"Wir hatten vorher eine Durchforstung machen lassen, wahrscheinlich ein bisschen zu heftig", sagt Jurkat. Doch das glauben die Förster nicht. Anja Mörtelbauer, Renate Zumhülsen van der Sant und Gerhard Lutz sind sich einig, dass auf dieser Fläche auch ohne die Durchforstungsmaßnahme die Fichten keine Chance gehabt hätten. Denn die Windgeschwindigkeiten waren einfach zu hoch.

Und der wechselfeuchte Standort ist für Fichten nun einmal überhaupt nicht geeignet. Dass die Fichten so groß geworden sind, war reines Glück. Denn der Boden, auf dem die Bäume standen, ist im Winter extrem feucht und im Sommer extrem trocken. Die Folge ist, dass die Wurzeln an der Oberfläche bleiben und die Bäume Rotfäule bekommen. Beides kann Rosa Jurkat nur bestätigen.

Tatsächlich haben im Wald von Rosa Jurkat die Stürme Vivian und Wiebke nichts von dem stattlichen Fichtenwald übrig gelassen.
Über Nacht war der Wert eines Einfamilienhauses dahin. "Sieben Hektar lagen darnieder", erzählt Jurkat.

Nach zwei Jahren war das Holz aufgearbeitet. Eine Mammutaufgabe. Nun galt es, 25.000 neue Pflanzen zu setzen: Eichen Buchen, Erlen, Linden, zwischendurch auch ein paar Fichten. Riesige Gebiete wurden gezäunt, mit mäßigem Erfolg. Denn immer wieder kam es zu Verbissschäden.

20 Jahre Frust

"Wir hatten mit dem Wald zwanzig Jahre Frust. Aber jetzt pflanze ich wieder gerne Bäumchen", sagt Jurkat und ist den Fachleuten, die sie bei der Wiederaufforstung beraten haben, bis heute dankbar.

Beim letzten Termin im Rahmen des Bildungsprogrammes Wald zeigte Rosa Jurkat den 24 Waldbesitzern stolz Bäume, die mit einem gelben Plastikring gekennzeichnet waren. Das sind die Z-Bäume, also die Zukunftsbäume.
"Bei den Laubbäumen lässt man nicht immer die dicken Brummer stehen", sagt Anja Mörtelbauer. Vor Ort erörterten die Teilnehmer, ob nun Naturverjüngung oder Anplanzungen besser seien. Fest steht, dass auch auf Kahlflächen durch Anpflanzungen wieder eine Aufforstung möglich ist.

Die anderen Waldbauern konnten das, was Rosa Jurkat durchgemacht hat, nachempfinden: "Ich habe bei den Kursen viele Details gelernt. Ich habe selbst 2007 den ersten Wald gekauft. Für mich ist die Arbeit im Wald ein Ausgleich", erklärt Rainer Herold aus Kasendorf. Unterdessen gräbt Dominik Schmitt im Wald ein Bäumchen aus - samt Wurzel. Alle sind erstaunt, wie tief und verzweigt die Wurzeln sind. Anders als bei Pflanzen, die gesetzt werden. Denn bei solchen Pflanzen werden die Wurzeln gekappt. Sie wachsen nicht so gut an. Außerdem sind gekaufte und vorgezogene Bäume gedüngt, also besonders mineralstoffreich - und das spürt das Wild und knabbert besonders gerne daran.

"Ich habe fünf Hektar Wald, ich wollte eigentlich mal sehen, ob ich alles richtig gemacht habe. Bildung schadet ja nicht", erklärt Hans Bayerlein aus Stadtsteinach. In seinem Wald wachsen vor allem Douglasien, Fichten und Lärche, aber auch Rotbuchen und Kiefer. "Ohne Einzäunung geht bei mir nichts. Vor allem Tannen und Douglasien werden mit Schutzgittern versehen", sagt Bayerlein. Er baut seine Schutzgitter selbst, verankert sie mit Pfählen im Boden.

"Ich habe einen Hektar Wald, teils von meiner Mutter geerbt, teils gekauft", sagt Günther Heinrich aus Marktschorgast. Von berufswegen hat er als technischer Angestellter nicht viel mit Waldbewirtschaftung und deren Anforderungen zu tun. "Ich habe viel über Baumsorten und die Standortwahl gelernt. Und ich hoffe natürlich, dass meine Enkel mal was von meinem Wald haben", sagt Günther Heinrich.

Vor Ort zeigten die Experten, wie man waldbauliche Maßnahmen plant. Sie erklärten , ob Naturverjüngung oder Anpflanzung besser ist - es kommt immer auf den Standort an. Und dann ging es zur Exkursion ins Sägewerk Engelhardt in der Streitmühle - und die Absolventen des Bildungsprogrammes Wald konnten ihre Teilnehmerurkunden in Empfang nehmen.