Dass sie Deutschland über kurz oder lang wieder verlassen müssen, das haben Jurij Musorin (33) und seine Ehefrau Tulganaj Nurbergenowa (31) gewusst, als sie am 1. Februar in Losau Unterkunft fanden. Und auch darauf, dass sie am heutigen Montag die Rückreise nach Polen antreten würde, war die Flüchtlingsfamilie aus Kasachstan vorbereitet. Von den Losauern, die das Ehepaar und seine drei Kinder im Alter von fünf Monaten, zwei und vier Jahren umsorgt hatten, verabschiedeten sie sich herzlich. "Wir waren sehr glücklich hier", so der 33-Jährige.

Gewalttätige Auseinandersetzungen in seiner Heimatstadt Aktau waren es, die Jurij Musorin und seine Familie zur Flucht aus Kasachstan veranlasst hatten. Mitte Dezember war die Familie zunächst nach Polen geflüchtet, wo sie auch registriert worden war und ein vorläufiges Aufenthaltsrecht bekommen hatte.


Zu Weihnachten kamen Jurij Musorin, seine Frau und seine Kinder dann nach Berlin, wo sie abermals behördlich erfasst wurden. Wenig später wurde der Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Zirndorf gestellt. Über die Regierung von Oberfranken wurden der 33-Jährige, der seinen Lebensunterhalt zuletzt als Lkw-Fahrer verdient hatte, samt Familie in den Rugendorfer Ortsteil Losau vermittelt. Eine solche dezentrale Unterbringung wird dann angewendet, wenn die Kapazitäten in den staatlichen Gemeinschaftsunterkünften erschöpft sind. Und das ist derzeit der Fall.

Die Familie lebte sich gut in dem kleinen Rugendorfer Ortsteil ein, Jurij Musorin kickte sogar für den örtlichen Fußballverein. Mehrere Familien kümmerten sich darum, dass sich die Familie aus Kasachstan zurecht fand.

Die Dublin-II-Verordnung

Mitte vergangener Woche erhielten die Asylbewerber dann aber über das Kulmbacher Landratsamt die Nachricht, dass sie Deutschland wieder verlassen müssen. Der Grund: die so genannte Dublin-II-Verordnung. Sie ist eine Vereinbarung aller EU-Staaten, die besagt, dass der Asylantrag in dem Land zu bearbeiten ist, in dem der Bewerber zuerst registriert wurde. Und das ist im Fall der Familie von Jurij Musorin eindeutig Polen.

"Deutschland prüft deshalb auch nicht die Asylgründe, das Verfahren lässt sich nicht aufhalten", erklärt Isabella Burger von der Ausländerbehörde im Landratsamt Kulmbach, die auch für die kasachische Familie zuständig war. "Wir haben da keinerlei Ermessensspielraum, sondern müssen das genau so umsetzen." Was auch Jurist Jürgen Meins vom Landratsamt bestätigt."Das ist äußerst streng reglementiert."

Bundesamt legt Zeitpunkt fest

Vor diesem Hintergrund hat Isabella Burger das gesamte Verfahren für die Familie auch "möglichst offen und transparent gestaltet". Der Zeitpunkt für die Abschiebung wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Dortmund in Absprache mit den polnischen Behörden auf den heutigen Montag festgelegt.

Beamte der Stadtsteinacher Polizei verließen Losau gegen 8.30 Uhr mit der Familie, die sich schon darauf vorbereitet und alle Habseligkeiten zusammengepackt hatte. Ziel war der Grenzübergang Görlitz.

Wie Isabella Burger erklärt, sind momentan neben rund 70 Asylbewerbern in Gemeinschaftsunterkünften noch sieben Familien und eine Einzelperson dezentral in Einzelunterkünften im Landkreis untergebracht. Auch in diesen Fällen ist davon auszugehen, dass die Asylanträge in anderen EU-Ländern behandelt werden müssen.