Die nackte Frau ist mit einem scharfkantigen Messer verbunden, sich auflösende Körper im Dämmerlicht. Grün durchwirkte Strukturen, die fast blenden, ein Kegel, der in die Landschaft hineinragt. Nordische Melancholie durchweht ein bisschen die Galerie "Eishaus", Grau-Schwarz-Weiß dominieren.
Die Ausstellung "Artexchange 2017 Franken-Litauen" als Gegenpol zum Trip der Neudrossenfelder Künstler-Vereinigung "focus-europa" und des Bundes Fränkischer Künstler im Juni in die Metropole Vilnius gibt Einblicke in die künstlerische Seele des Baltikums. Etwa 50 Unikate von zwölf litauischen Kunstschaffenden sind zu sehen, sie reichen von Gemälden, Fotografien und grafischen Drucken bis zu Skulpturen aus Pappe und Guss. Es ist die Vielfältigkeit und Abwechslung, die einen beim Betrachten in eine Welt versetzen, die von Fantasie und Pragmatismus gleichermaßen geprägt sind.
Das Doppelbild zweier Frauen in Regenblasen verliert sich im Ungefähren, inmitten einer mystischen Natur im matten Licht ist buntes Gegenständliches ein Kontrast, der nicht stört, sondern Heiterkeit verströmt. Litauer denken anders. Die Schneelandschaft ohne Konturen lässt klirrende Kälte erahnen und Abweisung, "Today is cloudy" und "Picnic on the Sideline" offenbaren die Mentalität des Nordens. In imposanter Größe oder kleinformatig, präsentieren sich die Werke, die ungeteilte Aufmerksamkeit eines zahlreichen Vernissage-Publikums fanden. Von den zwölf litauischen Künstlern war eine persönlich zur Eröffnung gekommen: Dovile Tomkute aus Vilnius, Direktetorin der Galerie, wo die Franken vor vier Monaten ausstellten.


Kleinod unter den Galerien

Sie zeigte sich ganz begeistert vom schönen Ambiente der Galerie, "das hätte ich in so einem kleinen Dorf nicht vermutet". Für die Weitgereiste sei Neudrossenfeld ein Kleinod unter den Galerien, "und ich kenne viele". Großen Eindruck hätten ebenso das Rotmaintal und die Plassenburg auf sie gemacht, sagte sie. In die Ausstellung führte Horst-Hermann Hofmann vom Bund Fränkischer Künstler ein: "Wir pflegen mit Litauen enge Kontakte, die Ausstellung zeigt, dass Europa kein Mythos ist, sondern über die Kunst lebt."
Das Projekt "Franken - Litauen" werde Früchte tragen und nachwirken. Grenzenlose Kunst sei in dem vom Zerfall bedrohten alten Kontinent ein Bindeglied, eine Brücke. "Die müssen wir trotz mancher Gegensätze mutig überschreiten."
Euphorisch gab sich Horst Kießling, Zweiter Vorsitzender von focus-europa, was die Weitläufigkeit des Denkens in dieser Vereinigung mit 80 Künstlern aus 13 europäischen Ländern betrifft. "Wir sind gerade von einem Workshop in Andalusien zurückgekommen und haben auch dort Spuren hinterlassen." Künftig würden in den Aktivitäten auch verstärkt Musik und Theater eingebunden sein, verriet er. Stellvertretender Landrat Dieter Schaar wollte noch die Europatage 2009 in Erinnerung rufen, bei denen Litauen als Gastland im Fokus stand.
Die Ausstellung geht noch bis 12. November und ist samstags sowie an den Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.