"Lothar, Lothar" tönte es lautstark durch das Kulmbacher Kleinkunst-Brettla in Untersteinach, als sich Lothar Groß am Samstagabend nach seinem zweistündigen Programm verabschieden wollte. Auch Uli Weigel, der vor einem Jahr den Stein ins Rollen gebracht und Lothar Groß vorgeschlagen hatte, im KKB aufzutreten, war begeistert. "Das Programm war ein einziger Dauergag", urteilte Weigel und teilte mit, dass Lothar Groß den Vergleich mit vielen anderen Künstlern, die das Geschäft professionell betreiben, nicht scheuen muss.
Dass Lothar Groß als langjähriger Büttenredner im Karneval in Ingelheim eine gewisse Erfahrung mitbringt, was öffentliche Auftritte anbelangt, hat der Wahl-Kulmbacher, der über viele Jahre in Untersteinach gelebt hat, bei diversen Gelegenheiten schon bewiesen. Wie er bei seinem Soloprogramm eine gefährlich anmutende Begegnung auf dem Friedhof, auf dem er das Grab eines verstorbenen Freundes besucht, mit schwarz gekleideten Gothic-Anhängern meistert, war einfach nur cool. "Wenn ihr den Teufel anbeten wollt, hier bin ich!", lautete seine Antwort. Um im Publikum konnte auch jeder nachvollziehen, dass seine Vorbereitung zu einer Besteigung des Watzmanns mit 15 Pils und einer Schachtel Zigaretten am Abend vorher nicht optimal war.

"Wir hatten keinen"


Auch seine Schwester hatte er zur Premiere eingeladen. Er habe ja nicht ahnen können, dass der Saal auch so voll wird, sagte der Kabarettist, der auch Einblicke in sein früheres Familienleben gab. Dass er fünf Schwestern hat, habe seinen Grund. "Wir hatten nämlich damals keinen Fernseher." Auch mit Internet und Computer hat "Onkel Loda" schon viele Erfahrungen gesammelt. Oder besser gesagt sein Kumpel. Der habe schmerzlich erfahren, dass man ohne die Technik nicht mehr leben kann, als sein Laptop geklaut worden ist. "Sein ganzes Leben war weg. Da war alles drin, auch das Datum seines Hochzeitstag und die Namen seiner Kinder."

Wie am Fließband


Die Gags kamen wie am Fließband. Nach mehreren Musikparodien gab Groß noch eine Zugabe. Mit blonder Perücke lud er zum Disco-Tanzkurs - und alle machten begeistert mit. Auch Albert Ponzelar-Becker, ein früherer Arbeitskollege, der extra aus Wien angereist war, um den Kabarettauftritt zu erleben. "Das war ein ungemein kurzweiliges Ereignis," urteilte Ponzelar-Becker und stellte fest: "Die weite Anreise hat sich gelohnt."