Das Deutsche Dampflokomotiv-Museum oder besser gesagt der gleichnamige Zweckverband ist derzeit unter Zugzwang. Seit April ist die Stelle des Museumsleiters vakant, denn die Nachfolgerin des langjährigen Museumsleiters Volker Dietel, der im letzten Jahr in den Ruhestand verabschiedet wurde, Sandra Bali, wechselte nach nur knapp einem Jahr zur Marktgemeinde Thurnau.
Landrat Klaus Peter Söllner (FW): "Für uns eine sehr schwierige Situation, denn Sandra Bali hat für das Museum hervorragende Arbeit geleistet. Wir sind aber bisher über die Runden gekommen, weil die Vorarbeiten für dieses Jahr bereits geleistet wurden. Wir haben aber auch ein Jahr, in dem wir keine absoluten Großveranstaltungen hatten, aber wir brauchen eine Lösung."


Volker Dietel zur Stelle

Derzeit wird die Museumleitung im Zusammenwirken aller Mitarbeiter unter der Führung von DDM-Geschäftsführer Rüdiger Köhler und Barbara Thiele vom Landratsamt Kulmbach sichergestellt. Ein Glücksfall ist natürlich für die jetzige Situation, dass der frühere Museumsleiter Volker Dietel zur Stelle ist, wenn er benötigt wird. Die Ausschreibung der Stelle erfolgt aller Voraussicht nach am letzten August-Wochenende und Bewerbungsende wird der 30. September sein. Eines ist aber jetzt schon klar: Das Anforderungsprofil für den Mann oder die Frau, der oder die künftig die Leitung des Deutschen Dampflokomotiv-Museum übernehmen soll, ist sehr hoch. Der Zweckverband des Deutschen Dampflokomotiv-Museums sucht eine Kraft, die nicht nur viele Fähigkeiten, sondern auch Leidenschaft und Herzblut für die gute alte Dampfeisenbahn mitbringt. DDM-Geschäftsführer Rüdiger Köhler dazu: "Unsere Vorstellung geht in die Richtung eines Museumsexperten, der zwar die Fachkenntnisse und die wissenschaftliche Vorbildung hat, aber eher vom Studiengang in die praktische Umsetzung geht, der auch einmal eine Ausstellung nicht nur geistig entwerfen, sondern auch selbst umsetzen kann. Wir brauchen einen Museumspädagogen und keinen reinen wissenschaftlichen Mitarbeiter."


Kooperationen denkbar

Bei der Stellenausschreibung reden auch der Bezirk Oberfranken und die Fachstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern mit. Landrat Klaus Peter Söllner macht deutlich, dass die akademisch gebildete Kraft auch den Bezug zur Region benötigt: "Das ist die Schwierigkeit dabei!" Und für die Zukunft denkt Landrat Klaus Peter Söllner darüber nach, unter Umständen zwei museale Einrichtungen, wie beispielsweise das DDM und die Plassenburg von einer Kraft wissenschaftlich betreuen zu lassen: "Bei nichtstaatlichen Museen im ländlichen Raum wird man möglicherweise noch stärkere Kooperationen im Blick haben müssen."
Was die weitere Entwicklung und die Besucherzahlen des Museums angeht, so gibt sich DDM-Geschäftsführer Rüdiger Köhler gegenwärtig optimistisch, dass die Marke von 40 000 Besuchern in diesem Jahr wieder erreicht werden kann. Was mit dem Bahnhofsgebäude, das aus dem Jahr 1849 stammt, und der Güterhalle wird, steht noch in den Sternen. Beide Immobilien wurden von der Gemeinde Neuenmarkt im Zusammenwirken mit dem DDM und mit Hilfe von Städtebauförderungsmitteln erworben, aber ein konkretes Nutzungskonzept gibt es dafür noch nicht. Rüdiger Köhler: "Derzeit sind die Schienen die Grenze für das Museum. Die fördergebenden Stellen würden den Bahnhof und die Güterhalle berücksichtigen, aber da macht unser einer Träger nicht mit. Wir haben auch für den Bahnhof noch keine konkreten Überlegungen. Die ursprünglichen Überlegungen gingen ja dahin, im Bahnhofsgebäude gewisse Depotflächen mit unterzubringen, das hat sich aber mit dem Archiv in der alten Bahnmeisterei schon zum Teil erledigt. Für große Exponate wäre natürlich die historische Güterhalle mit der Laderampe auf jeden Fall geeignet." Die Einrichtung einer Bahnhofsgaststätte, wie sie früher über Jahre betrieben wurde, würde natürlich zum Museum passen.