Mehr als 20 Jahre war sie raus aus dem Berufsleben und trotzdem hat sie im Februar 2013 den Wiedereinstieg geschafft: Sonja Wimmer aus Kasendorf arbeitet seither bei Franken Maxit, 30 Stunden in der Woche.

Die 49-Jährige hatte beim Orientierungsseminar "Neuer Start für Frauen" mitgemacht. "Ich wollte wieder im Büro arbeiten. Aber ich wusste nicht, wie ich das machen soll", sagt Sonja Wimmer. Das Seminar "Neuer Start für Frauen", das von der Gleichstellungsstelle des Landkreises Kulmbach organisiert wird, half nicht nur Sonja Wimmer beim Wiedereinstieg: Bereits zum zehnten Mal findet in diesem Herbst das mehrwöchige Seminar statt, 127 Teilnehmerinnen konnten nach dem Seminar etwas "Neues" beginnen.

"Das Seminar ist offen für alle, die eine längere Auszeit der Familie wegen genommen haben", sagt Heike Söllner, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Kulmbach.
"Das ist unabhängig davon, ob die Frauen Leistungen von der Agentur für Arbeit beziehen oder nicht."

Praktische Tipps

Die inhaltliche Leitung des Seminars liegt in der Verantwortung von Angela Reißmann. Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Zeitmanagement, Selbstsicherheit und Körperwahrnehmung wechseln sich mit der Vermittlung ganz praktischer Fähigkeiten wie Bewerbungstraining, Formalien der Bewerbung, der Erarbeitung einer Bewerbungsmappe und Rethorik-Training ab.

Auch eine Computerwoche ist Teil des Seminars. Teilnehmen können bis zu 16 Frauen. Vom 22. September bis zum 11. Dezember findet der Kurs jeweils Montag bis Donnerstag im Gemeindezentrum St. Hedwig in Kulmbach statt. Die Kursgebühr beträgt 100 Euro.

Viele der Frauen gehen ganz anders aus dem zwölfwöchigen Kurs raus, als sie reingekommen sind, findet Heike Söllner. "Natürlich muss auch die Familie mitziehen", betont sie. Der Kurs ist dabei auch eine Art Probelauf, denn er findet in Teilzeit statt. "Dann können die Frauen schauen, wie es in der Familie läuft, wenn sie nicht da sind."

Praktikum als Einstiegshilfe

Zum Konzept gehört, dass die Frauen sich selbst einen Praktikumsplatz suchen. "Sie sollen sich während des Seminars darüber klar werden, wohin sie wollen. Bei den einen ist das zurück in den erlernten Beruf, bei anderen geht es in eine komplett andere Richtung", weiß Söllner. In dem dreiwöchigen Praktikum können die Frauen dann herausfinden, ob ihnen der ausgewählte Beruf liegt, und sich gleichzeitig dem potenziellen Arbeitgeber präsentieren. "Viele unserer Teilnehmerinnen haben im Anschluss bei der Firma, in der sie das Praktikum gemacht haben, eine Anstellung erhalten", freut sich Söllner.

So erging es auch Sonja Wimmer. Sie hatte vor vielen Jahren die Ausbildung zur Industriekauffrau bei Franken Maxit in Azendorf gemacht und dort gearbeitet. Nach den 20 Jahren Pause hat sie den Wiedereinstieg mit einem Praktikum bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber geschafft.

"Allerdings habe ich nun andere Aufgaben", sagt Sonja Wimmer. Die Stelle, in der sie für die Objektverfolgung zuständig ist, wurde nach dem Praktikum extra für sie geschaffen. "An meinem letzten Praktikumstag haben sie mich zu einem Gespräch gebeten und dann gesagt, dass sie eine Stelle schaffen werden. Ich denke, der persönliche Kontakt ist das Wichtigste, um wieder einzusteigen."

Um richtig eingearbeitet zu werden, hospitierte Sonja Wimmer in einem Unternehmen, in dem es die Stelle bereits gab. "Ich habe schon geschwitzt, als ich dann bei uns alleine in dieser Position angefangen habe." Mittlerweile läuft es aber sehr gut. Von 20 Stunden wurde ihre Arbeitszeit auf 30 Stunden in der Woche hochgeschraubt. "Aber den Luxus, freitags frei zu haben, habe ich beibehalten."