Natürlich muss irgendwas mit Ausziehen kommen. Peter Wackel (35) steht am Samstagabend im Halbdunkel hinter der Bühne und schaut dem mehr als leicht angetrunkenen Moderator von hinten zu. Der ist gerade dabei, die Meute in Ballermann-Stimmung zu bringen. Wie er das macht? Mit Partymusik und BHs.

Zwei Jungs haben die Aufgabe, möglichst vielen Mädels ihre Büstenhalter abzuschwatzen. Das Ballermann-Klischee wird bedient. Peter Wackel lehnt am Holzbalken und guckt sich das Schauspiel an. Er ist weder schockiert, noch gelangweilt, noch sonst was. Er weiß, wie's läuft. Es sind die gleichen Spielchen wie auf Malle.
Wie auf Malle schlürft das eher junge Publikum in Schwingen über lange Trinkhalme Alkohol aus Eimern. Wie auf Malle ist klar: Wenn die Partymeute einsteigt, wird nicht gesungen, sondern gegrölt. "Das ist keine Hochkulturveranstaltung", sagt Wackel.
Dann drückt ihm jemand sein Mikrofon in die Hand. Jungs, Mädels und BHs verlassen die Bühne, und die Eimer mit den langen Strohhalmen wandern an die Seite der Tanzfläche. Wackel springt ins Rampenlicht, und sofort ist die Menge dabei.

Wackel war selbst Party-Urlauber


Er singt sie alle, seine Hits, und das Publikum in Schwingen ist textsicher. Von "Es gibt nur ein Gas - Vollgas", über "Party, Palmen, Weiber und 'n Bier" bis "Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut" ist alles dabei. Natürlich darf einer auf keinen Fall fehlen: "Joanna, du geile Sau".
Das ist Wackels Ding, deutsche Schlager mit neuem Text oder eigene Songs. Er ist keiner, der das Publikum bespaßt - er feiert mit. "Ich war früher selbst so ein Partygänger auf Malle", sagt er. Nach dem Abitur hat er mit seinen Schulkameraden auf der Insel Urlaub gemacht und ist hängen geblieben - auf Mallorca und bei den Partyschlagern.
Wackel, der eigentlich Steffen Peter Haas heißt, ist seit zwölf Jahren verheiratet, lebt mit seiner Frau auf der spanischen Insel. Regelmäßig fliegt er nach Deutschland. "Ich habe zwei Daheims", sagt er. Die Insel und seine Heimat Franken - Wackel stammt aus Bubenreuth im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Und in welchem Daheim gehen die Leute mehr ab? "Im Urlaub ist jeder entspannter", sagt er. "Innerhalb Deutschlands gibt es dann ein Nord-Süd-Gefälle. Ein Kölner ist leichter zu begeistern als ein Franke." Bis auf der Dorfkirchweih die Leute auf den Bänken stünden, dauere es ewig. "Aber", sagt Wackel und zieht die Augenbrauen hoch, "wenn du den Franken einmal hast, steht er bis zum Schluss auf der Bank und klatscht länger als der Kölner."
In Schwingen stehen und klatschen sie nicht nur. Sie springen, tanzen, machen eine Polonaise. Nadine (19) aus Katschenreuth macht das so gut, dass Peter ihr ein T-Shirt zu wirft. Einer, der ebenfalls leidenschaftlich tanzt, ist Fabian aus Neudrossenfeld. Deswegen holt Peter Wackel den 21-Jährigen gleich zum Mitsingen auf die Bühne.

Extra-Song für die Fußballer


Fabian ist begeistert, vor allem, als Peter Wackel extra für die Neudrossenfelder Fußballer - mit denen Fabian gekommen ist - ein zweites Mal die "Schwarze Natascha" schmettert.
Wenn er singt, ist ihm seine fränkische Herkunft nicht anzuhören. Wenn er spricht, schon. "Ich liebe Dialekte! Aber Deutsch sollte man schon können", sagt er und erzählt, wie es seiner Managerin Kathi aus Berlin manchmal ergeht, wenn sie jemanden "aus unserer Ecke" am Telefon hat. In unserer Ecke brüllt das Publikum in feinstem Hochdeutsch "Du geile Sau!" - als Antwort auf Wackels Ausruf "Joanna!"
Nach etwa einer Stunde ist die Malle-Party schon vorbei. Anstatt Hände hoch heißt es nun Hände schütteln, Autogramme verteilen. Eines davon geht an die 19-Jährige Ramona aus Krumme Fohre. Sie ist extra wegen Peter gekommen. "Ich kenne ihn aus dem Fernsehen und von Après-Ski-Cds", sagt sie. Live fand sie ihn "geil". "Es hat echt Spaß gemacht."

Gleich zurück nach Mallorca


Für Peter geht es nach dem Aufritt in Schwingen zurück nach Mallorca. Am nächsten Tag ist er zum Abendessen bei Freunden eingeladen. Aber er wird wieder kommen, nach Deutschland, nach Franken. "Das ist wie bei einem Wochenendpendler bei Siemens", sagt er. Auf Mallorca startet bald die neue Saison. Und weil Peter Wackel nicht wie früher als Party-Tourist im Publikum mitfeiern kann, macht er das eben auf der Bühne - wie in Schwingen.