Neben den mächtigen Holzstämmen wirkt er fast zierlich. Und doch bugsiert er die Baumriesen mit der Präzision einer Maschine auf den Rollwagen, der sie anschließend ans Sägegatter bringt. Ethelbert Kremer macht seinen Job mit Leidenschaft. Und das umso mehr, als der Arbeitsplatz des letzten Schneidmüllers von Stadtsteinach gründlich überholt worden ist. Sein Arbeitsplatz, das ist das Industriedenkmal Schneidmühle am Hochofen.

Vom Ur-Ur-Großvater erbaut


Dem Denkmal, das sein Ur-ur-Großvater 1867 erbaut hatte, hat es der heute 56-Jährige auch zu verdanken, dass er Arbeit in seiner Heimatstadt fand. Der damalige Bürgermeister Werner Döll hatte Kremers Vater Fritz, der die Mühle zusammen mit Fritz Blüchel bis 1981 noch sporadisch genutzt hatte, nach einem Schneidmüller gefragt. Und der hatte spontan seinen Sohn vorgeschlagen, der bis dato in Kulmbach als Dachdecker arbeitete. "Das bringt mir mein Vater schon bei", hatte Kremer damals zugesagt. Und alle hielten Wort.
Von 1982 bis 1985 erledigte der heute 56-Jährige seinen Job in der frisch sanierten Mühle sogar hauptberuflich für den Lohnschnitt, mit dem die Stadt ihre Einnahmen etwas aufbesserte. Doch der Mühlenbetrieb wurde unrentabel. Ethelbert Kremer wechselte in den Bauhof, die Säge nahm er nur noch zu Vorführzwecken oder für eigene Aufträge der Stadt in Betrieb. Bis Ende 2009. Da war das riesige Mühlrad am Ende und stand still.
"Die Transmission kuppeln, die Stämme ins Wasser werfen und mit Mühlenkraft ans Gatter ziehen" - das kann Ethelbert Kremer jetzt endlich wieder. Investitionen von gut 60 000 Euro haben es möglich gemacht.

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