Er blickt mit großer Dankbarkeit auf seine elfjährige Amtszeit in Neuenmarkt zurück. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er hier sein Familienglück gefunden hat. Man spürt aber, dass sich Böhm auf seine neue Aufgabe freut.


"Genau das, was mir wichtig ist"


Der 47-Jährige sagt, er sei kein Pfarrer, der jahrzehntelang an einer Wirkungsstätte bleibt. "Die Stelle in Betzenstein hat mir gleich sehr gefallen." In der Stellenausschreibung seien eine biblische und lebensnahe Verkündigung sowie eine seelsorgerische Begleitung der Menschen gefordert worden. "Das ist genau das, was mir wichtig ist."

Letztlich sei auch der Hinweis wichtig gewesen, dass der Betzensteiner Kindergarten durch einen Geschäftsführer verwaltet wird. Genau diese Arbeit habe ihn in Neuenmarkt zeitlich sehr beansprucht.
"Ich habe eigentlich nicht eingesehen, dass das eine Aufgabe für den Pfarrer ist. Teilweise waren da zehn Stunden die Woche nur Verwaltung Kindergarten. Das war mir zu viel, denn ich bin eher ein Seelsorger- und Predigertyp."


Leidgeprüfter Club-Fan


Betzenstein ist aber auch für die junge Pfarrersfamilie von Vorteil, denn die Eltern von Barbara Böhm stammen aus Bayreuth und die Mutter lebt noch dort. Und was für den leidgeprüften Club-Fan sicher auch ein klein wenig mit entscheidend war: "Wir sind auch näher an Nürnberg dran!"

Pfarrer Ulrich Böhm gibt zu, dass er Neuenmarkt mit einem lachenden und weinenden Auge verlassen wird. "Manchmal überwiegt die Vorfreude, wenn man dann aber in bestimmten Kreisen und mit bestimmten Leuten zusammen ist oder oben in Kupferberg steht und über die Lande schaut, dann weiß man schon auch, was man verlässt."


Offen und freundlich


Böhm war von Beginn an mit großer Herzlichkeit in Neuenmarkt aufgenommen wurde. Seine offene, freundliche und auch herzliche Art machte ihm das Eingewöhnen in der Kirchengemeinde - damals noch als Single - sehr leicht. Er fand sofort einen "Draht" zu den Gemeindegliedern, egal ob jung oder alt. Und dass heute vor allem so viele junge Christen in der Kirche aktiv sind, das ist hauptsächlich sein Verdienst. "Das gibt es fast nirgends im Dekanat, dass die Jugend ein wesentlicher Motor der Gemeinde ist, der Impulse gibt und andere mitreißt. Das hat sich wirklich wunderbar entwickelt." Bei der Frage, was denn so die schönsten persönlichen Momente in den elf Jahren waren, glänzen sofort seine Augen: Seine Hochzeit und die Geburt seiner Tochter Marie.

Und was die Arbeit als Pfarrer angeht, verweist er auf die Glaubenskurse in den Jahren 2006 bis 2008, die "Mitten-ins-Herz-Woche" mit dem Ehepaar Hildner oder die die Bodenseehof-Freizeiten.


Graue Haare wegen des Horts


Auch ein Mammutprojekt konnte Böhm noch erfolgreich abschließen: den Neubau der Kindertagesstätte. "Dabei hat mir Kirchenvorsteher Manfred Penning unheimlich viel Arbeit abgenommen." Wesentlich mehr graue Haare habe er wegen des Horts bekommen. Doch es habe sich gelohnt, für die Sache zu kämpfen. Helferteam um sich: "Da bin ich für Vieles sehr dankbar und da freut man sich, dass man Mitstreiter hat, die das Gleiche wollen und nicht allein auf weiter Flur ist."

Am Sonntag, 5. Juli, um 14 Uhr wird Pfarrer Ulrich Böhm in einem Gottesdienstes von seiner Kirchengemeinde verabschiedet. Drei Wochen später wird er als Stadtpfarrer von Betzenstein eingeführt.

Die ab 1. Juli vakante Pfarrstelle in Neuenmarkt ist laut Dekan Jürgen Zinck gegenwärtig im Amtsblatt zur Wiederbesetzung ausgeschrieben .