Die Anzahl der begangenen Straftaten deutete eigentlich schon zu Beginn der gestrigen Verhandlung am Amtsgericht darauf hin, dass der 20-jährige Angeklagte zumindest mit einem Arrest rechnen musste. Doch am Ende war es die Großmutter, die den jungen Mann, der vor nicht allzu langer Zeit in Kulmbach wohnhaft war, vor einer höheren Strafe bewahrte.

Der Beschuldigte, der sich wegen Diebstahls und Sachbeschädigung zu verantworten hatte, wohnt inzwischen bei seiner Oma im Landkreis Bayreuth. Sie nahm ihren Enkel in ihre Obhut und tut alles, damit er wieder in die Spur kommt.

Und so zollte sogar Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner der Großmutter am Ende der Verhandlung Respekt. "Sie ist Ihnen eine große Stütze gewesen, und ich finde es gut, dass sie Sie auf den rechten Weg zurückgeführt hat.
Lassen Sie sich aber von diesem Weg nicht mehr abbringen", ermahnte er den 20-Jährigen.

Berner verurteilte den jungen Mann zu einer Geldstrafe von 500 Euro und zu 100 Arbeitsstunden, die er bei der Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach innerhalb von fünf Monaten zu zahlen und abzuleisten hat. Er erhielt außerdem eine Führerscheinsperre von sieben Monaten und muss die Kosten der Verfahrens tragen.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth legte dem 20-Jährigen, der vor wenigen Wochen eine Aus-bildung als Kraftfahrzeug-Mechatroniker in Bayreuth begonnen hat, gleich mehrere Anklagen zur Last, die aber zum Teil schon länger als zwei Jahre zurückliegen. Zunächst ging es um eine Reihe von Einbrüchen und Diebstählen in den Sportheimen des VfR Katschenreuth, des SSV Peesten und des BC Leuchau sowie der Pestalozzischule in Kulmbach und der ehemaligen Volksschule im Stadtteil Gössmannsreuth.

Während sich in den Sportheimen der Entwendungsschaden eher gering hielt, waren die verursachten Sachschäden weitaus größer, weil der junge Mann bei seinen Einbrüchen meist mit brachialer Gewalt und unprofessionell vorging.

Der Sachschaden lag nach den Worten von Staatsanwalt Ludwig Peer im hohen vierstelligen Bereich. Anders verhielt es sich in der Pestalozzischule, denn dort wurden technische Geräte wie Beamer und Laptops im Wert von 7430 Euro gestohlen. Die Anklage lautete hier: Mehrfacher Diebstahl und versuchter Diebstahl sowie Sachbeschädigung.

Die Taten beging der Angeklagte aber zusammen mit drei Freunden, die anderweitig gerichtlich verfolgt werden. Er selber war nur als "Mitläufer" dabei, wie er vor Gericht einräumte.

In der zweiten Anklageschrift wurde ihm vorgeworfen, im September 2011 einen Kassen-wagen eines Kinderkarussells und einen Wagen mit Süßwaren auf der Kirchweih in Forstlahm aufgebrochen zu haben. Der entwendete Geldbetrag betrug zwar nur 25 Euro, dafür war aber die Sachbeschädigung an den beiden Wägen erheblich. Staatsanwalt Ludwig Peer bezifferte diese auf rund 1000 Euro.

Auf die Frage von Richter Christoph Berner, warum er den Diebstahl und die Sachbeschädigung begangen habe, gab der Angeklagte pure Geldnot an: "Ich hatte damals überhaupt keine Einnahmen, und rückblickend muss ich sagen, dass es auf jeden Fall ein Fehler war."

Schließlich war der Angeklagte noch am Samstagabend des diesjährigen Altstadtfestes mit seinem Auto in Kulmbach unterwegs, geriet um 4.30 Uhr in eine Polizeikontrolle, und es wurde ein Blutalkoholwert von 1,35 Promille festgestellt. Die Anklage lautete hier auf fahrlässige Trunkenheit im Verkehr. Pech für den Angeklagten, denn er wollte sein Auto, das in einer Garageneinfahrt stand, nur wenige Meter entfernen, um dann darin zu schlafen.

Aus dem Bundeszentralregister verlas Richter Christoph Berner einen Eintrag: Vorsätzliche Störung von Telekommunikationsanlagen.

Stefan Fürst vom Landratsamt als Vertreter der Jugendgerichtshilfe stellte zunächst fest, dass der Angeklagte unter der mangelnden Beziehung zu seinen Eltern litt. Er absolvierte zwar die Mittlere Reife, brach aber dann eine Ausbildung zum Industriekaufmann ab. Nach einer längeren Arbeitslosigkeit hat er nun mit Hilfe seiner Großmutter sein Leben komplett umstrukturiert und begann auch im August dieses Jahres eine Ausbildung . Fürst: "In dem Gespräch mit mir war er sehr offen und geständig und hat auch die Straftaten ohne Umschweife eingeräumt. Durch die Berufsausbildung und das Engagement der Großmutter ist er gefestigt."

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe hielt eine Geld- und Arbeitsauflage für angebracht: "Ein Arrest wäre für ihn fatal!"


Geständnis half

Staatsanwalt Ludwig Peer hatte keinen Zweifel am Geständnis des Angeklagten, der für ihn nur als Mitläufer tätig war. Er machte das Jugendstrafrecht geltend und forderte eine Strafe von 100 Arbeitsstunden gemeinnütziger Arbeit und eine Geldstrafe von 500 Euro. Beim Führerscheinentzug forderte der Staatsanwalt allerdings neun Monate.

In seinem Urteil stellte Richter Christoph Berner fest, dass der Angeklagte mit seinem Geständnis dem Gericht eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart habe.

Auch er hielt einen Arrest nicht für zielführend und beschränkte sich mit Ausnahme des Führerscheinentzuges auf den Antrag des Staatsanwaltes.