Der Aussichtsturm auf dem 690 Meter hohen Pressecker Knock gilt als das Wahrzeichen des schönen Frankenwaldorts. Viele Gäste durften von dort vor Jahren, als die Bäume noch nicht so hoch waren, bei guter Fernsicht den Blick weit in alle Himmelsrichtungen schweifen lassen: zum Thüringer Wald, zu den markanten Bergen des Fichtelgebirges, zum Sophienberg bei Bayreuth oder sogar zum Staffelberg.

Unvergessen bleiben dem älteren der beiden Autoren die Besuche des Turms in seiner Jugendzeit, konnte man doch von dort oben unzählige Johannisfeuer beobachten. Und ein Erlebnis als Teenager mit älteren Freunden bleibt ewig in Erinnerung. "Komm, rauch' mal eine Zigarette und mach' einen tiefen Lungenzug", hieß es da. Das werde ich nie vergessen, das war die erste und einzige Zigarette in meinem Leben. Dem Turm sei Dank!

Wechselvolle Geschichte

In den vergangenen Monaten standen Wanderer und Besucher vor verschlossener Tür - aus Sicherheitsgründen. Die Hölzer waren durch Witterungseinflüsse stark geschädigt, wichtige tragende Teile von Fäulnis befallen.

Ein Neubau scheint sinnvoll, da eine Sanierung sehr aufwendig wäre. Da die Bäume im Umfeld eine stattliche Höhe erreicht haben, müsste auch über eine Aufstockung nachgedacht werden. Welches Material wäre wohl geeignet, dem rauen Wetter im Frankenwald standzuhalten? Um das Pressecker Wahrzeichen zu erhalten, bedarf noch vieles der Klärung.

Es war ein alter Wunsch der Pressecker Bevölkerung, ihren Knock mit einem Turm zu krönen. Bereits 1902 ging der örtliche Verschönerungsverein die Erbauung an. Viele Spenden und die Ausgabe von Anteilscheinen führten dazu, dass im Juni 1914 die Turmkasse mit 2000 Goldmark und mit Holzspenden gut gefüllt war. Doch zum geplanten Baubeginn brach der Erste Weltkrieg aus, man hatte an wichtigere Dinge zu denken. Der Turmbau geriet zur Nebensache, das gesammelte Geld wurde in der Nachkriegszeit durch die Inflation verschluckt.

Erster Turm war sechseckig

1933 ging es dann umso schneller. Den Bauplatz hatte ein Freund des Frankenwaldes zur Verfügung gestellt, im Juli war der erste Spatenstich. Alle halfen tatkräftig zusammen - und nach nur wenigen Monaten Bauzeit konnte der erste, 20 Meter hohe, sechseckige Turm eingeweiht werden.

Für seinen Bau wurden 400 laufende Meter Tannenholz, 80 laufende Meter Bohlen und 300 Quadratmeter Bretter verbaut. Die Einweihung erfolgte am 8. Oktober 1933. Auf Betreiben der örtlichen NSDAP-Gruppe erhielt der Turm den Namen eines Mannes, der zu dieser Zeit in aller Munde war. Den festlichen Gruß sprach Heinrich Fischer Pfarrer i. R. aus Bayreuth.

Während der Kriegszeit und nach 1945 wurde die Pflege des Turms vernachlässigt, so dass er wegen Bauschäden gesperrt werden musste.

"Ein Wahrzeichen der Heimat"

Am 5. Oktober 1952 folgte die Einweihung des zweiten Turms auf dem Pressecker Knock. Der damalige Hauptvorsitzende des Frankenwaldvereins, Hans Seiffert, sagte in seiner Ansprache: "So steht der Turm im Frankenwalde, allen Wettern zum Trotz, ein Wahrzeichen der Heimat, eine Mahnung zur Heimatpflege, zur Heimatliebe und zu Heimattreue."

Die Holzbauweise brachte es aber mit sich, dass auch er nicht ewig hielt. Immer wieder mussten schwere Schäden repariert werden. Alle Verantwortlichen waren sich jedoch einig, dass in Presseck ein Aussichtsturm stehen müsse. So erfolgte 1984 der Abbruch des "Alten Kerls", wie er von einigen Presseckern liebevoll genannt wurde.

Viele Unterstützer

Zeitgleich versuchte der Obmann der Pressecker Ortsgruppe, Fritz Jungkuntz, die Finanzierung des Neubaus zu gewährleisten, der auf über 100 000 Mark veranschlagt wurde. Eine Haussammlung unter der Pressecker Bevölkerung, die Unterstützung durch den Frankenwaldhauptverein mit Adolf Thumser an der Spitze sowie durch den Landtagsabgeordneten Herbert Hofmann und den unermüdlichen Bürgermeister Erhard Hildner sorgten für die nötige Unterstützung des Projekts.

Am 8./9. Juni 1985 erfolgte die Einweihung des von der Firma Gebrüder Findeiß aus Schwarzenbach am Wald abgebundenen Bauwerks. Der damals neue Hauptvorsitzende des Frankenwaldvereins, Robert Strobel, zeigte sich dankbar, dass die Bemühungen zur Finanzierung in einer Zeit der Sparmaßnahmen erfolgreich waren. Letztendlich kostete der Turm fast 110 000 Mark.

Beim Festakt erhielt er seinen offiziellen Namen: "Pressecker-Knock-Turm".

Doch bereits nach 18 Jahren war im Jahre 2003 eine Generalsanierung notwendig, da tragende Bauteile morsch geworden waren. Arbeiter tauschten die Hauptsäulen aus und verwendeten dafür Douglasien, die Baron Ludwig von Lerchenfeld gestiftet hatte.

Stürmische Einweihung

Der Pressecker Obmann des Frankenwaldvereins, Willibald Gareiß, begrüßte an einem stürmischen Samstag zahlreiche Ehrengäste und Bürger zur Wiedereinweihung des Turms. "Möge dem Turm eine lange Lebensdauer beschieden sein, so dass viele Wanderer und Besucher die Natur und die Heimat bewusst erkennen können", sagte er.

Jetzt, im Winter 2020/21 ist der geschichtsträchtige Turm auf dem Pressecker Knock wieder gesperrt. Das raue Wetter des Frankenwaldes hat ihm zugesetzt, die Bäume überragen ihn. Was wird aus ihm werden?