Die vergangenen Trockenjahre, insbesondere 2018 und 2019, haben gezeigt, dass auch bei uns das Wasser knapp werden kann. "Der Klimawandel lässt in unserer Region längere Trockenperioden, heißere Jahre und in Folge dessen weniger Wasser in unseren Gewässern und weniger Grundwasserneubildung erwarten. Dieser Trend ist schon seit einigen Jahren zu beobachten", sagt Magdalena Wirth vom Wasserwirtschaftsamt Hof. Nun hat es in den letzten Monaten deutlich mehr geregnet, doch wie ist es um die Wasserversorgung hinsichtlich Grundwasser, Trinkwasser, Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau tatsächlich bestellt?

Sättigung bis 0,6 Meter Tiefe

Aus den Niederschlagszahlen in Verbindung mit dem sogenannten "Dürremonitor" des Helmholzzentrums für Umweltforschung 2020/21 lassen sich entsprechende Schlüsse für unsere oberfränkische Region ziehen. "Hinsichtlich des Niederschlags waren die Monate März und April unterdurchschnittlich, die Monate Februar und Mai hingegen feuchter als das langjährige Mittel", erklärt Magdalene Wirth. Die oberflächennahen Bodenbereiche konnten sich durch die Niederschläge der vergangenen Wochen sättigen, bis in eine Tiefe von 0,6 Metern ist eine Sättigung, oder nutzbare Feldkapazität, von 80 bis 105 Prozent der Böden erreicht.

Noch nicht genug für ältere Bäume

Dies bestätigt auch die Kulmbacher Stadtförsterin Carmen Hombach. "Die Durchfeuchtung ist recht gut für die Verjüngungen im Wald, quasi als Starthilfe für die jungen Bäume, aber für die älteren Bäume reicht das noch nicht." Der Bodenbereich zwischen 0,80 bis 2,50 Metern sei noch relativ trocken, das würde sie oft beim Wegebau erkennen.

Ein weiteres Problem stelle die Trockenheit in den letzten Jahren dar, die Risse im Boden verursacht hätte. "Dadurch kommt es zu Zerreißungen im Feinwurzelsystem, das heißt, die Bäume haben weniger Wurzelmasse zur Verfügung, das macht sich bemerkbar." Es habe zwar viel geregnet in den letzten Wochen, aber man dürfe sich nicht täuschen lassen, für die Waldbäume sei nicht alles gut. Auch wenn es oft nicht gern gesehen sei, helfe es, einen Wald zu durchforsten. "Durch die Entnahme von Bäumen werden Lücken geschaffen, durch die das Wasser auch mal am Boden ankommt. 70 Prozent der Niederschläge bleiben nämlich bei einem dichten Fichtenwald in den Kronen hängen", erklärt die Försterin. Dazu stelle auch heuer wieder der Borkenkäfer eine starke Bedrohung dar. "Der Käfer fliegt wie verrückt."

Testpflanzungen mit alternativen Baumarten

Um unsere Wälder fit für die Zukunft zu machen, hat Carmen Hombach mit ihrem Team auch bereits Testpflanzungen mit alternativen Bäumen durchgeführt. "Wir treffen heute Entscheidungen für die nächsten 100 Jahre", sagt die Försterin und erklärt: "Wir schauen, wo es heute schon das Klima gibt, wie es bei uns vermutlich in 50 Jahren vorherrschen wird - welche Bäume wachsen dort?" Esskastanien, Baumhasel, Zedern oder Nordmanntanne seien einige der Bäume, die sich bei uns ansiedeln ließen und hier gut zurecht kämen, wobei Carmen Hombach nicht von einem vollständigen Ersatz spricht. "Vielleicht 5 bis 10 Prozent Bäume aus Fremdländern kann man hier beteiligen."

Das Damoklesschwert Trockenheit

Deutlich kurzfristiger muss Landwirt Michael Sack aus Ködnitz denken. "Die Situation unserer Futtererträge ist positiv, der erste Schnitt vor den Gewittern Ende Mai war gut, auch die Getreidebestände schauen gut aus." Regen im Mai und Juni sei für die Landwirtschaft immer dienlich, wobei es im Mai fast schon zu viel Regen gegeben habe, und es sei zu kalt gewesen. "Das Damoklesschwert Trockenheit schwebt aber immer über uns und wir versuchen, noch mehr Vorräte anzulegen, um bei der nächsten Trockenperiode einen Puffer zu haben", sagt Michael Sack. 2018 und 2019 sowie in einem Teil von 2020 sei es so weit gewesen, dass man nichts mehr puffern konnte, "2018 waren die Vorräte schnell weg, 2019 war das schlimmste Jahr." Als Landwirt stellt er fest, dass vor allem die Starkniederschläge zunehmen, auch komme es zu starken Schwankungen, "nächstes Jahr kann es schon wieder ganz anders aussehen. Diese Extreme müssen wir abfangen." Die Wiesen seien aktuell wassergesättigt, der andauernde, relativ sanfte Regen konnte gut einsickern. "Solche Regenfälle sind wichtig, denn der Unterboden ist wie ein Schwamm, der richtig hart ist. Es braucht, bis er wieder Struktur hat." Starkregenfälle würden selten im Boden ankommen, das Wasser werde einfach weggespült. Er könne als Landwirt aktuell durchatmen, man müsse auch mal zufrieden sein.

Es wuchert im Garten

Auch die Gartenbesitzer sind zufrieden - dies bekräftigt zumindest stellvertretend Günter Reif, Kreisvorsitzender der Gartenbauvereine im Landkreis Kulmbach. "Die Pflanzen wuchern im Garten, der Regen im Mai hat für einen echten Schub gesorgt." Er habe aber auch bemerkt, dass sich so manche trockenheitsverträgliche Pflanze mehr durchsetze. "Das einjährige Berufkraut habe ich zum Beispiel früher nie gesehen, das tritt in den letzten Jahren stärker in Erscheinung." Darüber hinaus stelle Günter Reif fest, dass man Vögel inzwischen durchgehend im Garten füttern müsste. "Viele Pflanzen sind im letzten Sommer nicht richtig zur Blüte gekommen, so dass sie auch keine Samen ansetzten." Darüber hinaus habe die lang anhaltende Kälte dafür gesorgt, dass es keine Räupchen & Co. gegeben habe. Der Distelfink lasse sich beispielsweise verstärkt in seinem Garten blicken, weil er "draußen" nicht ausreichend Nahrung finde. "Die brutalen Temperaturen in mehreren, aufeinander folgenden Jahren haben ihre Spuren in Flora und Fauna hinterlassen." Natürlich könne sich das auch regenerieren, aber der Gartenfachmann ist überzeugt, dass wir uns mehr auf Trockenperioden einstellen müssten.

Und wie ist es konkret um unsere Grundwasserstände und damit auch um unsere Trinkwasserversorgung bestellt? Oliver Voß, technischer Leiter der Kulmbacher Stadtwerke, gibt an, dass das letzte Jahrzehnt insgesamt zu trocken war. "2021 waren die Niederschläge gut, aber das führt nicht mit einem Schlag zur Grundwasserneubildung." In Kulmbach hätten wir jedoch in Sachen Grundwasser kein Problem, denn die Wassergewinnung aus dem Weißmaintal sei auch in den letzten Jahren stabil geblieben.

53 oberflächennahe Quellen

"Acht Tiefbrunnen mit einer Tiefe bis zu 180 Metern, davon sieben in Betrieb, versorgen die Kulmbacher mit Trinkwasser." Beim zweiten Standbein, dem Quellgebiet zwischen Marktschorgast und Stammbach, dem sog. Perlenbachtal, sehe es etwas anders aus. Auf 12,7 Quadratkilometern befinden sich 53 oberflächennahe Quellen mit 12 sogenannten Heberbrunnen mit einer maximalen Tiefe von 20m. "Solches oberflächennahes Wasser ist natürlich stark von Trockenperioden abhängig", erklärt Oliver Voß.