Pfarrerin Kathrin Klinger und Architekt Dietrich Scheler machen es spannend: Zunächst einmal steigen sie zusammen mit Rugendorfer Kirchenvorstandsmitgliedern über die Gerüste hinauf auf den Turm der Pfarrkirche St. Erhard und Jakob. Erst nach Besichtigung des Baufortschritts wird die verwitterte Turmbekrönung des Gotteshauses geöffnet.

Auch mehrere Handwerker der Firmen Stenglein und Gehring, der Stadtsteinacher Verwaltungschef Florian Puff und Heinz Musiol von der Firma Bayreuther Turmuhren haben sich am Dienstag auf dem Pfarrhof eingefunden, um weitere Absprachen für die laufende Sanierung der Kirche zu treffen.

Zifferblatt vor 18 Jahren saniert

Heinz Musiol interessiert sich vor allem für die Turmuhr, deren Zifferblatt zuletzt vor 18 Jahren von seinem Unternehmen hergerichtet worden war.
Aber auch die Turmbekrönung - der sogenannte Knauf - und die Wetterfahne aus Metall mit den Jahreszahlen 1757 (Erhöhung des Kirchturms) und 1967 (Jahr der letzten Sanierung) werden ihn und seine Kollegen noch beschäftigen. Die Kirchengemeinde möchte beide Bekrönungen herrichten lassen. Pfarrerin Kathrin Klinger und die Kirchenvorstandsmitglieder Sandra Zeitler und Jürgen Bodenschlägel sind zuversichtlich, dass sich die Kosten dafür über Spenden decken lassen, da diese Ausgaben in der auf 820 000 Euro veranschlagten Sanierung noch nicht enthalten sind...

Spannend wird es, als Christian Manzer von der Firma Gehring den Turmknauf öffnet und drei Dokumentenrollen und ein mit einer Schnitzerei verziertes Döschen aus dem Inneren hervorholt. Pfarrerin Kathrin Klinger bleibt es überlassen, die Fundstücke zu öffnen.

Die in der kleinen Dose befindlichen Papierstücke - vermutlich Geldscheine - sind zum Bedauern aller zu Pampe aufgeweicht. Und die dünnen Münzen haben Grünspan angesetzt, sind nicht mehr leserlich.

Dass die Aufschrift "Guttenberg" tatsächlich auf das gleichnamige Adelsgeschlecht hinweist, ist noch zu klären. Karl-Ludwig Lippert berichtet nämlich in seinem 1964 erschienenen Buch über Kunstdenkmale im Landkreis Stadtsteinach von Reparatur und Erhöhung des Kirchturms im Jahr 1756/57 durch den Maurermeister Johann Haas. Und der stammte aus Guttenberg...

Im Juni 1967 verschlossen

Die zusammengerollten und verklebten Schriftrollen entpuppen sich als Festschrift aus dem Jahr 1950, als Bericht über die Instandsetzung der Kirche und als Aufzählung wichtiger Ereignisse der 1950er Jahre. Von einem katastrophalen Mangel an Facharbeitern in der Landwirtschaft ist da die Rede. Und vom Bau der Tiefgefrieranlage in Rugendorf. Verschlossen wurden die Kapseln offenbar im Juni 1967.

Auf Anraten von Architekt Dietrich Scheler sollen die Fundstücke nun zunächst einmal von einem Experten getrocknet und vor weiterem Schimmelbefall bewahrt werden, ehe sie mit Dokumenten der Neuzeit wieder in den hergerichteten Knauf gepackt und auf die Turmspitze gesetzt werden. Welche Dokumente das sein werden, muss sich noch zeigen.

Neben einer Tageszeitung könnten es Berichte zur Fussball-WM sein, so ein Vorschlag. "Aber nur, wenn Deutschland gewinnt", so Kathrin Klinger. Und auch der Votschlag von Sandra Zeitler, in Zeiten des Internet Informationen per Datenstick zu hinterlegen, ist noch nicht ausgegoren.