Astrid Porzelt steht auf der Leiter. Freihändig, in zwei Metern Höhe. Sie klammert die Kerzen an der Fichte fest. Ohne Handschuhe. "Das macht mir nichts", lacht die Stadtsteinacherin.

Das Pieksen der spitzen Nadeln kann sie nicht schrecken. Schon seit acht Jahren kommt sie freiwillig vor Weihnachten in die katholische Kirche und schmückt dort die Weihnachtsbäume.

"Ich erinnere mich noch genau, wie ich dazu kam", lacht Astrid Porzelt. Es war im Jahr 2005, kurz nachdem die Kirche eine neue Elektroanlage bekommen hat. Plötzlich fiel der Strom aus, das System funktionierte noch nicht reibungslos - und ihr Mann, der ein Elektrogeschäft betreibt, rückte an. Denn natürlich ist Strom an Weihnachten besonders wichtig. "Und dann kam mein Mann nach Hause und hat gesagt, ich hab einen neuen Job für dich", erinnert sich Astrid Porzelt.
Damals war Mesner Andreas Dremer krank und suchte dringend freiwillige Christbaumschmück-Helfer.

Astrid Porzelt fackelte nicht lang. Obwohl sie evangelisch ist, leistete sie gerne Hilfe. Und seitdem schmückt sie jedes Jahr die Christbäume in der katholischen Pfarrkirche. "Mein Mann ist ja katholisch und Mitglied in der Kirchenverwaltung, und ich bin eben evangelisch und in der evangelischen Kirche aktiv. Aber ich habe da kein Problem", sagt Astrid Porzelt und findet, dass der kleine Unterschied im Zeitalter der Ökumene kaum noch der Rede wert ist. "Und außerdem kann ich in der evangelischen Kirche die Bäume nicht schmücken, weil die immer später dran sind. Denn wir fahren immer zwischen Weihnachten und Neujahr nach Österreich", sagt Astrid Porzelt.

Tatsächlich ist das Schmücken der Christbäume in der Pfarrkirche St. Michael ganz schön aufwändig. Denn es handelt sich nicht nur um einen oder zwei Bäume, sondern um sage und schreibe 16 Christbäume. In diesem Jahr sind die Bäume zwischen 2,50 und 3,50 Meter hoch und relativ schlank. Aber es gab auch schon Jahre, da waren die Bäume noch größer und prächtiger.

"In diesem Jahr sind sie ja noch klein", lacht Astrid Porzelt und lässt sich nicht schrecken. Schnell klettert sie schon wieder die Leiter nach oben, mit Stöckelstiefeln ("So rutsche ich wenigstens nicht ab"), befestigt Kerzen, klettert herunter und schaut von der Ferne, ob die Kerzen auch richtig montiert sind. Pro Baum werden drei Lichterketten angebracht, und unterdessen holt Mesner Andreas Dremer die Sterne hervor und hängt die Christbäume üppig an.

Die fünf Weihnachtsbäume hinterm Hochalter werden mit uraltem Papierweihnachtsschmuck in Gold behängt. Die Sterne wurden einst von Ministranten gebastelt und stammen noch aus Zeiten, als in Stadtsteinach noch Schwestern ansässig waren. Hinter der Krippe, für die Mesner Andreas Dremer und Markus Tittel verantwortlich sind, stehen weitere acht Fichten. Die sind mit Strohsternen behängt.

Einige Bäume werden sogar mit Lametta verziert. "Och, das Lametta ist noch uralt", holt Mesner Andreas Dremer einen Karton, der schon sichtlich vergilbt ist, hervor und muss selbst schmunzeln. Tatsächlich handelt es sich noch um echtes Lametta, das sicherlich aus Zeiten kurz nach dem Krieg stammt. "Das ist noch richtig schwer und hängt gut. Das Lametta wird doch immer wieder aufbewahrt. Da wird nichts Neues gekauft", sagt Dremer.

Ein Tag lang beschäftigt

Einen Tag lang ist Dremer mit einem Helferteam von Freiwilligen damit beschäftigt, die 16 Bäume nur aufzustellen. Dann waltet Astrid Porzelt ihres Amtes. Und einen Tag lang, wenn alles geschmückt ist, putzt ein Team von Freiwilligen die Kirche.

Astrid Porzelt jedenfalls wird wohl auch in den kommenden Jahren die Christbäume schmücken. Routine hat sie darin jedenfalls: Denn sie hat ihren eigenen Weihnachtsbaum schon seit dem ersten Advent. Und den Baum bei der Schwiegermuter hat sie auch geschmückt. Und bei Motor Nützel hat sie zudem mitgeholfen, lacht sie.
Denn sie schmückt nun mal gerne Christbäume - auch wenn sie Weihnachten immer im Urlaub ist.