Die Bürgerinitiative Pro Stadtsteinach hat große Zweifel an dem Verkehrsgutachten, dessen Ergebnisse in den Planfeststellungsentwurf für die geplante Ortsumgehung eingeflossen sind. Das Staatliche Bauamt Bayreuth hatte im Jahr 2013 die Verkehrsmengen an verschiedenen Stellen rund um Stadtsteinach erfassen lassen.

" Diese Ergebnisse vermitteln dem Leser der Planfeststellungsunterlagen den klaren Eindruck, dass die Ortsdurchfahrt, vor allem im Bereich des Marktplatzes von Stadtsteinach, mit rund 7600 Kraftfahrzeugen pro Tag und einem Schwerlastanteil von fast 800 Fahrzeugen massiv überlastet sein soll", schreibt nun Jürgen Machulla im Auftrag von Pro Stadtsteinach.
Was die Bürgerinitiative bemängelt: Eine ebenfalls im Jahr 2013 im Bereich des Marktplatzes stattgefundene Geschwindigkeitsmessung, bei der auch die Fahrzeugmengen und -klassen erfasst wurden, ist weder mit in die Planfeststellung eingeflossen noch wurden diese Zahlen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.


"Umfangreiche Recherchen"


Bereits beim Erörterungstermin zum Planfeststellungsverfahren der Ortsumfahrung Stadtsteinach seien seitens Pro Stadtsteinach massive Zweifel an der Schlüssigkeit der Verkehrsbelastungszahlen erhoben worden, so Machulla weiter. Nach umfangreichen Recherchen habe die Bürgerinitiative "auch aufgrund der Unterstützung der Regierung von Oberfranken" die Daten der besagten Messung vom Staatlichen Bauamt Bayreuth erhalten und ausgewertet.

"Danach ergibt sich für die Ortsdurchfahrt von Stadtsteinach im Bereich des Marktplatzes folgendes Bild: Die Gesamtverkehrsbelastung liegt bei etwa 4900 Kraftfahrzeugen pro Tag, der Schwerlastverkehr nur bei rund 280 Fahrzeugen", heißt es in dem Schreiben. Die Notwendigkeit einer Ortsumfahrung aufgrund des angeblich so massiv überlasteten Marktplatzes werde somit mehr als in Frage gestellt. In manchen Bundesländern wie zum Beispiel Baden-Württemberg hätte die Ortsumgehung Stadtsteinach noch nicht einmal die Hürde für eine Anmeldung beim Bundesverkehrsministerium zum Bundesverkehrswegeplan geschafft, da dort die Notwendigkeit einer Ortsumfahrung erst ab einer Verkehrsbelastung von 13 500 Fahrzeugen mit einem Schwerlastanteil von 1000 gesehen werde.


Ein eher schwaches Argument


Die immer wieder als Argument vorgebrachte Verbesserung der Verkehrssicherheit ist nach Überzeugung von Pro Stadtsteinach "ein eher schwaches Argument für eine Ortsumfahrung, da sich im Bereich des Marktplatzes seit über 60 Jahren kein schwerer Unfall ereignet hat".

Dennoch habe man beim Landratsamt Kulmbach einen Antrag auf Einführung einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer gestellt und ebenso die einseitige Sperrung für den überregionalen Transit-Schwerlastverkehr beantragt, so Machulla.

Beide Maßnahmen seien laut Straßenverkehrsordnung mögliche Maßnahmen, um sowohl die Verkehrssicherheit in Ortsdurchfahrten zu erhöhen als auch in Erholungsorten die Lärmimmission zu reduzieren.