Nachdem die Ständige Impfkommission grünes Licht gegeben hat, auch Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen Covid-19 zu impfen, startete auch im Kulmbacher Impfzentrum eine entsprechende Kampagne. Empfohlen wird die Impfung bislang für Kinder mit Vorerkrankungen oder für Kinder, in deren Umfeld sich Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf befinden. Außerdem können sich Kinder auch auf ihren persönlichen oder auf Wunsch ihrer Eltern impfen lassen.

Das Impfzentrum Kulmbach hatte am Samstagmittag die ersten fünfzig Impfdosen zu Verfügung. Kinderarzt Patrick Muzzolini nahm die Aufklärung vor und führte die Impfung durch. Geimpft wurde mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech - die zweite Impfung soll im Abstand von drei bis sechs Wochen erfolgen. "Die Termine waren ruckzuck weg", sagte der Leiter des Impfzentrums Marcel Hocquel. Auch für den zweiten Weihnachtsfeiertag, wo die nächste Kinderimpfung ansteht, ist der Andrang schon groß.

"Möchte nicht krank werden"

Die Kinder konnten die Aufregung um den Piks gar nicht nachvollziehen. "Ich möchte selbst die Impfung. Das ist doch klar", erklärte Simon Holhut (11). Er kam mit seiner Mutter Monika. Mit elf Jahren hat er keine Angst vor der Impfung. "Ich möchte auf keinen Fall krank werden. Und ich möchte auch andere schützen", sagte Simon, der dabei auch an seine Oma denkt.

Für den ebenfalls elfjährigen Philipp war es genauso wenig eine Frage, ob er sich impfen lassen möchte. "Wir haben uns gleich angemeldet, um die Kinderdosis zu bekommen. Mein Sohn ist nicht so groß und stark, und ab zwölf würde er dann die höhere Dosis bekommen", erklärt Mutter Sabine Weiß. Angst vor der Impfung hat auch Philipp nicht. "Ich möchte in der Schule nichts versäumen. Ich habe Englisch und Französisch. Wenn ich wochenlang zu Hause bin, ist das blöd."

Aggressionen schüchtern ein

Jakob Löffler ist erst neun Jahre alt. Auch er möchte die Impfung unbedingt. "Ich habe pflegebedürftige Eltern", erläutert seine Mutter Sabine Löffler. Der Junge hat engen Kontakt zu den Großeltern. Vor ihm stand ein andere Jakob in der Reihe. Ebenfalls neun Jahre alt. Seine Mutter Carolin Mähringer arbeitet, wie auch ihr Mann, beim Rettungsdienst. "Uns ist es wichtig, dass unser Sohn geimpft ist", sagte die Mutter. "Außerdem möchte ich wieder Ski fahren", ergänzte Jakob.

Doch nicht alle, die vor dem Impfzentrum in der Schlange standen, trauten sich, offen zu kommunizieren, dass die Kinder geimpft werden sollen. "Natürlich lassen wir unsere Kinder impfen, wir sind selbst auch geimpft. Und wir sind überzeugt, dass die Impfung die einzige Möglichkeit ist, um die Pandemie zu brechen und wieder ein normales Leben zu führen. Aber ich möchte auf keinen Fall meinen Namen oder den Namen meines Kindes öffentlich bekanntgeben", sagte eine Mutter.

Die Proteste der Corona-Gegner schüchtern viele Impfwillige ein und lassen sie verstummen.

Auch die zunehmende Aggressivität der Corona-Leugner und der Gegner der Impfpflicht sorgen bei denen, die ihre Kinder impfen lassen möchten, für ein mulmiges Gefühl. Viele möchten deshalb doch lieber anonym bleiben. Denn auf keinen Fall sollen die Kinder sich für die Impfung rechtfertigen müssen.

Gerhard und Elfi Böhnisch von der Kulmbacher Sicherheitswacht waren beim Auftakt der Impfaktion zugegen und schauten nach dem Rechten. Hätte es "Spaziergänge" oder Aktionen vor dem Impfzentrum gegeben, hätten sie eingreifen oder Verstärkung rufen können. Auch Markus Roth vom Sicherheitsdienst des Einkaufszentrums hatte ein Auge aufs Impfzentrum. "Es ist auch diesmal alles ruhig. Bislang hatten wir keine Probleme", gibt er Auskunft und ist froh darüber.

Kinderarzt Patrick Muzzolini nahm sich für die Aufklärungsgespräche viel Zeit. Viele lobten den reibungslosen Ablauf. Die Termine wurden streng eingehalten. Es bildeten sich keine langen Schlangen, die Wartezeit war überschaubar.

"Man hat gar nichts gemerkt. Gar nichts", erklärte Simon Holhut nach der Impfung und zeigte sein Piratenpflaster. "Das war nur wie eine Feder", meinte Jakob Löffler nach dem Piks. Er habe fast nichts gemerkt, nur eine zarte Berührung. Und ein bisschen stolz darauf, dass sie die ersten waren, die den schützenden Piks erhalten haben, waren die Kids auch.