Der junge Mainleuser liebt diese Tiere, auch wenn sie ausgesprochen scheu sind und sich - im Gegensatz zu seinen Hühnern - nicht knuddeln oder auf den Arm nehmen lassen. "Eigentlich habe ich gar nicht gedacht, dass ich eine Chance habe. Ich habe vielleicht auf eine kleine Auszeichnung gehofft", erzählt Nils und freut sich riesig über die Ehrung.

Nicht weniger als 100.000 Tiere wurden auf der 27. Europaschau für Geflügel, Tauben, Kaninchen, Cavias und Vögel in der Neuen Messe Leipzig gezeigt, es war die größte Kleintierschau aller Zeiten. Konkurrenten aus 28 Ländern zeigten ihre Züchtungen. Meine Mutter wollte ihre Strupphühner ausstellen", erinnert sich Nils, der aus seinem Käfig einfach noch ein paar Eistauben beigesteuert hat. Selbst ist er gar nicht mit nach Leipzig gefahren.
Denn er war sich ja sicher, dass er keinen tollen Preis gewinnen wird.

"Wer auf dieser Schau einen EE-Europameister und EE-Champion-Titel erringt, der ist wirklich gut", kommentiert seine Mutter Stephanie, die Vorsitzende des Geflügelzuchtvereins Mainleus und Umgebung ist, den Erfolg ihres Sohnes. "Ich habe drei Mal hervorragend bekommen, also 96 Punkte, und zwei Mal wurde ich Champion", lacht Nils, der neben dem Europatitel auch noch eine Ehrenmedaille und ein Ehrenband abgeräumt hat. "Das habe ich alles erst übers Internet erfahren."

Zu den Eistauben kam der Neunjährige durch einen Zufall. Ein befreundeter Züchter vom Partnerverein der Mainleuser schenkte der Familie drei Paare, um einen Einstieg in die Zucht zu ermöglichen. Das war vor mehr als fünf Jahren. "Wir hatten damals noch nicht mal einen Käfig, erinnert sich Stephanie Becker noch genau an die Anfänge. Und niemand in der Familie hätte sich träumen lasen, dass die Eistauben einst für solchen Ruhm sorgen würden.

Eigentlich Hühner-Flüsterer

Denn eigentlich haben sich die Beckers der Hühnerzucht verschrieben. Alle sind wahre "Flüsterer". Sie sehen einem Huhn an, ob es sich wohl fühlt, die Tiere werden gebadet und bekommen dann eine Wärmepackung im Handtuch, damit die Federn schön duftig und besonders hübsch gestruppt sind. Neuerdings wohnt sogar ein Huhn im Wohnzimmer der Familie. "Die Bruni", klärt Nils auf und fügt gleich hinzu, dass es sich um eine italienische Zwergkämpferin handelt, und zwar eine orangebrüstige. "Das ist zwar nichts Besonderes, aber die Bruni ist trotzdem ein besonderes Huhn", sagt seine Mutter.

Alles fing damit an, dass Bruni eine kleine Erkältung hatte. Deshalb durfte sie vom Hühnerstall ins Haus umziehen, bekam eine Verwöhnkur. In einem Käfig im warmen Wohnzimmer wurde sie mit Möhrensuppe und Leckerlis aufgepäppelt.

Bruni weiß sich zu benehmen. Sie kuschelt abends beim Fernsehen auf dem Schoß und im Arm. Und weil Menschen stubenreine Tiere haben wollen, zieht sich Bruni im Fall eines Falles sogar automatisch in ihren Käfig zurück. "Aber manchmal klaut sie auch Lebkuchen oder pickt in meinen Joghurt", verrät Nils Becker die weniger angenehmen Seiten des Haushuhns.

Raritäten bei der Lokalschau

Auch einige Raritäten bringen die Beckers am Wochenende zur Lokalschau in Mainleus mit, die am Samstag um 14 Uhr eröffnet wird: die Strupphühner und die kleinsten Hühner der Welt - die Seramas.

Dass der Thurnauer Verein einen Bus gechartert hatte, erwies sich als lohnend. Denn in Leipzig waren auch andere Kulmbacher Züchter erfolgreich. Neben dem begehrten Titel "Europachampion" wurden einzelne Tiere auch mit einem Europaband und Siegerband ausgezeichnet. Mit Günther Kamps (Verein Thurnau, Fränkische Trommeltauben in schwarz), Uwe Langhammer, (Neudrossenfeld, Bernburger Trommeltauben, rot) Helmut Ulbrich (Thurnau, Orientalische Roller, gelbfahl), Werner Feulner (Marktschorgast, Brünner Kröpfer, weiß) und Fritz Müller (Thurnau, Zwerg-Wyandotten, braun-porzellanfarbig) konnte der Kreisverband fünf Europameister stellen. Hier wird der Titel nicht für ein Einzeltier vergeben, sondern es zählt das Gesamtergebnis einer Kollektion von vier Tieren. Die Stimmung bei der Heimfahrt war natürlich sensationell...