Es war ein wahrer Festtag für die Kirchengemeinde in Melkendorf. Im Gotteshaus St.Aegidius setzte die neue Johann-Führer-Orgel ein unüberhörbares, anspruchsvolles Zeichen in strahlender Helle und zarter Verheißung.
Kirchenmusikdirektor Ingo Hahn ließ zur Einweihung in berauschender Fülle das handwerkliche Kunstwerk im Tedeum und in einer Orgelmatinee erklingen. Er hielt quasi eine Lehrstunde ab und stellte dabei die 16 Register umfassende Königin der Instrumente vor. Sogar ein Walzer und eine Polka waren zu hören - die Stimmenvielfalt wird die musikalische Zukunft der Kirche prägen.

Pfarrer Klaus Spyra, in roter Stola als Zeichen der Hoffnung in der Passionszeit, nannte die Einweihung einen Tag der Freude und des Dankes am Kirchensonntag Laetare. "Möge Gott uns die Ohren öffnen für die Macht der Musik."

Es fehlen noch 65 000 Euro

Ein Rundum-Dankeschön richtete er an die, die mitgeholfen haben, die Orgel Wirklichkeit werden zu lassen. Allen voran nannte er den Stadtrat und früherer Vertrauensmann Horst Zahr, der Initiator gewesen sei. Angefangen habe man das Unterfangen mit einer Summe von 44 000 Euro als Grundstock von der 1000-Jahr-Feier der Kirche. Bis jetzt sei ein Betrag von 206 000 Euro zusammengekommen. "Es fehlen noch 65 000 Euro, aber das schaffen wir auch noch. Da müssen wir wieder a g'scheida Kerwa feiern", sagte Spyra. Gemeinsam sei man stark, betonte der Geistliche, weil das alles ohne staatliche oder landeskirchliche Förderung bewilligt worden sei. "Die Kirchengemeinde Melkendorf hat da eine Vorbildfunktion." "Lobet den Herren" wurde aus voller Kehle im dicht gefüllten Gotteshaus gesungen.

Modernes Werk

Mit ganzem Herzen schloss Spyra die Spender in sein Gebet ein. Vor allem seine Organistin Antje Langer finde jetzt beste Bedingungen zum Spielen vor. Orgelbaumeister Führer aus München stellte die Orgel vor, die erste von ihm in Oberfranken gebaute. Das moderne, zweiteilige Werk in lichtem Weiß fügt sich gut in das markgräfliche Interieur aus Holz ein.

Nach der Matinee gab sich Ingo Hahn ganz enthusiastisch, verbeugte sich in einer Hommage vor der Orgel. "Mich bewegt der lebendige Klang. Jedes Register ist in sich fein abgestimmt, besitzt Charakter und fügt sich trotz aller Individualität hervorragend in den Gesamtklang ein. Das ist mit ein wesentliches Verdienst des Intonateurs Andreas Pürtinger".


Die Grußworte

In den Grußworten verdeutlichte man die Größe des Projekts und die unermüdliche Kraft bis zur Vollendung. Der Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm (CSU) sagte: "Seit meinem Amtsantritt habe ich die Kirchengemeinde Melkendorf und viele Veranstaltungen von ihr begleitet. Ich weiß also, zu was sie fähig ist". In den knapp zehn Jahren, seit die Idee des Orgelbaus aufgekommen ist, sei auch die Kirchenrenovierung geschultert worden.

Mit einem kleinen Ausflug in die eigene kirchliche Jugendzeit würdigte Landtagsvizepräsidentin MdL Inge Aures (SPD) das Projekt. Sie sagte in Anlehnung an einen Kinderwunsch: "Damit ist ein Wunder geschehen." Die großen Investitionen, von der Gemeinde aufgebracht, stellte MdL Martin Schöffel heraus. Stellvertretender Landrat Jörg Kunstmann betonte, dass nur eine Gemeinschaftsleistung zu solchem Erfolg führe. Vertrauensmann Hermann Dunkel präzisierte: "Kirchgeld seit 2006, Spenden von Jubiläen, Geburtstagen, von Vereinen, Einnahmen aus den Kerwas und Gemeindefesten flossen. Für mich ist es eine außergewöhnliche Unterstützung des Vorhabens".

Die Feier umrahmten vier Kirchenchöre.