Wenn Schulleiter Jochen Kees den Absolventen des Ausnahme-Schuljahres 2020/21 symbolisch die Hand drückt, dann fällt ihm in diesem Jahr ein echter Stein vom Herzen. Nicht, weil Corona für Irrungen und Wirrungen gesorgt hat. Nicht, weil die Prüfungen besonders schwer waren und auch nicht, weil die Schüler es in Zeiten des Distanzlernens außergewöhnlich schwer hatten, sondern weil jeder der drei Schulbesten eine ganz und gar nicht alltägliche Schulgeschichte zu erzählen hat.

Es sind Geschichten, die Mut machen und die von Durchhaltevermögen erzählen. "Unsere drei Schulbesten haben sehr unterschiedliche Werdegänge. Sie sind nicht immer den geraden Weg gegangen, aber sie haben es geschafft", würdigt Schulleiter Jochen Kees die Leistungen. "Ich freue mich so, dass diese Drei auf dem Treppchen stehen. Das ist ein Zeichen, dass wir hier an der Hans-Edelmann-Schule versuchen, allen Persönlichkeiten gerecht zu werden", so der Schulleiter.

Konkrete Pläne fürs Leben

Die beiden Schüler, die mit einem Durchschnitt von 1,75 die beste Mittlere Reife abgelegt haben, sind Johannes Ott (17) aus Marienweiher und Xenia Kunze (17) aus Kulmbach. Für Johannes Ott begann der Schulstart ziemlich schwierig. Er startete in Marktleugast, kam dann an die Inklusionsschule "Die PrinZen", einer Schule für Kinder mit sozial-emotionalem Förderbedarf. Dann wechselte Johannes Ott nach Untersteinach an die Mittelschule Stadtsteinach-Untersteinach und managte dort den Quali. Und ausgerechnet im Corona-Problemjahr schloss er seine Schullaufbahn als Bester ab. Wie Johannes Ott im Pandemiejahr so durchstarten konnte, führt er auf ein einfaches Rezept zurück. "Ich wollte einfach nur überall eine Drei schreiben. Englisch ist mein bestes Fach gewesen. Deutsch fand ich schwer. Und Physik-Chemie-Biologie und Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde haben mich rausgerissen", stapelt der Absolvent tief. Für sein weiteres Leben hat er schon genaue Pläne: "Ich werde jetzt Finanzsekretäranwärter und gehe nach Ansbach", berichtet er und freut sich auf den nächsten Abschnitt. Und sobald er eigenes Geld verdient, möchte er einen BMW - gebraucht natürlich.

Nicht aufgegeben

Auch die 18-jährige Xenia Kunze aus Kulmbach hat schon konkrete Ideen, wie es in ihrem Leben weitergeht. Sie möchte Kauffrau für audiovisuelle Medien werden. "Vielleicht kann ich nächstes Jahr ins Ausland gehen. Aber das ist noch nicht sicher", sagt sie. Xenia Kunze war sehr gut in der Schule. Sie besuchte zunächst das Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium. Doch aus gesundheitlichen Gründen verließ sie das Gymnasium. "Ich hätte es einfach nicht geschafft", erinnert sie sich noch an ihr Tief. So kam sie an die Mittelschule. "Ich war wirklich traurig", sagt Xenia Kunze offen. Trotzdem hat sie nicht aufgegeben. Und der Notendurchschnitt von 1,75 bei der Mittleren-Reife-Prüfung kann sich sehen lassen.

Mehr Zeit zum Lernen durch Home-Schooling

Die Dritte im Bunde der Schulbesten ist Mercedes Fuchs (16) aus Kulmbach. Sie hat den Quali mit einem Durchschnitt von 1,4 geschafft. "Ich kam mit dem ersten Lockdown überhaupt nicht klar. Ich hab dann den Quali nicht geschafft. Aber in diesem Jahr ging alles gut. Ich war seit Herbst befreit, ging immer nur freitags zur Schule und bekam individuelle Förderung", erzählt Mercedes Fuchs. "Ich hatte durch das Home-Schooling einfach mehr Zeit zum Lernen. Ich hatte irgendwie den Durchbruch", berichtet die 16-Jährige glücklich. Jetzt will sie weiter zur Schule gehen und im nächsten Jahr die Mittlere Reife machen. Die beiden anderen könnten zum Vorbild werden.

Insgesamt haben an der Hans-Edelmann-Schule 58 den Mittleren Schulabschluss abgelegt, davon haben 56 die Prüfung bestanden. Den qualifizierenden Hauptschulabschluss absolvierten 69 Schüler. Acht konnten den Anforderungen nicht genügen.