Dass Polier Johann Lehner und ein Kollege von der Thurnauer Baufirma Angermüller zwei weiteren Kollegen bei der Freilegung des alten Abwasserkanals zuschauen, mag ihnen so manche Spöttelei einbringen. Und hat doch einen triftigen Grund. "Einen Plan für die Leitungen haben wir schon. Aber genau eingezeichnet sind sie nicht", erklärt Lehner und unterstreicht mit einem Fingerzeig auf die in der Baugrube frei hängende Gasleitung, warum bei den Arbeiten äußerste Vorsicht geboten ist. Auch andere Versorgungsleitungen können jederzeit zum Vorschein kommen. Da sind vier prüfende Blicke auf jeden Fall besser als zwei.

100 Meter Baustelle

An die 100 Meter lang wird die rund 2,5 Meter tiefe Baugrube, bis die Kanalerneuerung zwischen dem Abwasserstrang im Lindenweg und der Hauptleitung zur Kläranlage direkt neben dem Bachbett der Zaubach beendet werden kann.
Außerdem, so erklärt der Fachmann, wird der Kanal in diesem Bereich von 200 auf 300 Millimeter aufgeweitet, was eine so genannte hydraulische Verbesserung der Verhältnisse im Abwassernetz mit sich bringt.

Natürlich hat die Stadt auch die Möglichkeit geprüft, das marode Kanalstück im so genannten Inliner-Verfahren kostengünstiger abdichten zu lassen, erklärt Bürgermeister Roland Wolfrum (SPD). "Aber die Schadstellen waren so groß, da war das nicht mehr möglich." So blieb nur die Alternative, die Lecks durch eine Kanalerneuerung zu beseitigen und den Austritt von Abwasser aus den Rohren und das Eindringen von Fremdwasser in die Leitung zu beenden.

Fremdwasseranteil fast halbiert

Eben dieses Fremdwasser war der Grund, warum sich der Stadtrat vor fast zehn Jahren für das Millionenprojekt in elf Bauabschnitten entschied. 90 Prozent betrug damals der Fremdwasseranteil im Abwassernetz. Das bedeutet, dass von 1000 Litern Wasser 900 Liter Fremdwasser waren, die die Kläranlage unnötig belasteten.

Neun Jahre und rund vier Millionen Euro Eigenmittel der Stadt später beträgt dieser Anteil laut Bürgermeister Roland Wolfrum nur noch 50 Prozent. "Unser erklärtes Ziel muss es sein, konstant unter dieser Marke zu bleiben", sagt er.

Die Finanzierung der 140.000 Euro für Bauabschnitt XI dürfte für die Stadt - so hofft zumindest der Bürgermeister - fast kostenneutral ausgehen. Denn Stadtsteinach erwartet aus anderen Bauabschnitten noch Restzahlungen, so dass die Summe beinahe abgedeckt werden dürfte.

Die Bauzeit - und damit die Umleitungsdauer über die Spitalgasse in die Wohngebiete am Bergfeld - schätzen Polier Lehner und Bürgermeister Wolfrum auf rund fünf Wochen. Eine Woche wird an dem Projekt bereits gearbeitet. Ob das Thema Abwasserbeseitigung damit erst einmal zu den Akten gelegt werden kann? Roland Wolfrum winkt ab. Im Rathaus gibt es bereits Pläne, wie die Funktionsweise der Kläranlage nochmals verbessert werden kann.