Drehte sich schon vor Jahrzehnten das erste Windrad im Landkreis Kulmbach auf den Pressecker Höhen, so ist es in diesen Monaten der Ortsteil Heinersreuth, der von sich reden macht. Als erster Ort in Oberfranken werden dort 32 Anwesen mit Wärme und Strom über eine mit Hackschnitzeln befeuerte Anlage versorgt. Willibald Gareiß, einer der Geschäftsführter der Betreibergesellschaft, spricht am Montag von einem "steinigen Weg" von den ersten Planungen im Jahr 2008 bis zum Ziel, das im Herbst 2013 mit der Inbetriebnahme der Anlage erreicht wurde. Eine Million Euro wurde in Heinersreuth investiert, mit 1050 Euro wurde der günstige Hausanschluss abgerechnet. Fünf bis sechs Anschlüsse kann die Anlage noch verkraften, sagt Gareiß, dessen großes Engagement bei der Werbung der Anschlussnehmer letztlich den Durchbruch für die Rentabilität brachte.

Heinersreuth auf andere Ortsteile übertragen?

Wofür ihm Bürgermeister Siegfried Beyer (CSU) auch besonders dankbar ist, wie er am Montag unterstreicht. Beyer ist es auch, der durchaus Möglichkeiten sieht, das Beispiel Heinersreuth auf andere Ortsteil zu übertragen. Und der für Heinersreuth noch eine "kleine Dorferneuerung" ankündigt, um die Spuren der Bauarbeiten verschwinden zu lassen und die Straßenkörper in einen ordentlichen Zustand zu versetzen.

Wann das geschehen wird? "Sobald wie möglich", erklärt er den Zuhörern und verknüpft die Ankündigung mit der finanziellen Leistungsfähigkeit der Marktgemeinde. Trotz Zuschüssen muss Presseck ja auch seinen Eigenanteil stemmen können.

Eine Frage der Finanzierbarkeit ist ein anderes Projekt, mit dem die Marktgemeinde bundesweit für Aufsehen sorgen könnte. Heiko Müller ("Ich bin seit Jahren in Sachen alternativer Energien unterwegs") von der Firma Orbis Network hat für Anfang Juni zu einer Klausurtagung in die Neumühle eingeladen, an der Wissenschaftler ebenso teilnehmen wie die Produzenten der Anlagentechnologie für die Energierzeugung.

Möglichkeit zum Sparen

Das Ziel: Aus den verschiedenen Energiequellen wie Wasser, Wind, Photovoltaik und Thermolyse ein in sich geschlossenes System schaffen, das alle Grund- und Spitzenlastwerte über dezentrale Blockheitkraftwerke abdecken kann. Besonders interessant: Mit Thermolyse lässt sich Klärschlamm ebenso wie organischer Abfall verwerten, so dass die Kommunen Entsorgungskosten sparen und sogar Geld verdienen könnten. "Wenn wir das schaffen, wären wir in Deutschland führend auf diesem Gebiet", sagt Heiko Müller, der einen Standort Presseck durchaus im Bereich des Machbaren sieht.

Dass diese Art der Energie-Selbstversorgung - auch hinsichtlich der Kosten - durchaus ein Argument gegen Abwanderung und ein Standortvorteil für Neubürger ist, weiß Bürgermeister Siegfried Beyer. Auch vor diesem Hintergrund ist es zu sehen, dass die Gemeinde mit Hochdruck an einem Leerstandskataster für Wohnraum arbeitet. Mit Zustimmung der Eigentümer soll künftig eine Übersicht brach liegender Anwesen bei der Kommune zu bekommen sein, um schneller Kontakte zu potenziellen Käufern herstellen zu können.

Zusätzliche Belastung vermeiden

Zugleich strebt die Gemeinde die Marktplatzneugestaltung inklusive der Sanierung der Fabrikstraße an. Fördermittel erwartet sich Siegfried Beyer über die Städtebauförderung. Ob die Anlieger zur Kasse gebeten werden? Das will Beyer vermeiden. Die Straßenausbaubeitragssatzung jedenfalls gilt nur für einen Vollausbau. Wann das Projekt umgesetzt wird? "Sobald die Gemeinde ihren Kostenanteil von 20 Prozent schultern kann."