"Wir sind für alles gerüstet", sagte Dennis O'Toole vor der Abreise. Der 45-Jährige ist einer von sieben freiwilligen Helfern, die für die Adalbert-Raps-Stiftung nach Nepal gereist sind. Gestern Vormittag sind sie von Nürnberg aus in die Hauptstadt Kathmandu gestartet. Nach einem kurzen Aufenthalt geht es von dort aus mit dem Lkw weiter in das etwa 70 Kilometer nordwestlich gelegene Bergdorf Malekhu.
Wie fast überall in Nepal, haben dort die verheerenden Erdbeben im Frühjahr ihre Spuren hinterlassen, Häuser zerstört und viele Familien obdachlos gemacht. Die Kulmbacher Nepalhilfe engagiert sich seit Jahren in dem Örtchen und hat nun zusammen mit der Adalbert-Raps-Stiftung ein Hilfsprojekt zum Wiederaufbau ins Leben gerufen. Mitarbeiter der Firma Raps dürfen selbst mit anpacken.
Die Stiftung zahlt Flug, Unterkunft und Verpflegung, die Mitarbeiter spenden ihren Urlaub.


Werkzeuge für 2000 Euro dabei

Bis zum Wochenende wurde noch eifrig gepackt. Raps-Lagerist O'Toole und Lorenz Feldrapp, Werkstudent bei der Adalbert-Raps-Stiftung, berichten, wie sie sich vorbereitet haben. 32 Kilo wiegen die großen Seesäcke, die bis zum Rand vollgepackt sind mit Werkzeugen, unter anderem mit Bohrmaschinen, Schaufeln, Spaten, Wasserwaagen und Maurerschnur. Zusätzlich zu den Reisekosten gab es nämlich ein Budget für Werkzeuge im Wert von 2000 Euro. Besonders möchte sich Feldrapp für die Unterstützung der Kulmbacher Fachhändler bedanken, denn die Firma Sachs Eisenwaren hat Material im Wert von 100 Euro gespendet, die Firma Winkler Baustoffe hat die Waren zum Einkaufspreis abgegeben. Die mitgebrachten Werkzeuge werden zur Unterstützung des Wiederaufbaus in Nepal bleiben.


Ziel: drei kleine Wohnhäuser

"Hilfe zur Selbsthilfe", so erklärte O'Toole das Projektkonzept. Zwei Wochen wird der Arbeitseinsatz dauern. Das Ziel ist es, drei kleine Wohnhäuser zu je 30 Quadratmetern fertigzustellen. Hauptsächlich geht es darum, den Einheimischen zu zeigen, wie man erdbebensicher baut. Jedes Haus besteht aus neun Säulen, die tief in der Erde verankert sind, und einer Bodenplatte aus Kies und Sand. Die soll Erdbewegungen ausgleichen und beim nächsten Beben das Einstürzen des Hauses verhindern. Für Mauerwerk und Dach sind die Kulmbacher Helfer zuständig.
Dennis O'Toole hat zwar privat viel Erfahrung mit Hausbau und Renovierung, jedoch war eine erdbebensichere Verschalung hierzulande nie ein Thema. Um sich Rat zu holen, hat der Hobbyhandwerker zusammen mit einem anderen Helfer die Firma Dechant Hoch- und Ingenieurbau in Weismain besucht. Mehrere Stunden lang haben sie sich dort von einem Experten beraten lassen. Dieses Wissen sowie die handwerklichen Techniken werden sie an die Nepalesen weitergeben, innerhalb kleiner Gruppen mit vier bis sechs Arbeitern. Eine Englischlehrerin aus dem Dorf wird übersetzen.
In den großen Seesäcken wird kein Platz verschwendet. Um die Werkzeuge zu polstern, haben O'Toole und Feldrapp sie in gespendete Kleidungsstücke eingewickelt, die meisten davon für Kinder. Die bekommen noch ein paar zusätzliche Geschenke: Malstifte, Zahnbürsten und insgesamt 800 Luftballons. "Vielleicht können wir die Kinder für eine Wasserballonschlacht begeistern", sagte O'Toole.
Eigene Sachen haben die Helfer im Handgepäck mitgenommen, lediglich fünf Kilo für jeden. Feldrapp: "Ich habe insgesamt zwei Arbeitsoutfits dabei, falls eines mal durchnässt ist." Dazu kommen Regenjacken und Biwaksäcke, denn zu dieser Jahreszeit ist das Wetter in Nepal schwül und regnerisch. Für den 23-jährigen Feldrapp ist es die erste große Reise dieser Art, aber Sorgen macht er sich keine. "Es könnten zwar wieder Erdbeben auftreten, aber man weiß nicht wann. Das kann noch Jahre dauern", sagte er und gab zu, dass seine Familie durchaus ein wenig Bedenken hatte. Beruhigend ist die Tatsache, dass die Helfer über die Stiftung eine Reiseversicherung haben, Rücktransport inklusive.


"Nepalesen sind nicht alleine"

"Für uns ist es schon ein Abenteuer, aber wir wollen den Leuten in Nepal zeigen, dass sie nicht alleine sind", sagte O'Toole. Wenn alles gut läuft, soll es eventuell im September einen zweiten Arbeitseinsatz geben. Das Interesse unter den Raps-Mitarbeitern sei groß gewesen, sagte Feldrapp, der bei der Adalbert-Raps-Stiftung unter anderem für die Kommunikation zuständig ist. Neben seiner Arbeit auf der Baustelle wird er den Einsatz dokumentieren und versuchen, regelmäßig Bilder und Videos zu schicken.
Ob Internet- und Handyempfang in Malekhu ausreichen, das wird sich zeigen.


Schlechte Nachrichten


Gerade einmal vier Monate nach dem verheerenden Erdbeben gibt es erneut schlimme Nachrichten aus Bhaktapur. Ein Hochwasser hat in der letzten Woche im Siddhi Memorial Hospital, das in der Vergangenheit immer wieder von der Kulmbacher Nepalhilfe unterstützt worden war, schwere Schäden angerichtet. Der sonst ruhige Hanumante-Fluss war nach starken Regenfällen stark angeschwollen und über die Ufer getreten. Eine zwei Meter hohe Flutwelle schoss daraufhin durch die alte Königsstadt Bhaktapur..
"Im Krankenhaus und im angeschlossenen Altenheim ist viel wertvolle Ausstattung zerstört worden, so zum Beispiel das Röntgengerät und das Ultraschall-Gerät", schreibt Hari Adhikari, ein Vertreter der Krankenhaus-Verwaltung, auf seiner Facebook-Seite. Viel elektronische Gerät sei schwer beschädigt worden, ebenso alle sechs Fahrzeuge. Auch medizinisches Material und Lebensmittel sind unbrauchbar geworden.
Schwierigkeiten gibt es Hari Adhikari zufolge auch bei der Versorgung mit Wasser und Strom. "Unsere drei Generatoren sind nicht mehr funktionsfähig."
Bis Sonntag sollte das Hospital komplett geschlossen bleiben. Am gestrigen Montag sollte die Arbeit wiederaufgenommen werden.
"Lasst uns das Beste hoffen", schreibt Adhikari - und hat wenigstens eine gute Nachricht: "Den Patienten, die im Krankenhaus waren, und den alten Menschen im Altenheim geht es gut."gey