"Gut stinkt's hier!" rief ein Mädchen, als die Kinder den Kuhstall betraten. Landwirt Alexander Eber deutete auf die Silage vor dem Fressgitter und fragte: "Wer weiß, was das ist?" Die Kinder kannten die Antwort. "Wir haben schon besprochen, was Kühe fressen", erklärte Yvonne Wiesenmüller, Leiterin des Kindergartens in Höferänger. Damit das Gelernte aber dauerhaft hängen bleibe, müssten die Kinder es erleben, riechen und fühlen.
Alle zwei Jahre lädt der Bayerische Bauernverband Kindergärten und Schulklassen zu Schnuppertagen auf dem Bauernhof ein. "Wo kommt unser Essen her" ist das Motto der Aktion "Kindertag", dieses Jahr vom 15. bis 28. Juni.
Kreisbäuerin Beate Opel zufolge sollen die Kinder ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie Lebensmittel entstehen und die Arbeit der Bauern zu schätzen lernen.

Die Verbraucher von morgen

"Kinder sind die Verbraucher von morgen. Sie sollen verstehen, dass Milch, Fleisch und Gemüse nicht im Supermarktregal wachsen", sagte Opel. Besonders lobte sie das Engagement der Bauernfamilien, die den Kindertag überhaupt möglich machen.
Alexander und Nicole Eber vom Hof in Biegersgut machten bei der Aktion gerne mit, auch wenn das bedeutete, dass sie einen Vormittag lang mehr als 40 Kinder zu Besuch hatten. Ihnen geht es darum, das Vertrauen in die Landwirtschaft zu stärken. "Wenn die Verbraucher aufgeklärt sind, werden sie in Zukunft vielleicht uns Landwirten den Rücken stärken", sagte Alexander Eber, der seit mehr als zehn Jahren den Milchbetrieb führt, mit 140 Stück Vieh und 65 Hektar Futterbaufläche. Schon Tage zuvor hatte er sich Gedanken gemacht, wie er seine Arbeit kindgerecht erklären kann.
Zum Beispiel benötigt eine Kuh etwa 60-Liter Wasser pro Tag, für die Drei- bis Sechsjährigen eine abstrakte Größenordnung. Also hat der Landwirt sechs Eimer mit je zehn Litern Wasser nebeneinander aufgestellt - ein Bild, das sich einprägt. "Wow, ich wusste nicht, dass Kühe soviel Wasser trinken", sagte der 6-jährige Hannes Pongratz aus Rosengrund.
Der 5-jährige Fritz Hofmann aus Esbach kommt selbst vom Bauernhof. Nichtsdestotrotz war er von Ebers modernem Melkstand begeistert, der Platz für zwölf Kühe bietet. Eine Erzieherin konnte den Kindern nichts vormachen, als sie zum Spaß fragte: "Wo kommt das Melkzeug hin? An den Schwanz?" - "Nein, ans Euter natürlich", riefen die Kinder kopfschüttelnd.

Glückliche Landkinder

"Wir sind viel in Wald und Wiese unterwegs, besuchen öfters mal Bauernhöfe oder den Reitstall in Höferänger", sagt Kindergartenleiterin Wiesenmüller, die Kinder hätten ein Glück, dass sie auf dem Land aufwachsen, in der Stadt wäre das nicht so einfach.
Laut Bauernverband sind bei der diesjährigen Aktion "Kindertag" in ganz Bayern mehr als 35 000 Kinder zu Gast auf etwa 500 Bauernhöfen, hier im Landkreis sind es 655 Kinder auf zehn Höfen. Kreisbäuerin Opel sagte: "Egal ob Kindergarten, Schule oder Landwirt, wer gerne beim Kindertag mitmachen möchte, soll sich einfach an den Bauernverband oder die Ortsbäuerin wenden."