Oberbürgermeister Henry Schramm hat sich nun schriftlich an die Staatsministerin im Bundeskanzleramt für Digitalisierung, Dorothee Bär, und die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml (alle CSU), gewandt und um Unterstützung, bei diesem zukunftsweisenden Projekt für das Klinikum Kulmbach, gebeten. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Stadt Kulmbach hervor.

In den Schreiben berichtet Schramm, dass bereits in den Sondierungsgesprächen für einen möglichen Medizincampus in Kulmbach stets das zukunftsträchtige Modell der Telemedizin angesprochen worden seien, welches die medizinische Versorgung im ländlichen Raum revolutionieren und zukunftssicher aufstellen könnte. "Uns ist es nun gelungen, solch einen wichtigen Eckpfeiler der modernen Medizin nach Kulmbach zu holen", betont Schramm.

Die Kulmbacher VLEXsoftware-consulting GmbH hat nach den Worten des OB den Kontakt zwischen dem Klinikum Kulmbach und deren polnischen Partnerfirma Comarch, die Vorreiter auf dem Gebiet der Telemedizin ist, hergestellt. Nach vielen Gesprächen sei ein Konzept für ein telemedizinisches Zentrum am Klinikum Kulmbach gereift - was nun auch seit einigen Wochen in den Anfängen erprobt werde.

Die Firma Comarch hat in 25 Ländern auf vier Kontinenten Niederlassungen und beschäftigt weltweit rund 5.500 Mitarbeiter. Der Mutterkonzern Comarch S.A. ist ein von Universitätsprofessor Janusz Filipiak gegründeter Software-Hersteller mit eigenen Forschungszentren, welcher seit 1999 in Deutschland tätig ist. Für ihre vielfältigen Kunden werden spezielle IT-Lösungen für Geschäftsprozessoptimierung und Kundenbeziehungsmanagement entwickelt.

Ein weiteres Themengebiet ist die Telemedizin, die bereits in anderen Ländern zusammen mit Kliniken und Ärzten erprobt und praktiziert wird. Hierfür hat die Firma Comarch in Polen eine eigene Klinik entstehen lassen, um so die Forschung auf diesem Gebiet noch effizienter betreiben zu können.
Die Telemedizin umfasst sowohl Diagnostik, als auch Therapie im Gesundheitswesen, unter Überbrückung einer räumlichen oder auch zeitlichen Distanz zwischen Patient und Arzt oder auch zwischen mehreren an verschiedenen Standorten tätigen Ärzten.

Zu den wichtigsten Zielen der Telemedizin zählen die Verbesserung der Gesundheit der Bürger durch Bereitstellung lebenswichtiger Informationen sowie die Verbesserung von Qualität und Zugänglichkeit der medizinischen Versorgung. Die telemedizinische Betreuung bietet, wenn notwendig, kontinuierliche Überwachung der gesundheitlichen Verfassung von Patienten sowie die Möglichkeiten von Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen im häuslichen Umfeld.

Sobald auffällige Werte auftreten, verständigt das medizinische Personal des Zentrums den Patienten und rät, den behandelnden Arzt aufzusuchen. Im Notfall wird selbstverständlich unmittelbar der Rettungsdienst alarmiert.

Ganz konkret werden seit diesem Jahr vor allem Patienten aus der Kardiologie des Klinikums Kulmbach durch das telemedizinische Zentrum überwacht und betreut. Die Patientenzahl ist einem stetigen Wandel ausgesetzt, aktuell nutzen bereits 60 Patienten das Angebot. Aus der Praxis kann das Klinikum Kulmbach berichten, dass die Patienten von den Möglichkeiten der Telemedizin begeistert sind und nach einer umfassenden Schulung und Bedienungsanleitung mit den Gerätschaften hervorragend ihren Alltag meistern können. Auch die Ärzteschaft ist positiv gestimmt. Mit den ersten Anläufen ist man hochzufrieden und freut sich auf die Weiterführung sowie den Ausbau des Projektes.

Bei dem Ausbau der digitalen medizinischen Versorgung könnten alle Lebensbereiche und Altersstufen Berücksichtigung finden. Sicherlich haben ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen einen besonderen Vorteil, da beschwerliche Wege zum ärztlichen Kontrollbesuch reduziert werden, aber auch Schwangere könnten zum Beispiel die Herztöne des ungeborenen Kindes betreut wissen. Die Nutzungsmöglichkeiten sind, so der Oberbürgermeister, vielfältig und vom Säugling bis zu den Senioren gegeben.

"Die Geschäftsleitung des Klinikums Kulmbach, als auch ich sind glücklich über die Entscheidung der Firma Comarch, in Deutschland zusammen mit unserem Haus, Zeit, Geld und Personal zu investieren, um in einem ländlich geprägten Raum ein telemedizinisches Zentrum entstehen zu lassen. Es sollen Wege zu einer Steigerung der Behandlungsqualität unter der Herausforderungen des demografischen Wandels aufgezeigt werden. Das Klinikum Kulmbach ist sich der Tragweite, Modernität und Vorteile des Projektes bewusst und geht daher mit nicht unerheblichem finanziellen Einsatz gerne als Partner in dieses innovative Pilotprojekt", betont Schramm in seinen Briefen an die beiden Ministerinnen.

"Die Region Oberfranken ist damit ein Aushängeschild für die Entwicklung der digitalen Medizintechnik und kann Zeichen und Maßstäbe setzten, als auch Impulsgeber für die künftige Entwicklung auf diesem Sektor sein." Der Oberbürgermeister bittet beide Politikerinnen, das Projekt nach ihren Möglichkeiten zu unterstützen und dafür zu werben. Darüber hinaus lädt er beide nach Kulmbach ein.