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Tiere

Hansi verwildert im Wald: Ziege hat Bock auf neues Zuhause

Beim Einfangen einer Schaf- und Ziegenherde bei Sanspareil war ein Ziegenbock entwischt. Eine Familie wünscht sich nun ein neues Zuhause für das Tier.
 
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"Wir machen uns Sorgen, dass er den Winter nicht überlebt", sagt Annemarie Stübinger aus Großenhül. Zwei bis dreimal pro Woche besucht die 68-Jährige mit ihren Enkeln einen weißen Ziegenbock, der halb verwildert in einem Waldstück außerhalb des Wonseeser Ortsteils lebt. Sie haben ihn Hansi getauft.

Hansi war Teil einer freilaufenden Herde mit 22 Schafen und Ziegen, die im März um Großenhül und Sanspareil Acker- und Waldschäden verursacht hatte (wir berichteten). Der Eigentümer gab die Tiere frei. Ihnen drohte sogar der Abschuss.

Ziegenbock Hansi allein im Wald: Winter wird schwierig für ihn

Durch einen Bericht in der Bayerischen Rundschau wurde das Schäfer-Ehepaar Stefan und Manuela Berthold aus Melkendorf mit seiner Tochter Lea-Marie auf die Situation aufmerksam. Die Familie erklärte sich bereit, die Schafe trotz hoher Tierarztkosten aufzunehmen.

In einer Fangaktion mit großräumiger Umzäunung und einigen Helfern konnte die Herde eingefangen und verladen werden. Lediglich ein Ziegenbock entwischte. Während die Schafe nach mehrwöchiger Quarantäne in die Herde der Familie Berthold integriert wurden und sich mittlerweile sogar streicheln lassen, zieht Hansi seit Monaten durch den Wald und kehrt immer wieder an die Stelle zurück, an der er seine Herde zum letzten Mal gesehen hat.

Im Sommer war der zwölfjährige Moritz Rauterberg mit dem Fahrrad auf dem Feldweg unterwegs, als ihm der einsame Ziegenbock begegnete. "Wir haben ihn auch beim Schlepperfahren öfters gesehen", berichtet Annemarie Stübinger. Irgendwann fasste sich die Familie ein Herz und zog mit Äpfeln und Heu im Gepäck hinaus in den Wald. Hansi überwand seine Scheu und ließ sich füttern. Die Besuche wurden häufiger, und mittlerweile darf Moritz bis auf wenige Meter an den weißen Ziegenbock mit den schwarzen Ohren herankommen. Sogar ein Bett aus Stroh hat die Familie hergerichtet.

"Er hat am ganzen Körper gezittert": Familie füttert Hansi regelmäßig im Wald

Bis jetzt war alles in Ordnung, doch mit dem einsetzenden Frost und den nasskalten Tagen schien es Hansi nicht gut zu gehen. "Er hat am ganzen Körper gezittert", erzählt Stübinger. Ob Hansi den Winter im Wald überlebt hängt Renate Baierlein zufolge von mehreren Faktoren ab. Die Fachberaterin für Schafe, Ziegen und Gehegewild in Oberfranken erklärt: "Es kommt auf die Wetterbedingungen an, darauf ob der Ziegenbock ein geschütztes Plätzchen findet und, ob er gesund ist." Im Wald bleiben sollte er ihrer Meinung nach nicht, auch wegen der Verkehrsgefährdung. Wenn sich der Ziegenbock füttern lasse, könne man die Stelle umzäunen und das Gatter einfach im richtigen Moment schließen. Eine andere, aufwendigere Möglichkeit wäre die Betäubung durch geschultes Fachpersonal.

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Die große Frage ist, was danach mit Hansi passiert. Einen halb verwilderten, unkastrierten Ziegenbock aufzunehmen kann man Baierlein zufolge keinem landwirtschaftlichen Betrieb zumuten, zu hoch sei das Risiko für eingeschleppte Krankheiten. Der Ziegenbock müsste mehrere Wochen in Quarantäne, erst einmal entwurmt werden und die Klauen geschnitten bekommen.

Seit dem Nachbarschaftsstreit um Ziegenbock Zoltan in Pechgraben, der sogar vor Gericht ging, weiß man, wie stark der Geruch ist, der von den unkastrierten Tieren ausgeht. Kastrieren könne der Tierarzt auch einen älteren Ziegenbock, so Baierlein. "Ob der Geruch dann verschwindet, ist fraglich."

Neues Zuhause gesucht: Wer würde Hansi aufnehmen?

Ihr zufolge hätte Hansi die besten Chancen auf einem Gnadenhof oder einer ähnlichen Einrichtung. Als Gesellschaft wären Ziegen gut, aber auch andere Tiere wie ein Schaf oder Pony würden ausreichen, damit sich Hansi nicht einsam fühle.

Annemarie Stübinger kann den Ziegenbock nicht bei sich zu Hause unterbringen. Dafür reicht der Platz nicht. Hansi den ganzen Winter hindurch im Wald füttern kann sie auch nicht, da das kleine Auto der 68-Jährigen mit Eis und Nässe auf den steilen Feldwegen zu kämpfen hat.

Sie und ihre Enkel wünschen sich deshalb für Hansi bis Weihnachten ein neues Zuhause, am besten mit einem wettergeschützten Stall. "Wir haben ihn ins Herz geschlossen", so Stübinger. Beim Einfangen würde die Familie helfen.

Wer Hansi aufnehmen möchte, kann sich unter der Nummer 09274 1839 bei Annemarie Stübinger melden.