Im gewohnt ausverkauften Saal des "Baumann" herrscht heitere Stimmung, bevor Regisseur Rüdiger Baumann sein Publikum zum ersten neuen Stück in diesem Jahr begrüßt. "Die 12 Geschworenen" von Reginald Rose hat sich der Schauhaufen dieses Mal vorgenommen, inspiriert davon, dass das Kulmbacher Amtsgerichtsgebäude im Frühjahr 2014 seine Tore für kulturelle Veranstaltungen öffnen wird. "Da sollte das Thema natürlich etwas mit Gerechtigkeit zu tun haben", sagt Rüdiger Baumann, "und neben dem ,Zerbrochenen Krug', den wir ebenfalls heuer im Programm haben, hat sich dieses Stück richtig aufgedrängt."

Nach einer kleinen Einführung in die Wirksamkeit des elektrischen Stuhls wird der Zuschauer sogleich in ein Spannungsfeld aus Vorurteilen, Zweifeln und Gleichgültigkeit gezogen.
Die zwölf Geschworenen - ein bunte Gruppe aus Menschen unterschiedlichster Herkunft und Ansichten - sollen darüber abstimmen, ob sich ein junger Mann des Mordes an seinem Vater schuldig gemacht hat. Da jedoch dem Angeklagten bei einem einvernehmlichen Schuldspruch die Hinrichtung gewiss ist, hegt Geschworene Nummer 8 (Christine Kammerer) Zweifel an dessen Schuld. "Wir entscheiden über ein Menschenleben", erklärt sie den restlichen Geschworenen folglich. "Angenommen, wir haben Unrecht."

Bis zur Eskalation

Damit macht sie sich znächst keine Freunde unter den restlichen Anwesenden. Sie stehen unter Zeitdruck, sind genervt, es ist heiß und alle wollen nur möglichst rasch wieder nach Hause. Dabei ist jeder der Geschworenen durch andere Beweggründe getrieben, einen möglichst raschen Urteilsspruch zu bewirken. Korrektheit, rassistische Vorurteile, Oberflächlichkeit, Disziplin, Aggressivität oder schlicht Mitläufertum sind nur einige der Eigenschaften, die in den zwölf Menschen schlummern und im Verlauf des Stückes immer mehr an die Oberfläche treten. Eine Eskalation ist nicht mehr aufzuhalten.

Christine Kammerer, die die Geschworene Nummer 8 mimt und als erstes Zweifel an der Schuld des Angeklagten hegt, fühlt sich wohl in ihrer Rolle: "Ich hatte mir gewünscht, die Nummer 8 oder Nummer 10 spielen zu dürfen, und bin sehr zufrieden. Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten ist jeder von uns in seiner Rolle angekommen."
Und diese Aussage unterstreicht das restliche Ensemble durch eine glanzvolle Leistung auf der Bühne, die das Publikum mit donnerndem Applaus honoriert. "Es ist ganz anders, in einer solch großen Gruppe zu spielen", sagt Carolin Wagner, die Nummer 1 der Geschworenen. "Man hat zwar nicht so viele Dialoge wie in einer kleineren Besetzung, aber dennoch muss man in seiner Rolle ständig präsent sein."

Sechs Wochen hat das 13-köpfige Ensemble für dieses Stück geprobt, teilweise auch ganztägig an Samstagen und Sonntagen. "Das war meine härteste Rolle bisher", zieht Anja Weith (Nummer 7) ihr Fazit. Nachdem sie auf der Bühne die desinteressierte und genervte Handelsvertreterin geben musste, freut sie sich, endlich wieder lachen zu dürfen. "Es ist erstaunlich, wie sehr das anstrengt, sonst spielte ich immer Rollen, in denen ich putzig, eben Everybody's Darling war."

Unter das Motto "Das Jahr der Gerechtigkeit" stellt Rüdiger Baumann die Aufführungen des Schauhaufens in diesem Jahr. Neben den "12 Geschworenen" wird "Der zerbrochene Krug" aufgeführt, der auch im Kulmbacher Amtsgericht zu sehen sein wird. Dazu gibt es noch die Welturaufführung von "Mir doch wurscht" in den Räumen der Integra sowie das Kinder- und Familienstück "Verdammt!" in Kooperation mit der Grundschule Melkendorf.
Die regulären Termine für die "12 Geschworenen" sind bereits alle ausverkauft - aber es gibt drei Zusatztermine, und zwar am 19. März sowie am 2. und 9. April; Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.das-baumann.de.