika Strunz. "Einer der Einbrecher hat im Winter die Hütten aufgebrochen und abwechselnd darin übernachtet. Aber als wir dahinter gekommen sind, hatte er sich schon aus dem Staub gemacht."
Von den in manchen Köpfen umhergeisternden Streitereien über den Gartenzaun unter den Schrebergärtnern ist hier nichts zu spüren, es gibt ein intaktes Vereinsleben. "Wir haben viele Russlanddeutsche hier", erzählt Robert Strunz. "Alles sehr nette Leute", sagt Erika Strunz. " Sie richten zum Beispiel im Juni den Tag des Gartens aus. Und wir tauschen Pflanztipps untereinander. Oder geben uns gegenseitig Anleitungen für die Verarbeitung unseres Obstes und Gemüses." "Das ist das Schöne hier, der Austausch und die Eigenheiten der verschiedenen Kulturen", findet Robert Strunz.
Dass es unter den Nachbarn keine Probleme gibt, bestätigen auch Carina und Klaus Haderthauer, die ebenfalls eine Parzelle in den "Zehn Eichen" haben. "Wir tauschen unsere Erzeugnisse, meine Kirschen gegen deine Marmelade und so weiter", erzählt Carina Haderthauer. "Und wenn einer von uns grillt, hat es noch nie Beschwerden gegeben", ergänzt Klaus Haderthauer. "Im Gegenteil, oft kommen die Nachbarn dann spontan zu uns oder wir zu ihnen. Oder wir verabreden uns gleich fest. Dann bringt jeder ein bisschen was mit."
Sie fühlen sich in ihrem Garten so wohl, dass sie gleich komplett ihren Urlaub dort verbringen. Außerdem laden sie immer wieder Freunde ein, sich den Garten einmal anzusehen. "Viele unsere Bekannten können sich gar nicht vorstellen, wie es in so einer Kolonie zugeht. Dann kommen sie einmal bei uns zu Besuch, und hinterher sind sie immer recht begeistert", erklärt Klaus Haderthauer.

Gemeinsame Arbeitseinsätze

Das Gemeinschaftliche wird jedoch nicht nur in den eigenen Gärten gepflegt. Regelmäßig gibt es Arbeitseinsätze, bei denen zum Beispiel Hecken geschnitten oder die Rasenflächen gemäht werden.
Die meisten Schrebergartenbesitzer wie die Familien Strunz oder Haderthauer haben ihren Garten schon lange. Klaus und Carina Haderthauer haben ihre Parzelle vor über zehn Jahren übernommen. "Das ist unser Rückzugsort, hier geht es uns gut", erklärt Carina Haderthauer. Und Klaus Haderthauer fügt hinzu: "Hier gibt es keinen Fernseher, nur ein Radio. Es geht uns um die Ruhe, die wir hier haben, aber auch um das Zusammensein mit Nachbarn und Freunden, einfach um die Gemeinschaft."